Eschweiler: Fazit zur Rauchmelderpflicht: Wenn’s piept, kann schnell geholfen werden

Eschweiler: Fazit zur Rauchmelderpflicht: Wenn’s piept, kann schnell geholfen werden

Seit einem Jahr gilt sie, die Rauchmelderpflicht für alle Wohnungen in Nordrhein-Westfalen. Allerdings: Eine gesetzliche Handhabe zur Kontrolle gibt es nicht, und wer keine Rauchmelder installiert, braucht auch kein Bußgeld zu fürchten. Was offenbar viele veranlasst, auf die kleinen, preiswerten Lebensretter zu verzichten.

Während Eschweilers Feuerwehrchef bei Neubauten in Sachen Rauchmelder alles im grünen Bereich sieht, gibt es in Bestandsbauten Probleme: „Zahlen gibt es keine, aber ich schätze mal, dass vielleicht die Hälfte der Altbauten mit Rauchmeldern ausgestattet ist“, sagt Johnen.

Dichter Rauch dringt aus einer Wohnung an der Gutenbergstraße. Ein Rauchmelder schlägt Alarm, ehe es zur Katastrophe kommt. Foto: Rudolf Müller

Dabei kosten die Melder, die in erster Linie Leben retten sollen, aber häufig auch erhebliche Sachschäden verhindern, nicht die Welt. „Ab 20 Euro gibt es vernünftige Geräte. Spitze sind natürlich funkvernetzte Melder, die heute auch schon sehr günstig zu haben sind.“ Sie sorgen dafür, dass auch im Schlafzimmer im zweiten Obergeschoss der Melder losheult, wenn im Keller der Wäschetrockner in Flammen aufgeht — und nicht erst, wenn Flammen und Rauchschwaden die oberen Stockwerke erreichen.

Die Befürchtung, dass piepsende Rauchmelder die Zahl der Fehleinsätze drastisch steigern würden, hat sich nicht bewahrheitet, sagt Axel Johnen. Sicher sei die Zahl gestiegen, aber „da reden wir von zwei, maximal drei Einsätzen im Monat, nicht drei am Tag. Das ist marginal. Nichts, was uns dazu bringen würde, andere Aufgaben zu vernachlässigen.“ Vor Einführung der gesetzlichen Rauchmelderpflicht habe es keine Einsätze gegeben, nachdem ein Nachbar Alarm geschlagen hatte, der es in der Wohnung nebenan piepen hörte.

Erhebliche Schäden verhindert

Aber: Allein Johnen war im vergangenen Jahr an drei Einsätzen beteiligt, die auf Anrufe besorgter Nachbarn zurückgingen. Einsätze, wo die Wehr in verqualmte Wohnungen eindrang, in denen sich durch angebranntes Essen oder umgefallene Kerzen Brände zu entwickeln drohten, die immense Sachschäden zur Folge hätten haben können. „Ohne Rauchmelder hätte man das erst bemerkt, wenn die Flammen aus dem Fenster schlagen“, sagt Johnen.

Eingeführt wurden die Rauchmelder allerdings nicht zur Verhütung von Bränden, sondern in erster Linie zur Rettung von Menschenleben: zur unüberhörbaren Warnung vor giftigen Rauchschwaden, die ins Schlafzimmer wabern und Bewohner im Schlaf ersticken. Aber auch zur Verhütung drohender Brände leisten sie hervorragende Dienste, ganz gleich, ob die Bewohner im Hause sind oder nicht.

„Es gibt ja auch den Fall, wo Essen auf dem Herd steht, während die Dame des Hauses im Wohnzimmer ein kurzes dreistündiges Telefonat führt und die Dampfschwaden aus der Küche schon in den Flur ziehen.“ Ein Fall für den Rauchmelder. Der im übrigen grundsätzlich alle zehn Jahre ersetzt werden muss, unabhängig vom Batteriestand.

Aufmerksame Nachbarn, die beim schrillen Jaulen eines Rauchmelders in der Wohnung nebenan vorsorglich die Feuerwehr alarmieren, brauchen auch im Fall eines Fehlalarms keinerlei Konsequenzen zu fürchten: Diese Einsätze sind grundsätzlich kostenlos. „Wir rücken lieber einmal mehr vergebens aus als einmal zu wenig“, so das Credo der Wehr.

Auch wenn solche von Rauchmeldern ausgelösten Einsätze oft für eine böse Überraschung bei den Wohnungsinhabern sorgen. Denn sind die nicht zu Hause, hat die Wehr keine Wahl, als die Wohnungstüre aufzubrechen. Allerdings, so betont Brandrat Johnen, „so schonend wie möglich“. Dafür haben die Einsatzfahrzeuge Profiwerkzeug an Bord, mit dem sich Türschloss-Zylinder „ziehen“ lassen.

Ebenfalls an Bord: Ersatzzylinder, die beim Abrücken der Wehr eingebaut werden. „Die Leute sind schon schockiert, wenn sie nach Hause kommen und einen Zettel an ihrer Tür finden: ,In Ihrer Wohnung fand ein Feuerwehreinsatz statt. Bitte holen Sie sich bei der Polizei Ihre neuen Wohnungsschlüssel ab.‘“

Es gibt aber auch Fälle, wo ein neuer Schlosszylinder nicht hilft: wenn die Türen so gesichert sind, dass der Wehr nichts übrig bleibt, als sie mit brachialer Gewalt zu öffnen — wenn sich kein gekipptes Fenster findet, durch das die Wehrleute sich Zugang zur Wohnung verschaffen können. Dann sichert nach dem Abzug der Wehr die Polizei die Wohnung bis zur Rückkehr der Inhaber.

Für Axel Johnen ist das Fazit nach einem Jahr Rauchmelderpflicht durchweg positiv. Noch besser wäre es allerdings, wenn auch die restlichen Wohnungen mit den vorgeschriebenen Lebensrettern ausgestattet würden.

Mehr von Aachener Zeitung