"Etagenjupp": Bildband über Maler Josef Schmitz von Frank Niersbach

Bildband erinnert an Josef „Etagenjupp“ Schmitz : Er war Heimatmaler, Fotoreporter und Eschweiler Original zugleich

Als die Stadt Eschweiler im Jahr 2008 ihren 150. Geburtstag feierte, zog nicht nur ein bunter Festzug durch die Straßen, der die Menschen quer durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte repräsentierte. Es gab auch eine ganz besondere Ausstellung.

Nämlich die über den Maler Josef Schmitz, seiner Größe wegen auch bekannt als „Etagenjupp“. Die Plakate und Informationen von damals sind jetzt in einem neuen Bildband zu finden.

Für dieses Erinnerungswerk an Schmitz hat sich Frank Niersbach starkgemacht. Er hatte sich bereits vor vielen Jahren auf die Spuren den früh verstorbenen, langjährigen Mitarbeiters dieser Zeitung und Eschweiler Originals gemacht. Niersbach hatte Josef Schmitz nicht nur einen Kalender gewidmet, sondern auch besagte Ausstellung im Rathaus organisiert.

„Die Plakate hatte ich nach der Ausstellung verwahrt und in eine Kiste gepackt. Vor einigen Monaten hielt ich die Mappe mit den Unterlagen wieder in den Händen. Mir kam die Idee, die Plakate und Informationen der damaligen Ausstellung in ein gebündeltes Werk zu bringen“, erzählt Niersbach. Herausgekommen ist nun der Bildband. Auf fast 100 Seiten ist alles erfasst, was damals in der Ausstellung zu sehen war. Und noch einiges mehr, was Niersbach nach der Ausstellung noch alles so entdeckt hat.

Der Band ist in mehrere Kapitel aufgeteilt. In „Der Karnevalist“ gibt es eine einmalige Karikatur von Josef Schmitz, die ihn als radelnden Reporter – auf einem viel zu kleinen Fahrrad – mit dem Titel „40 Jahre mit Erfolg geradelt“ zeigt. Gezeichnet hatte das Bild der Eschweiler Maler Hubert Havenith im Jahr 1988 im Auftrag der KG Klee Oepe Jonge auf einem Teller. Bei der Karikatur soll es sich um eine Auszeichnung für Schmitz handeln, die er für 40 Jahre aktiven Einsatz im Eschweiler Karneval erhalten haben soll.

Besonders bekannt ist das Fallrückzieher-Foto, das Josef Schmitz im Jahr 1954 auf dem Tivoli gemacht hatte. Bei seinen Recherchen stieß Niersbach auf Michael (Michel) Pfeiffer aus Vaals. Durch ihn gelang es Niersbach, über das Kicker-Sportmagazin an eine Kopie der Seite aus der Ausgabe von 1954 zu kommen. „Einige Monate später überraschte mich Michel Pfeiffer mit einem spontanen Besuch in Eschweiler. Er hatte sich sehr über die Reproduktion des Fotos gefreut und dass nun ein Exemplar in der Tivoli-Dauerausstellung ‚Aue Pröll‘ verewigt sei“, erzählt Niersbach. Ein Foto von diesem Treffen mit Pfeiffer von April 2009 habe in diesem Band also nicht fehlen dürfen.

In einem weiteren Kapitel – „Das Treffen“ – erinnert ein Foto an das zufällige Zusammenkommen von Josef Schmitz und Hans Süper in den 1980er Jahren in der Gaststätte „Zur Altdeutschen“. In der Rubrik „Galerie“ gibt es eine Bilderanzahl mit Motiven, die Schmitz nicht so oft malte. Hier erinnert die Zeichnung „Diogenes im Fass“ an die gleichnamige Gaststätte, die einst in der Schnellgasse war.

Natürlich sind auch die Bierdeckel-Zeichnungen im Bildband enthalten, die „Etagenjupp“ bei einer ausgedehnten Mittagspause im Haus Asselhoven gemalt hatte. In der Ausstellung im Jahr 2008 waren nur drei Motive zu sehen. Im Bildband können nun alle 20 Bierdeckelmotive bestaunt werden.

„In den Jahren nach der Ausstellung fanden sich immer wieder neue Spuren seines Schaffens“, berichtet Niersbach. Ein besonderes Fundstück sei das Gemälde in einem Hausflur in Wenau gewesen: „Das 1971 gemalte großflächige Ölgemälde mit dem Motiv der Klosterkirche.“ In seinen anfänglichen Schaffensjahren widmete Schmitz sich häufig der Ölmalerei, später eher seltener. „Es gab immer wieder mal zufällige Hinweise, denen ich nachgegangen bin. In einem Hastenrather Gutshof fotografierte ich die schon damals 2005 sehr verblassten Wandzeichnungen aus dem Jahr 1977 der Schnellengasse und der Alten Eschweiler Burg. Nun sind beide Zeichnungen quasi als historisches Malerei-Dokument im Band festgehalten“, sagt Niersbach.

Und auch das Titelbild des Bildbands hat seine Geschichte. Es ist das Motiv der alten Eschweiler Burg und stammt von der Zeichnung, die Gerd Knipfer damals auf dem Darmstädter Flohmarkt entdeckte. „Seine Entdeckung und der damalige Bericht in der Eschweiler Zeitung waren wohl der Auslöser für die später erfolgten Josef-Schmitz-Erinnerungsaktionen mit einem Kalender und der Ausstellung“, begründet Niersbach sein Engagement.

Während der Arbeiten am Bildband erreichte Niersbach allerdings auch eine sehr traurige Nachricht: Josef Schmitz’ Sohn Michael ist im Frühjahr dieses Jahres im Alter von 58 Jahren plötzlich verstorben. Man habe immer wieder mal Kontakt nach der gemeinsamen Kalenderaktion 2005/06 und der Ausstellung 2008 gehabt. „Er hatte sich immer sehr über eine Erinnerung an seinen Vater gefreut“, sagt Niersbach. Nicht zuletzt ist auch Niersbach froh, „dass ich den Bildband gemacht habe. Man hat ihn schnell zur Hand, und los geht es mit dem Geschichtenerzählen über Josef Schmitz“.

(red)
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