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Eschweiler: „Europa ist wichtig für uns alle”

Eschweiler : „Europa ist wichtig für uns alle”

Am Sonntag sind fast 42.000 Eschweiler aufgerufen, zur Europawahl zu gehen. Über die Bedeutung dieser Wahl sprachen unser Redakteur Friedhelm Ebbecke-Bückendorf mit Bürgermeister Rudi Bertram.

Herr Bertram, Aufrufe zur Wahl gibt es viele. Doch zur Wahlurne gehen beim Thema Europa weniger Menschen als bei anderen Wahlen. Warum ist die Europawahl, wie sie sagen, so wichtig wie eine Bundestagswahl? Und warum ist sie für Eschweiler wichtig?

Bertram: Natürlich ist es auch aus Eschweiler Sicht wichtig, dass sich viele Bürger an der Europawahl beteiligen. Aber der allerwichtigste Grund ist: Ein starkes Europa sichert den Frieden. Meine Generation und die Jüngeren kennen Gott sei Dank keine kriegerischen Auseinandersetzungen in Deutschland. Dass Staaten, die sich früher als Erbfeinde sahen, heute Freunde sind, ist das wichtigste Argument für Europa, das ich mir denken kann.

Konflikte und Feindschaften gibt es aber doch nach wie vor, auch in Europa.

Bertram: Ja, eben deshalb muss auch europaweit Demokratie funktionieren. Die Konfliktherde, die noch bestehen, können durch Demokratisierungsprozesse, wie es eine Europawahl ja ist, weiterhin beseitigt werden. Hierfür brauchen wir ein starkes Europäisches Parlament. Europa ist wichtig für uns alle.

Birgt das jetzt auf 25 Staaten gewachsene Europa nicht sozialen Spengstoff?

Bertram: Nein, aber eine wichtige Aufgabe: Die Angleichung der sozialen Standards. Wir müssen Wert darauf legen, dass die großen sozialen Unterschiede nicht wieder neue Konfliktherde hervorrufen. Wichtig wird sein, dass die sozialen Standards den Menschen ein soziales Gefüge bieten, welches sie in Ruhe und Frieden leben lässt. Wir als Deutsche sind hier ein gutes Beispiel. Die soziale Sicherheit hat uns über Jahrzehnte Wohlstand gebracht.

In Ihrer Arbeit im Rathaus ist Europa ja täglich gegenwärtig...

Bertram: Und ob. Die europäischen Standards wirken sich immer mehr aus. Zum Beispiel, wenn Aufträge vergeben werden, da müssen wir je nach Auftragshöhe europaweite Ausschreibungsverfahren durchführen. Firmen aus den EU-Ländern haben die Chance, in Eschweiler Aufträge zu erhalten und somit auch vor Ort tätig zu werden. Aber genau so auch umgekehrt. Die örtliche Wirtschaft hat bessere Chancen in den anderen europäischen Ländern. Ein anderes Beispiel sind Fördergelder. Nehmen Sie die Umgestaltung der Inde zwischen Eschweiler und Weisweiler, die gerade begonnen hat. Das ist ein europäisches Projekt, das uns hier in Eschweiler viel bringt.

Die wirtschaftlichen Gründe stehen für Sie aber nicht im Vordergrund.

Bertram: Wir sollten Europa als Gesamtheit sehen. Das greift ineinander. Wichtig wird sein, dass wir in ganz Europa so zusammen leben, wie zwischenzeitlich Holländer, Belgier, Luxemburger. Dass wir wie Nachbarn miteinander umgehen und die Freizügigkeit es leicht macht, Freundschaften zu pflegen. Natürlich gibt es Konflikte und Risiken, wenn die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik miteinander gestaltet werden muss. Aber darüber kann man diskutieren, das ist wichtig. Wir haben mit dem immer größer werdenden Europa eine große Chance, man kann sagen eine historische Chance, auch wenn das pathetisch klingt. Es ist die Chance, den Frieden zu sichern und soziale Sicherhiet für die jetzigen und kommenden Generationen zu schaffen. Darum sollen wir am Sonntag zur Wahl gehen.