Eschweiler: Fahrradfreundlich ist die Indestadt noch lange nicht

Eschweiler : Fahrradfreundlich ist die Indestadt noch lange nicht

Bürger, fahrt Rad! Eschweiler möchte fahrradfreundlicher werden. Ein Mobilitätskonzept ist in Arbeit, und im September beteiligt sich die Stadt an dem bundesweiten Stadtradeln-Wettbewerb. Dass es noch ein langer Weg bis zu einer wirklich fahrradfreundlichen Stadt ist, weiß man auch im Rathaus.

Nach den gefährlichsten Stellen für Radler fragte unsere Zeitung einen, der sie kennt wie kaum jemand sonst: Hermann Burgold aus Dürwiß ist Fahrlehrer und zugleich begeisterter Radler. Mit dem Rad zur Arbeit, mit dem Rad zum Einkaufen, mit dem Rad ins Grüne — ab dem 3. September sollen sich möglichst viele Eschweiler aufs Fahrrad schwingen. Drei Wochen lang. Stadtradeln heißt der bundesweite Wettbewerb, an dem sich die Stadt Eschweiler erstmals beteiligt. 21 Teams haben sich bereits angemeldet. Die Strecken, die im September geradelt werden, werden aufgezeichnet und ausgewertet.

Dadurch, so die Idee, kann die Stadt die meistbefahrenen Radrouten in Eschweiler erkennen und Prioritäten für einen fahrradgerechten Ausbau setzen. Möglicherweise ein Irrtum, denn es gibt Straßen, die derart gefährlich für Radfahrer sind, dass sie gemieden werden. Gerade dort aber sind Verbesserungen notwendig. Beispielsweise die Aachener Straße Richtung Röhe, der „Röher Berg“, Bundesstraße 264. Rechts parken Autos, links dröhnt der Verkehr. Da kommen Radler nicht nur durch die Steigung ins Schwitzen. Zumal man beim Radeln bergauf schon mal in Schlangenlinien fährt und mehr Platz seitlich braucht. Radwege? Fehlanzeige. Als Fahrlehrer zeigt Burgold seinen Fahrschülern, wo sie besonders auf Radler achten müssen: „Es wird immer dann gefährlich, wenn Radler auf Rechtsabbieger treffen“. Besonders, wenn dort Radspuren enden.

Hier eine Liste der gefährlichsten Stellen im Eschweiler Stadtgebiet.

Jülicher Straße Ecke Heinrich-Heine-Straße: Der Radweg ortseinwärts auf dem Bürgersteig scheint an der Einmündung zu enden, Markierungen sind nicht mehr vorhanden, zudem liegt die Einmündung Heinrich-Heine-Straße in einer Kurve. Manche Autofahrer sind hier überfordert und beachten die Vorfahrt von Radfahrern nicht.

Ortsdurchfahrt Dürwiß: Anders als Weisweiler ist Dürwiß ein Stadtteil fast ohne Radwege. Besonders schlimm ist die Ortsdurchfahrt, also die Jülicher Straße. Sie ist eine schlimme Schlaglochstrecke. Burgold: Hier endet der Wohlfühlfaktor. Niremand nimmt Rücksicht auf Radfahrer, es gibt keinen Schutz.“

Kochsgasse: Als gefährlich empfinden stadteinwärts fahrende Radfahrer den nördlichen Beginn der Kochsgasse, ab Einmündung Hehlrather Straße. Dort verengt sich die Fahrbahn, und der anfangs noch markierte Radweg endet.

Talstraße: Der Radweg auf der nördlichen Seite hat zwei Gefahrenstellen. Auf der Strecke zwischen Zechenstraße und Franzstraße ist er ein mit Baumwurzeln durchwachsener Weg, den man sich mit Fußgängern teilt und der von Autos zugestellt wird, die aus Einfahrten der dortigen Supermärkte kommen. Und ein Stück weiter, Richtung Langwahn, wird der Radweg unvermittelt zu einer Rechtsabbiegerspur für Autos.

Röthgener Straße: Stadteinwärts, kurz vor der Einmündung der Talstraße, endet der Radweg, der vorher auf dem Bürgersteig verläuft. Die hier bergab oft schnell fahrenden Radler werden — für manche Autofahrer überraschend — in den Fahrzeugverkehr geleitet, und zwar auf die Rechtsabbiegerspur. Sie müssen dann, wenn sie geradeaus fahren wollen, den Verkehr kreuzen.

Indestraße: Zu einem bösen Missverständnis lädt ein Schild an der Indestraße ein, direkt bei der Ampel an der Einmündung der Neustraße, also in östlicher Fahrtrichtung. Da steht das Verkehrszeichen 209-30 „Vorgeschriebene Fahrtrichtung geradeaus“, darunter ein Zusatzschild „Radfahrer frei“. Gemeint ist: Radfahrer dürfen auch nach rechts abbiegen. Burgold hat es schon erlebt, dass Radler dieses Schild interpretierten als „Radfahrer dürfen hier auch bei Rot geradeaus weiter fahren“. Das könnte tödlich enden.

Aachener Straße: Für Radfahrer, die auf der Aachener Straße stadteinwärts fahren und nach links zur Dreieckstraße abbiegen wollen, gibt es eine extra Abbiegespur. Aber um auf diese Spur zu gelangen müssen Radfahrer die stark befahrenen beiden Spuren der Aachener Straße kreuzen — eine Mutprobe für sehr nervenstarke Radler.

Bergrather Straße: Vor der Indebrücke Bergrather Straße, wo zwei Ampelanlagen hintereinander geschaltet sind, gab es früher eine Radfahrer-Ampel. Sie machte es möglich, dass Radler schon vor den Autos losfahren durften, um sich dann an der Ampel hinter der Brücke als Linksabbieger Richtung Innenstadt aufzustellen. Seit etwa einem Jahr ist diese Radfahrer-Ampel weg. Seitdem fahren Autos zuerst auf die Brücke und stellen sich dann bei Rot vor der zweiten Ampel auf. Radler müssen dann den Geradeaus-Verkehr kreuzten, um die Linksabbiegerspur zu erreichen.

Dürener Straße: Die Dürener Straße im Innenstadt-Bereich ist eine Einbahnstraße, streckenweise sehr eng mit Parkbuchten an beiden Seiten. Hier gilt: Wer hat die besseren Nerven, der Autofahrer oder der Radfahrer? Radler haben kaum Möglichkeit, auszuweichen, und nicht jeder Radfahrer schafft es, dort Tempo 30 zu fahren. Aber wer langsam radelt, hält den nachdrängenden Autoverkehr auf. Gefährlich wird es dort, wenn genervte Autofahrer versuchen, auf zu kurzen Abschnitten zu überholen.

Um das Radfahren sicherer zu machen und damit auch attraktiver, schlägt Herbert Burgold eine Reihe von Lösungen vor, kleinere und auch Großprojekte. Notwendig sind nach seiner Ansicht Radfahrerampeln nach dem Vorbild der Niederlande oder Dänemark. Die als Radwege gekennzeichneten Sonderfahrstreifen auf den Straßen sollten durchgehend rot sein, und zwar nicht rot angemalt, sondern mit roten Asphalt versehen. Auch eine ausreichende Breite sei notwendig. Sonst hat man — wie etwas auf der Indestraße — die Wahl, entweder über Kanalroste zu rumpeln oder die links vorbei drängelnden Lastwagen zu streifen. Kein großer Aufwand wäre es, wenn bereits vorhandene weiße Markierungen, die Rad- und Autoverkehr trennen, öfter erneuert würden. An manchen Stellen in der Stadt sind sie so abgefahren, dass man sie nur noch erahnen kann. Ein großes Projekt, aber sicherlich auch machbar, sei der Rückbau der vierspurigen Indestraße im Innenstadt-Bereich: zwei Spuren für dem motorisierten Verkehr, die anderen zwei Spuren als Fahrradstraße für die Radler.