Eschweiler: ESW-Röhrenwerke: Sanierung in Aue abgeschlossen

Eschweiler: ESW-Röhrenwerke: Sanierung in Aue abgeschlossen

Die Sanierung der ESW-Röhrenwerke GmbH ist abgeschlossen. Jetzt wurde der vorgelegte Insolvenzplan in allen Gruppen einstimmig angenommen. Das Ergebnis der Sanierung, die im Rahmen einer Eigenverwaltung vorgenommen wurde: 220 Arbeitsplätze bleiben erhalten.

Der italienische Spezialstahlhersteller Acciaierie Bertoli Safau, zugleich größter Gläubiger, übernimmt die Röhrenwerke.

„Während der Eigenverwaltung ist es gelungen, die Kosten zu reduzieren, um die ESW-Röhrenwerke für die Zukunft aufzustellen. Leider mussten wir 80 Arbeitsplätze abbauen, können aber so 220 Menschen weiterbeschäftigen“, erklärte der Geschäftsführer Herbert Lenzen. Mit dem Abschluss des Verfahrens räumt Lenzen, der das Unternehmen über 40 Jahre lang durch alle Höhen und Tiefen führte, seinen Chefsessel.

An der Sanierung des Unternehmens war auch die Düsseldorfer Kanzlei Lambrecht beteiligt. Der federführend tätige Partner Martin Lambrecht hat den Insolvenzplan ausgearbeitet, auf dessen Grundlage das Unternehmen nunmehr saniert werden konnte. „Ohne das Engagement aller, insbesondere des Betriebsrats, der IG Metall, der Geschäftsführung, der Arbeitnehmer und nicht zuletzt des italienischen Hauptlieferanten Acciaierie Bertoli Safau wäre eine Sanierung nicht denkbar gewesen“, sagte Lambrecht nach dem erfolgreichen umgesetzten Plan.

Dr. Frank Kebekus, der vom Amtsgericht als Sachwalter bestellt wurde, bestätigte dies: „Die sehr komplexe Sanierungslösung wurde von allen Seiten konstruktiv mitgetragen, ein erfreuliches Ergebnis.“

Am 3. Dezember des vergangenen Jahres hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet und ein neues sanierendes Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Aachen beantragt. Im Unterschied zu einem Regelinsolvenzverfahren wird dabei der Betrieb von der Geschäftsführung fortgeführt und unter Nutzung der insolvenzrechtlichen Möglichkeiten saniert. Das Unternehmen war finanziell unter Druck geraten, weil die Aufträge aus der Ölbranche wegen des niedrigen Ölpreises ausblieben.

Die ESW-Gruppe, wozu neben der ESW-Röhrenwerke GmbH noch die I & R Instandhaltung und Reparaturen GmbH gehörte, beschäftigte bei Antragstellung noch 298 Arbeitnehmer. Der Geschäftsbetrieb der I & R Instandhaltung & Reparaturen GmbH wurde während des Verfahrens auf die ESW-Röhrenwerke übertragen. Das Unternehmen stellt nahtlose Stahlrohre für ein weites Anwendungsspektrum her. Bis zu 70.000 Tonnen werden jährlich produziert.

Mit dem Abschluss der Sanierung wird sich Herbert Lenzen aus dem operativen Geschäft zurückziehen. In mehr als 40 Jahren unternehmerischer Tätigkeit hat er die ESW-Röhrenwerke bisher geführt. Von einer erfolgreichen Fortführung des Unternehmens hängt nicht zuletzt ab, ob sich die Lage auf dem Ölmarkt wieder stabilisiert. Der Umsatz in Aue war vor der Insolvenz von jährlich knapp unter 100 Millionen Euro auf nahezu die Hälfte eingebrochen.

(pan)
Mehr von Aachener Zeitung