Evangelische Grundschule Eschweiler wird umgewandelt

Evangelische Grundschule Eschweiler wird umgewandelt: Die EGS muss das E im Namen bald tauschen

Die einzige Evangelische Grundschule in Eschweiler soll zur zweiten Gemeinschaftsgrundschule umgewandelt werden. Grund ist nicht die Tatsache, dass die Schüler mit evangelischem Glaubensbekenntnis seit Jahren in der absoluten Minderheit sind, sondern das Schulgesetz:

Es schreibt vor, dass die Schulleitung dem gleichen Glaubensbekenntnis angehören muss, die die Schule in ihrem Namen trägt. Allerdings fand sich kein protestantischer Bewerber. Jetzt soll ein Abstimmungsverfahren in der Schule stattfinden, an dessen Ende die Änderung zur Gemeinschaftsgrundschule stehen soll.

Schon vor zwei Jahren schlug die Stadtverwaltung vor, das Bekenntnis aus dem Schulnamen zu streichen. Der Anteil evangelischer Schüler sei gering, hieß es damals. Der Schulausschuss lehnte eine Umwandlung jedoch ab. An den Zahlen hat sich jedoch nichts geändert. Von den derzeit 168 Schülern an der Schule sind derzeit 13 evangelisch (7,74 Prozent), 31 katholisch (18,45) und elf orthodox (6,55). Die große Mehrheit ist islamischen Glaubens, nämlich 91 Schüler (54,17 Prozent).

Der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler, Thomas Richter, legte im Schulausschuss am Mittwochabend Wert darauf, dass muslimische Kinder und deren Eltern keinerlei Probleme mit den im Schulalltag gelebten christlichen Ritualen mitgeteilt hätten. „Beim Martinsfest konnte ich beobachten, wie vor allem diese Kinder die Veranstaltung genossen haben“, sagte er. Die Schule habe als christliche Bekenntnisschule funktioniert. Dennoch sei es schwierig, bei einem so geringen Anteil evangelischer Schüler das Schild „EGS“ hochzuhalten.

Katholische Lehrerin

Die Gemeinde war früh im Prozess eingebunden und hatte mitgeteilt, dass man kein Problem damit habe, wenn eine Person mit katholischem Bekenntnis die Schulleitung übernehme. „Die Ökumene funktioniert in Eschweiler sehr gut“, sagte Richter. Die Leitung der EGS hat derzeit eine katholische Lehrerin aus Eschweiler übernommen, die sich auch auf die offene Stelle bewerben will. Das Schulgesetz und die Bezirksregierung machen allerdings einen Strich durch die Rechnung. Ähnliche Probleme bestanden auch an anderen Schulen in Nordrhein-Westfalen.

In Gladbeck gelang es im Sommer, dass eine evangelische Lehrerin die Leitung einer Katholischen Grundschule übernahm. Die zuständige Bezirksregierung in Münster sprach anschließend von einer  „zwingenden Ausnahmesituation“. Die evangelische Bewerberin habe bereits seit 18 Monaten die kommissarische Schulleitung inne, deshalb sei es „schlichtweg eine Entscheidung der Vernunft“, ihre Bewerbung zuzulassen. Die Bezirksregierung in Köln lässt diese Ausnahme bei der letzten evangelischen Bekenntnisschule in Eschweiler hingegen nicht zu.

Hoffnungen setzte man in Eschweiler in den Europäischen Gerichtshof: Der entschied, dass kirchliche Arbeitgeber nicht zwingend eine bestimmte Konfession voraussetzen können. Der Städte- und Gemeindebund sieht jedoch keine Parallele zum Besetzungsverfahren der Schulleiterstelle. In der Stellungnahme heißt es: „Es steht die Übertragung eines öffentlichen Amtes an einer bekenntnisgebundenen staatlichen Schule in Rede, die aufgrund eines förmlichen Gesetzes nur erfolgen darf, wenn der Bewerber der gleichen Konfession angehört.“ Dies sei nicht gleichzusetzen mit der Stellenbesetzung eines kirchlichen Trägers, um die es im Urteil des Europäischen Gerichtshofs ging. Beim Gemeindebund rechnet man nicht damit, dass die Gesetzeslage kurz- oder mittelfristig geändert wird.

Eltern haben das letzte Wort

Nun haben also die Eltern das Wort: Sollten mehr als die Hälfte der Eltern für eine Umwandlung in eine Gemeinschaftsgrundschule stimmen, dann ist die letzte evangelische Bekenntnisschule in Eschweiler Geschichte. Die Schule teilte mit, dass die Mitglieder der Schulkonferenz das geplante Abstimmungsverfahren begrüßen würden. Die Eltern sollen vorab auch in verschiedenen Sprachen informiert werden. Dafür wolle man  das Quartiersbüro Eschweiler-West einbinden.

In der Evangelischen Kirchengemeinde bedauert man die Entwicklung: „Wir werden auch weiterhin den Kontakt zur Schule halten“, teilte Thomas Richter mit. Und verwies aufs Martinsfest: „Nächstenliebe zu vermitteln, ist für alle Kinder wichtig.“

Mehr von Aachener Zeitung