Eschweiler: Wartezeiten auf TÜV-Prüftermine soll sich wieder verkürzen

Langes Warten auf Fahrprüfung : TÜV reagiert auf Kritik, ab September soll Situation normal sein

Fahrlehrer haben sich beim Verkehrsministerium darüber beschwert, dass ihre Prüflinge bis zu sechs Wochen auf Termine warten müssen. Das hat jetzt Wirkung gezeigt.

Daniel Tamme war im Juni einer der Fahrlehrer, der öffentlich über das Problem des TÜV gesprochen hat, dass Fahrschüler viel länger als sonst auf ihre Prüfungstermine warten müssen. In Einzelfällen bis zu sechs Wochen, jahrelang war ein Zwei-Wochen-Rhythmus normal. Überdurchschnittlich lange Wartezeiten sorgen dafür, dass Fahrschüler mitunter mehr Fahrstunden nehmen, also auch mehr Geld bezahlen müssen. Und kurzfristig verlegte Prüfungen seitens des TÜV werfen die Terminkalender sowohl der Fahrschulen als auch der Schüler durcheinander – Termine, die Wochen im Voraus geplant sind.

Dass der Eschweiler Fahrlehrer Daniel Tamme zu einer Berichterstattung beigetragen hat, hat nach Aussagen von Ralf Dovermann einen Beitrag dazu geleistet, dass der TÜV Rheinland die Problematik ernsthaft angegangen ist. Dovermann ist der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes im Bezirk Aachen, am Montag hat er an einer Gesprächsrunde mit dem TÜV teilgenommen. Danach konnte er auf Anfrage mitteilen: „Ab den Kalenderwochen 37/38 soll beim TÜV wieder alles in Ordnung sein. Das war die Frist, die wir als Fahrlehrerverband mit dem TÜV vereinbart haben.“ Die KW 37 beginnt am 16. September, also spätestens ab dem 23. September (KW 38) sollte sich die Wartezeit auf die gewohnten zwei Wochen reduzieren.

Aktuell seien drei bis vier Wochen Standard, sagt Daniel Tamme. „Zwei Wochen sind derzeit nicht möglich. Dass ich einmal sieben Tage nach meiner Anfrage einen Termin bekommen habe, war die absolute Ausnahme“, betont der Fahrlehrer. Mit der derzeitigen Situation könne man leben, auch wenn es insbesondere für die Prüflinge „nicht schön ist“. Tamme zählt seinen Betrieb auch zu den kleineren Schulen, die weniger stark von der Problematik betroffen seien als zum Beispiel die größeren, die auch Prüflinge vom Arbeitsamt zugeteilt bekommen.

Über die Gründe der entstandenen Problematik gibt es mehrere Ansichten: Die Fahrschulen sind auch nach Gesprächen mit Prüfern der Meinung, dass der TÜV zu wenige Prüfer beschäftigt. Hinzu komme die interne Umstrukturierung des TÜV Rheinland zu Beginn des Jahres, weil seitdem die Anfragen aus der Aachener Umgebung zentral von Bonn aus koordiniert werden.

Der TÜV selbst räumte im Juni auf Anfrage ein, dass der zweite Aspekt zu der aktuellen Situation beigetragen hat – der vermeintliche Fahrlehrermangel aber nicht. Überdies widersprach der TÜV, dass die Wartezeit bei bis zu sechs Wochen liegen würde und gab maximal drei Wochen an. Derzeit seien es zwei Wochen und fünf Tage, wie die Prüf-
organisation am Montag auf Anfrage mitteilte. Dass die Probleme im September behoben seien sollen, sei intern „eine klare Vorgabe“. Im Juni war allerdings noch die offizielle Aussage, dass sich die Lage bis zum Ende der Sommerferien entspannt haben sollte.

Fahrlehrersprecher Ralf Dovermann spricht zwar davon, dass die vergangene Woche in Sachen Wartezeiten der negative Höhepunkt der vergangenen Monate gewesen sei, als „gar nichts in Ordnung war“. Aber er gibt sich seit Montag optimistisch: „Der TÜV wird die Frist einhalten. Der TÜV hat das Problem nach der überregionalen Berichterstattung eingesehen und angepackt. Das System hat einfach nicht mehr funktioniert.“

Lückenfüller aus oberen Etagen

Was hat der TÜV geändert? Eine Maßnahme war, dass Prüfungen nun auch auf Samstage terminiert werden. So seien schon viele Termine, die sich angestaut haben, abgearbeitet worden. Eine weitere: Führungskräfte, wie zum Beispiel Leiter der einzelnen Prüfstellen, sind als Prüfer eingesprungen, berichtet Dovermann. Quasi als Lückenfüller aus den oberen Etagen des TÜV.

Sollte der TÜV es nicht wie versprochen hinbekommen, die Warteschleifen bis September auf das gewohnte Minimum zu reduzieren, hat der Fahrlehrerverband kein richtiges Druckmittel, das weiß Ralf Dovermann natürlich. Aber es habe in den vergangenen Wochen Wirkung gezeigt, dass sich das Verkehrsministerium nach der deftigen Kritik des Fahrlehrerverbandes eingeschaltet hat. Erst das für NRW zuständige in Düsseldorf, dann der große Bruder aus Berlin.

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