Eschweiler: Feiern mit der Großfamilie: Sieben Wunschzettel fürs Christkind

Eschweiler: Feiern mit der Großfamilie: Sieben Wunschzettel fürs Christkind

Vorsichtig öffnet sich die Tür zum Wohnzimmer, in dem im Kerzenschein der geschmückte Tannenbaum steht. Das Herz schlägt schneller, der Blick wandert zu den liebevoll eingepackten Geschenken unter dem Baum, das Leuchten in den Augen wird stärker und die Ungeduld, endlich sein eigenes Geschenk auszupacken, immer größer.

Als Kind ist der Heilige Abend meist eines der aufregendsten Erlebnisse im Jahr. Wenn man erwachsen ist, kann der Abend aber vor allem eines bedeuten: viel Stress. Die ganzen Vorbereitungen, Einkäufe, Geschenkebesorgungen und Kochen, können die Vorfreude überschatten. Wie muss es dann sein, wenn man mit sieben eigenen Kindern den Heiligabend verbringt?

Jedes Jahr bastelt Nicole Wesemann einen neuen Adventskranz und stellt ihn vor die passende Kulisse im Esszimmer.

Nicole und Ronny Wesemann sind die Eltern von Celina (16 Jahre), Lea (13), Julie (elf), Finja (neun), Penelope (sechs), Amalia (drei) und Milan (ein Jahr) und haben somit etwas mehr für den Heiligabend vorzubereiten.

Mama Wesemann hat den Plan

Aber von Stress keine Spur bei Nicole Wesemann. Planung ist alles. Bereits im August wurden die ersten Geschenke eingekauft. „Gerade für die kleinen kann man da ja ganz gut vorplanen“, weiß Nicole Wesemann. Aber eigentlich sei es wie immer, es kämen halt nur ein paar Termine dazu. „Mein Mann fragt dann immer: ‚Was steht heute an?‘ Ich gebe dann immer den Plan weiter.“

Dann wird angepackt: Während ihr Mann die Kinder zum Sport fährt, was sie eigentlich immer zusammen machen, bleibt sie in der „heißen Phase“ vor Weihnachten dann zu Hause und nutzt die Zeit zur Vorbereitung und für Geschenkebesorgungen. Ihre Kinder schreiben jedes Jahr fleißig einen Wunschzettel an das Christkind, legen ihn auf die Fensterbank und am nächsten Tag sind die Zettel dann durch Kekse ausgetauscht worden und die Wünsche in Bearbeitung.

Das Haus der Familie ist noch im Umbau, jedes Kind soll sein eigenes Zimmer haben — es gibt immer etwas zu tun. Dennoch darf die Weihnachtsdekoration für die Einstimmung auf die besinnlichen Tage nicht fehlen. „Eigentlich bemalen wir jedes Jahr noch die Fenster zu Weihnachten, aber das haben wir dieses Jahr nicht geschafft“, erzählt Mama Wesemann. Dann halt nächstes Jahr wieder.

Der Baum ist schon geschmückt und der Adventskranz leuchtet mit drei Kerzen. Den macht Nicole Wesemann jedes Jahr selber, und es wird immer ein anderer. „Danach verschenke ich die Adventskränze immer.“ Es ist schon so etwas wie eine Weihnachtstradition. Jedes der sieben Kinder hat seinen eigenen Adventskalender. Der von den kleineren Kindern steht aber unter strenger Aufsicht der Mama und wird immer wieder in Sicherheit gebracht. Zurecht, denn wenn die dreijährige Amalia einmal beim Türchenöffnen ist, fällt das Aufhören schwer. „Oh hier ist ein Armband drin. Darf ich noch ein Türchen aufmachen?“

Am Heiligabend klappt das mit der Geduld bei den Sieben aber im Großen und Ganzen sehr gut, versichert Nicole Wesemann, auch wenn es nicht immer leicht ist. Sowieso läuft der Heiligabend in der Großfamilie nicht sehr viel anders ab, als woanders „Bei anderen Familien ist es an Heiligabend vielleicht etwas ruhiger als bei uns“, lacht sie. Um 16 Uhr geht es zur Kirche, und danach wird zu Hause in Bergrath gegessen. Dabei darf es immer nur ein Gericht geben: Kartoffelsalat, Würstchen und Frikadellen. „Ein Jahr gab es auch mal Pute, aber das fanden die Kinder nicht so toll.“ Beim Essen sagt Penelope immer ein Weihnachtsgedicht, das gehöre für sie schon dazu.

Sind alle satt, wird zusammen der Tisch abgeräumt und die große Tochter, Celina, beschäftigt ihre Geschwister oben und es wird so lange gespielt, bis das Christkind die Glocke läutet, nachdem es alle Geschenke gebracht hat. „Dann kommen alle die Treppe herunter gerannt.“ Jedes Kind kriegt mehrere Geschenke, die aber alle geordnet und nacheinander ausgepackt werden. Die Großen Mädels schenken den Kleineren auch etwas, das sie freiwillig von ihrem eigenen Taschengeld besorgen, erzählt die Mutter stolz. Das Auspacken kann schon sehr lange dauern, aber schließlich ist es Heiligabend. Der will ausgekostet werden. Die Kinder gehen dann entsprechend auch später ins Bett.

Nicht aber, bevor die Geschenke dann aufgebaut oder ausprobiert werden. „Letztes Jahr habe ich Inliner bekommen und gleich hier im Wohnzimmer ausprobiert“, erzählt die sechsjährige Penelope und grinst. Sie freut sich vor allem auf das Christkind und die Geschenke. Mama Wesemann freut sich ebenfalls, aber weniger über die Geschenke, sondern über das Strahlen in den Gesichtern ihrer Kinder: „Wenn sich die Kinder dann alle so über ihre Geschenke freuen, das ist mein Highlight“, erklärt sie. Für sie ist aber vor allem wichtig, dass alle zusammen sind und gemeinsam den besinnlichen Abend verbringen.

Extra einen Raum gemietet

Sie selber ist auch in einer Großfamilie mit weiteren vier Geschwistern groß geworden. Eigentlich sieht sie den Rest ihrer Familie erst am 2. Weihnachtstag, aber dieses Jahr kommt ihre Schwester auch an Heiligabend vorbei, „weil sie so ein super Geschenk hat und die Lea uns schon seit Monaten damit nervt.“ Die ausgewählten Konzertkarten müssen also unbedingt an Heiligabend übergeben werden.

Am ersten Weihnachtstag kommen dann die Paten und abends geht es zum Opa der Kinder, wo es noch mal Geschenke und Essen gibt. Am letzten Weihnachtstag ist dann großes Familientreffen von Nicoles Seite. „Dieses Jahr haben wir uns einen Raum gemietet und Catering geordert“, erklärt sie und freut sich, den Tag mit ihren Großeltern, Eltern, Geschwistern, Neffen, Nichten und Kindern zusammen zu verbringen und sich um nichts kümmern zu müssen. Für eine Mutter mit sieben Kinder ist das also wie ein Tag Urlaub, bevor der Alltag wieder losgeht und die besinnliche Weihnachtszeit schon ab dem Sommer wieder vorbereitet werden will.