Eschweiler: Volkshochschule Eschweiler feiert 100. Geburtstag

100 Jahre VHS Eschweiler : Klaus Pranke ist mit 168 Kursen der Rekordhalter

Klaus Pranke wird selbst in ferner Zukunft im Sterbebett noch etwas Neues kennenlernen, da ist er sich sicher, selbst wenn es „nur das Parfüm der Pflegerin“ ist. Dann lacht er herzlich und sympathisch, so wie er immer lacht, wenn er sich selbst etwas aufs Korn nimmt. Klaus Pranke, 63, ist quasi ständig auf der Suche nach Dingen, die er noch nicht kennt, und das lässt sich auch statistisch belegen.

Der selbstständige Geschäftsmann ist derjenige, der seit der digitalen Erfassung 2004 die meisten Kurse und Seminare in der Eschweiler Volkshochschule (VHS) gebucht hat. 168 an der Zahl, dabei wohnt er erst seit 2006 in Eschweiler, der Zweite im Ranking kommt auf unter 150.

Der 63-Jährige war also im Schnitt einmal im Monat an der Kaiserstraße, fast ausschließlich in Einzelkursen – von vielen Themen hatte er bis dahin keine Ahnung. „Ich sehe es als Auftrag der VHS an, Interesse an Themen zu wecken und das im besten Fall auch zu vertiefen“, sagt Klaus Pranke. „Ich recherchiere Dinge zu Hause immer nach.“ Zum Beispiel etwas aus der Astronomie, alles „hochtechnisch und physikalisch“, die Vorträge machten die Vorgänge aber für jedermann verständlich, das finde er „toll“.

Ein Referat über die ehemalige britische Königin Queen Victoria hatte er sich zum Beispiel auch angehört, weil er kaum etwas über sie wusste – danach war er fasziniert, wie viel die Monarchin im 19. Jahrhundert geprägt hat. „Aber ohne Krieg, nicht so wie viele andere.“

Wenn Klaus Pranke das Jahresprogramm der VHS das erste Mal in der Hand hat, markiert er Kurse, die ihn interessieren, mit einem K für Klaus. Seine Partnerin macht das Gleiche mit einem M, sie heißt Manuela. Es kommt öfter vor, dass sich die beiden Buchstaben am selben Termin treffen, und so steht Prankes Lebensgefährtin auf Platz 15 der Liste mit den meisten Besuchen.

Viele der Angebote, für die sich Klaus Pranke entscheidet, haben mit Geschichte zu tun. Der Vater zweier erwachsener Töchter reist viel, er war schon in Dutzenden Ländern, hat als Student ein Drittel des Jahres mit einem Rucksack auf dem Rücken außerhalb Deutschlands verbracht, und vor jeder neuen Reise recherchiert er über die Zielländer, am besten mit Vorträgen. „Ich informiere mich viel über die Ethnien und Konflikte in einem Land und über die koloniale Vergangenheit, wenn es sie gab“, sagt Klaus Pranke. „Wenn ich nämlich in ein Land reise, dann nicht, um es auf einer Liste abzuhaken . . .“

Das Interesse an Geschichte beschränkt sich bei dem 63-Jährigen nicht ausschließlich auf fremde Länder. Er hat auch angefangen, über seine eigene Familie zu recherchieren, denn sein Credo lautet: „Wenn Geschichte Sinn ergibt, dann deswegen, um zu wissen, wo man herkommt und wer man ist.“

Der Klaus Pranke von heute ist also jemand, der nach neuen Erkenntnissen sucht, mehrere Hundert Bücher besitzt: Werke von Immanuel Kant, über Romane wie „Lolita“ bis hin zu „1812: Napoleons Feldzug in Russland“. Pranke beschäftigt sich in seiner Freizeit intensiv mit neuen Themen. Anders als damals in der Schule, als er mit möglichst wenig Aufwand durchs Abitur kommen wollte, oder als er beim Bund seine Pflichtzeit im Büro abgesessen hat, morgens mit Rum im Kakao – auch darüber lacht er so herzlich. Aber was hat ihn dazu gebracht, seit 13 Jahren so oft zur VHS zu gehen wie kein anderer? Es mag abwegig klingen, aber es war gutes Essen und Wein, serviert in gemütlicher Runde, die sich zur damaligen „Langen VHS-Nacht“ traf.

Das Format mit 15, 20 Gästen hatte der damalige Leiter Hans-Werner Schmidt gegründet, in der Form existiert sie jedoch nicht mehr. „Was gutes Essen und Trinken angeht, genieße ich das Leben. Die ,Lange VHS-Nacht’ passte dafür einfach: Vorträge, Weiterbildung und eine Pause mit Verpflegung und guten Gesprächen“, erzählt Pranke, der sich gerne als Hedonist bezeichnet, und es ist leicht herauszuhören, wie sehr der 63-Jährige es bedauert, dass es diese Abende von damals nicht mehr gibt. „Es war gut und außergewöhnlich. Und dafür gedacht, Leute für die VHS zu interessieren.“

Als Rekordkursteilnehmer wird Klaus Pranke am Sonntag, 19. Mai, 11 Uhr, wieder in der VHS sein, wenn die Bildungseinrichtung ihren 100. Geburtstag feiert. Er wird Teil einer Gesprächsrunde sein und über seine Erfahrungen plaudern, sich aufs Korn nehmen, weil er es nie für möglich gehalten habe, diesen Rekord zu haben. Herzlich lachen wird er auch.

Mehr von Aachener Zeitung