Langerwehe: Ex-Profi Gielchen: 1. FC Köln ist seine Familie, Hamich die Heimat

Langerwehe: Ex-Profi Gielchen: 1. FC Köln ist seine Familie, Hamich die Heimat

Vielleicht wird Andreas Gielchen am Samstag beim Heimspiel seines 1. FC Köln gegen Bayern München wieder ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Vielleicht wird er aber auch, wie so oft bei den Heimspielen seines alten Vereins, einen kleinen Plausch mit Jürgen Kohler und Bodo Illgner halten. Und klönen. Über die „guten alten Zeiten”. Damals, im alten Müngersdorfer Stadion.

„Irgendwen trifft man immer im neuen Rhein-Energie-Stadion”, sagt er. „Irgendwie ist der FC halt immer noch meine Familie.” Andreas Gielchen ist 46 Jahre alt, gelernter Physiotherapeut und Ex-Fußballprofi. 169 Spiele hat der Verteidiger in der ersten deutschen Liga absolviert, die allermeisten bei Köln, einige wenige beim MSV Duisburg. 20 Mal hat er später in Liga zwei gespielt. Er war in der U21-Nationalmannschaft und auch zwei Mal auf der Bank bei Spielen der National-Elf. Damals, in den 1980er Jahren, als Jürgen Klinsmann für Deutschland stürmte.

Mit Überzeugung Hamicher

Seit fünf Jahren lebt Andreas Gielchen im Langerweher Ortsteil Hamich, eigentlich aus der Not heraus, weil er sich von seiner damaligen Partnerin getrennt hat und in Hamich bei einem Bekannten „Asyl” bekommen hat. Heute, sagt der gebürtige Eschweiler, der mittlerweile natürlich eine eigene Wohnung hat, sei er „überzeugter Hamicher”. „Ich wohne gerne hier”, so Gielchen, „vor allem, weil ich direkt im Wald bin, um mit meinem Labrador spazieren zu gehen.”

Gielchen hat „schon immer” gekickt, erst bei der SG Eschweiler, später dann bei Alemannia Aachen und schon seit der A-Jugend (von 1983 bis 1991) beim 1. FC Köln; Christoph Daum war damals sein Jugendtrainer. „Ich habe zum Glück erst ziemlich spät Interesse an Mädchen bekommen”, schmunzelt er. „So habe ich mich ziemlich lange auf den Fußball konzentrieren können.” Und das mit Erfolg. Zwei Mal ist er mit Köln deutscher Vizemeister geworden, einmal stand er im Finale des DFB-Pokals. „Köln”, sagt Gielchen, „war damals wirklich die deutsche Parademannschaft. Eigentlich noch renommierter als Bayern München. Es kamen auch immer mindestes vier Nationalspieler vom FC.”

Noch heute wird Gielchen manchmal auf der Straße erkannt, in Eschweiler und Langerwehe sowieso, natürlich auch in Köln. „Es war schon wirklich toll in Köln”, schwärmt er. „Die Klamotten waren immer parat, der Bus erste Klasse.” Und Andreas Gielchen hat mit echten Weltstars zusammen auf dem Fußballplatz gestanden. Toni Schumacher war damals Torwart, außerdem mit im Team Klaus Fischer, Pierre Littbarski und Klaus Allofs. Gielchen: „Man fühlte sich ziemlich schnell als einer von denen.”

Klar, dass Gielchen damals auch gut verdient hat, nicht so viel wie die Nationalspieler zwar, aber immerhin. „Na ja”, sagt er, „was ich früher für ein Spiel bekommen habe, dafür muss ich heute eine ganze Woche arbeiten.” Genug Geld, um damit bis ans Lebensende auszukommen, hat der Profifußball Andreas Gielchen nicht gebracht. „Das sind heute ganz andere Zeiten. Die Mannschaften haben Großsponsoren, von denen sie auch ein bisschen abhängen. Aber ich gönnÔs den Jungs.”

Fußball, sagt Andreas Gielchen, den eine Zweit-Karriere als Trainer übrigens nie gereizt hat („Immer bei Winter und Wetter draußen auf dem Aschenplatz stehen, das ist nichts für mich”), habe 70 Prozent seines Lebens ausgemacht. Und ist auch heute noch ganz sicher mehr für ihn als die „wichtigste Nebensache der Welt”. „Es hat lange gedauert, bis ich mal völlig ohne Fußball leben konnte”, sagt er. „Das war, als ich eine Zeit in Holland gelebt habe. Da habe ich gelernt, dass ein Wochenende auch ohne Sportschau schön sein kann.”

Vor sieben Jahren ist dann aber die Sehnsucht zu seinem FC wieder geweckt worden. Damals hat der Kenner und Liebhaber von Funk und Soul in der Geschäftsstelle seines alten Clubs angerufen und musste sich erst einmal durchfragen. „Weil die neuen, jungen Sekretärinnen mit meinem Namen nichts mehr anfangen konnten.” Und seitdem ist er bei fast jedem Heimspiel. Und hält ein Pläuschchen. Und zittert mit. „Es wird schwer für Köln, die Klasse zu halten.”, sagt er. Aber die Fans sind super. Bei uns war das Stadion nur selten wirklich voll. Heute ist es das Gott sei Dank eigentlich immer.” So wie am Wochenende. Gegen Bayern München.