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Eschweiler: Faszinierende Augenblicke der Malerei

Eschweiler : Faszinierende Augenblicke der Malerei

Normalerweise ist es die Standardsituation: Menschen betrachten Bilder. In der Evangelischen Friedenskirche wandelt sich zurzeit dieses eigentliche alltägliche Erleben: Hier betrachten die Bilder ihre Besucher - so scheint es zumindest.

Der Kölner Künstler Rainer Barzen präsentiert dort Ausschnitte seiner Serie „Nahaufnahme”, in deren Mittelpunkt immer eines steht: die Augenpartie berühmter Portraits der Kunstgeschichte.

Für die Besucher bei der Ausstellungseröffnung am Sonntagmittag war es eine spannende Angelegenheit: „Nicht ich schaue das Bild an, sondern das Bild schaut mich an”, das war der erste grundlegende Eindruck beim Großteil der Anwesenden.

Monumentales Format

Anlass für den 47-jährigen Künstler Rainer Barzen, die Serie „Nahaufnahme” mit mittlerweile acht Augen-Potraits im Jahr 2003 zu beginnen, war ein Besuch in der New York Frick Collection. Dort traf er auf ein Selbstbildnis Rembrandts, das Barzen als ein „Seh-Erlebnis mit unglaublicher Intensität” beschreibt. Ausgehend von dieser Erfahrung entwickelte er die bildnerische Strategie der „Nahaufnahme”. Wie mit einem Zoomobjektiv holt Barzen die Augenpartie berühmter Portraits heran und vergrößert diesen Ausschnitt zum monumentalen Format von 1,90 Meter Höhe und 2,70 Meter Breite.

Durch die nahezu ausschließliche Fokussierung auf die Augen als dem auffallendsten Merkmal der menschlichen Physiognomie entstehen Bilder von großer Eindringlichkeit. Bei der Ausstellung in der Friedenskirche, die von der Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler und der Galerie Art Engert präsentiert wird, blicken den Besucher die Augenpaare vom „Spätportrait Rembrandts”, vom „Mädchen mit dem Perlenohrring”, vom „Philosoph Sloterdijk” und vom „Bildnis einer jungen Frau” an.

Dabei erweitert Rainer Barzen die übliche Perspektive: Aus dem Betrachter wird der Betrachtete, aus dem Schauenden wird der Angeschaute. „So entsteht ein Dialog von seltener Intensität und Nähe”, erläuterte Kunsthistorikerin Pia vom Dorp bei ihrer Einführung in die Ausstellung. Zugleich werde ein Vier-Augen-Raum geschaffen, dessen Maße durch den Blickwechsel sowie die Interaktion von Betrachter und Gemälde definiert ist.

„Rainer Barzens Malerei handelt von ihren Darstellungsformen, ihren Darstellungstraditionen und von Sehen, der Grundlage aller Kunstbetrachtung, von Prozessen und Mechanismen der Wahrnehmung, von Psychologie, Suggestion, Illusion und Magie”, beschrieb Pia vom Dorp die verschiedenen Facetten der Werke Barzens. Mit farbsatter Ölmalerei und dem der Fotografie entlehnten Mittel des Zooms verschaffe er dem Betrachter neue Seherfahrungen und lehre ihn das Staunen - über die Kunst und über sich selbst.

Kunst und Kirche

Auch Galeristin Anita Engert und Pfarrer Friedhelm Schippers zeigten sich von den Werken, die zurzeit die Wände der Friedenskirche an der Friedrichstraße schmücken, beeindruckt. Es war die erste Ausstellungseröffnung in dem evangelischen Kirchengebäude, aber ganz bestimmt nicht die letzte: „Wir begrüßen die Begegnung von Kunst und Kirche sehr, denn Gemeinsamkeiten sind viele vorhanden”, so Pfarrer Schippers. Nicht nur die Kunst biete verschiedene Perspektiven, auch die Perspektiven in einem Gotteshaus seien unterschiedlich für den jeweiligen Besucher.

Zu sehen ist die Ausstellung „Nahaufnahmen” noch bis zum 15. Dezember. Am Sonntag, 21. November, findet um 17 Uhr in der Kirche eine Lesung zum Thema „Sehen” mit Talbahnhof-Kulturwirt Walter Danz statt.