Eschweiler: Fast vergessen: Eschweilers Jugendzeltplatz hat einiges zu bieten

Eschweiler: Fast vergessen: Eschweilers Jugendzeltplatz hat einiges zu bieten

Eigentlich sollen hier seit dem 1. April (und das ist kein Aprilscherz, sondern städtisches Reglement) junge Leute die Natur genießen und Gemeinschaft erleben. Doch auf Eschweilers Jugendzeltplatz am Dürwisser Freibad herrscht Totenstille.

Einsam steht eine hölzerne Bank inmitten der rund 850 Quadratmeter großen Wiese, auf der statt Gemeinsinn nur Unkraut sprießt. Christi-Himmelfahrts-Tag: allerorten mit dem damit verbundenen langen Wochenende ein beliebter Termin für Zeltlager. Auf dem Jugendzeltplatz Dreistegen bei Monschau treffen sich an diesem Wochenende Naturfans aus halb Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus zum traditionellen Vater-Kind-Zelten. Und das schon so lange, dass die Kinder inzwischen mit eigenen Kindern anreisen. In Eschweiler bleibt die Wiese leer.

Idylle im Grünen: eine verlassene Sitzbank, eine ungenutzte Feuerstelle mitten auf der leeren Wiese. Für dieses Jahr gibt es erst drei Buchungen für den Jugendzeltplatz. Welches Leben auf und an anderen Zeltplätzen herrscht, das zeigen die kleinen Fotos von Dreistegen an der Rur. Foto: Rudolf Müller/privat

Woran liegt‘s? Und wird das am kommenden Wochenende anders sein, wenn in Dreistegen regelmäßig an die 500 Jugendliche aus vielen Teilen Europas zusammenkommen?

Idylle im Grünen: eine verlassene Sitzbank, eine ungenutzte Feuerstelle mitten auf der leeren Wiese. Für dieses Jahr gibt es erst drei Buchungen für den Jugendzeltplatz. Welches Leben auf und an anderen Zeltplätzen herrscht, das zeigen die kleinen Fotos von Dreistegen an der Rur. Foto: Rudolf Müller/privat

In Eschweiler würde schon ein Bruchteil dieser Menschenmenge genügen, um den Jugendzeltplatz auszulasten. Der Zeltplatz „kann von Gruppen mit maximal 50 Personen oder zwei verschiedenen Gruppen mit je bis zu 25 Personen gleichzeitig belegt werden. Es besteht Platz für zehn Zelte à fünf Personen zzgl. Großraumzelt bzw. Gruppenaufenthaltszelt“, heißt es auf der Internetseite der Stadt Eschweiler. Dort „wirbt“ ein einsames Foto von einer leeren Wiese für den Platz. Andere Jugendzeltplatzbetreiber machen dies anders: Ob Auenland oder Dreistegen — hier gibt es reichlich Fotomaterial über die Plätze und deren Umgebung.

Fast 40 Jahre lang hat der Stolberger Ben Grendel den Jugendzeltplatz Dreistegen geleitet. In seinem Gästebuch finden sich ungezählte Einträge begeisterter Gäste, die teilweise in soundsovielter Generation den Platz im Wald am Ufer der Rur besuchen, hier Natur hautnah erfahren und „erkennen, dass die Erhaltung der Vielgestaltigkeit von Lebewesen und Landschaften zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlage nicht nur für die gegenwärtige, sondern auch für zukünftige Generationen erforderlich ist“, wie Grendel formuliert. „Junge Menschen können hier lernen, dass der Mensch sowohl Verursacher als auch Betroffener von Umweltveränderungen ist.“

Was Ben Grendel mit Blick auf die Wasserqualität der Rur sagt, könnte auch auf den Blausteinsee gemünzt sein. Der bietet nicht nur große Natur- und Landschaftsschutzzonen, sondern hat auch einen enormen Freizeitwert. Nicht das einzige Pfund, mit dem der Jugendzeltplatz Eschweiler wuchern könnte. „Der Zeltplatz liegt unmittelbar neben dem Freibad Dürwiß (kann mitgenutzt werden) und ist integriert in das dortige Freizeitzentrum (Minigolf, Niedrigseilgarten, Grillhütte, Boule-Plätze, Jugendverkehrsschule) sowie das Freizeit- und Erholungsgebiet Blausteinsee (Wandern, Reiten, Schwimmen, Surfen, Tauchen, Segeln, Kanufahren). Zum Zeltplatz gehören separate WC- und Duschanlagen sowie eine Spültheke und Kühlschränke“, heißt es auf der Internetseite der Stadt.

Und nicht allzu teuer ist die Nutzung des Platzes noch dazu: Für Übernachtungen auf dem Zeltplatz wird pro Person und Übernachtung ein Kostenbeitrag in Höhe von 2,80 Euro (inklusive Stromverbrauch) erhoben, hinzu kommt noch eine zu hinterlegende Kaution von 150 Euro je Gruppe. Zum Vergleich: In Dreistegen werden 2,50 Euro fällig, im Tiefenbachtal bei Simmerath zwischen 2 und 3,50 Euro, in Adenau sind es 2 Euro, in Nettersheim dagegen 5 bis 5,50 Euro.

„Wenn an diesem Wochenende niemand auf dem Platz war, dann heißt das, dass da wohl niemand gebucht hat“, sagt Olaf Tümmeler, Fachbereichsleiter im Jugendamt. Da hat er zweifellos recht. Aber woran liegt‘s? An mangelnder Werbung? Zur Eröffnung des Platzes hat die Stadt Flyer an Vereine und Schulen verteilt. In Eschweiler. Außenwirkung: keine. Wer einschlägige Internetportale bemüht, sucht den Jugendzeltplatz Eschweiler meist vergeblich. Obwohl er dort, wie Tümmeler sagt, gelistet sein müsste. Hinweise sucht man übrigens nicht nur in der virtuellen, sondern auch in der realen Welt vergeblich: Kein einziges Schild weist den Weg zu dem versteckten Gelände.

Eröffnet wurde der Jugendzeltplatz im Sommer 2011 mit dem Besuch einer Gruppe von 25 Jugendlichen aus Eschweilers französischer Partnerstadt Wattrelos, offiziell in Betrieb ist er seit dem Frühjahr 2012.

In den zurückliegenden beiden Jahren gab es jeweils acht Buchungen - fast alle aus der Indestadt selbst. Pfadfinder, Wasserfreunde Delphin, Rote-Funken-Jugend, Feuerwehr, Awo Dürwiß, Messdiener aus Aachen Stadtteil Brand, der Rottweiler-Club, der Judo-Club, Pfadfinder aus den Niederlanden waren da. „Vielleicht ist Zelten auch gar nicht mehr so angesagt“, vermutet Olaf Tümmeler. Die Erfahrungen auf anderen Plätzen sprechen da eine andere Sprache. Fürs laufende Jahr gibt‘s erst drei Buchungen, bestätigt das Jugendamt. Die erste für das Pfingstwochenende.

Am Himmelfahrtstag fiel uns der völlig leere Platz am Freiband ins Auge. Dass dieser Artikel erst am Dienstag erscheint, hat seinen Grund: Am Freitag war keiner der auf der städtischen Internetseite genannten Ansprechpartner von Jugendamt und Mobiler Jugendarbeit für eine Stellungnahme zu erreichen. Und auch am Montag war‘s nicht einfach: Der Mitarbeiter, den die Internetseite der Stadt als Ansprechpartner ausweist, ist dort gar nicht mehr beschäftigt.

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