Eschweiler Stadtteil blickt zurück durch die Jahrhunderte

Hehlrath feiert 800. Geburtstag : Tief eingetaucht in die Dorfgeschichte

Mit Schöffen fing es an. Die Wappen der Hehlrather Ritter, Nachfahren der Schöffen am Aachener Mariengericht – Gerardus, Conradus und Rutcherius de Helrode – die im 13. Jahrhundert dort tätig waren, gibt es bis heute.

Johann, Wilhelm, Rickald (Richard) und Jordan (Gordon) waren deren Nachfolger in Hehlrath, sind aber nicht als Schöffen überliefert.

Nikolaus Müller, Heinz-Theo Frings, Christoph Kamps und Martin Kamps sind in den zurückliegenden Monaten tief in die Geschichte des Ortes eingetaucht. Und stießen dabei auch auf die Brüder Joannes und Deyso, die in einer preußischen Sekundärquelle aus dem 18. Jahrhundert sogar schon für 1214 als Gefolgsleute des Herzogs von Brabant angegeben werden, wie neue Funde ergaben.

„Aber die Primärquelle“, so bedauert Heinz-Theo Frings, „ist nicht mehr vorhanden und somit nicht verifizierbar, so dass die erste in der von uns im Landesarchiv Duisburg eingesehenen Originalquelle die in der Festmesse vorgestellte Kartularurkunde vom 22. November 1219 ist.“ Eine Abbildung davon findet sich in dem Buch, das Heinz-Theo Frings und Nikolaus Müller verfasst haben: „800 Jahre Hehlrath.“

Beliebtes Wahrzeichen des Ortes: die Kuh Billa grüßt an der Hehlrather Oberstraße. Foto: Rudolf Müller

Und nun ist es soweit: Hehlrath feiert sein 800-jähriges Bestehen. Am 16. März findet um 15 Uhr vor und in der Gaststätte „Hexenhaus“ in Hehlrath die Eröffnung der  Ausstellung „800 Jahre Hehlrath“ statt. Eingeladen sind alle Interessierten, wenn der Vorstand und die Mitglieder der Aktionsgruppe die Ausstellung eröffnen.

Mit dabei auch Landtagsabgeordneter Stefan Kämmerling, der mit der erfolgreichen Beantragung eines ministeriellen „Heimatschecks“ unter anderem diese Ausstellung und die kompakte Dorfchronik „800 Jahre Hehlrath“ (464 Seiten stark, mit über 200 Bildern, 35 Euro) ermöglicht hat. Der Scheck aus Düsseldorf finanziert auch die Darbietung von Hehlrather Mundartliedern zusammen mit „Puddelrüh“ am 25. Mai. Im Rahmenprogramm gibt es weitere Überraschungen!

Fronleichnam 1955 in Hehlrath: der Hausalter vor dem Hof Bock  (Kirchstraße/Velauer Straße) im Eingangsbereich des Hauses; im Haustürstein ist noch das alte Wappen der Sippe „Siegers“ zusehen, das sich heute noch über der Toreinfahrt befindet. Foto: Rudolf Müller

Die Ausstellung beinhaltet Beiträge aller Hehlrather Ortsvereine, Historisches zu den Geschlechtern de Helrode und zur Genealogie der ersten Hehlrather Familien.

Der Arbeitskreis 7 des Eschweiler Geschichtsvereins hält eine Datenbank mit originalen Urkunden bereit, die nicht mehr dem Datenschutz unterliegen und ausgedruckt oder in Form eines Updates vermittelt werden können.

Zu sehen ist die Ausstellung, deren Eröffnung mit Musik gefeiert wird, am Samstag, 16 März, ab 15 Uhr, am Sonntag, 17. März, von 10.30 Uhr bis 20 Uhr, am Montag, 18. März, bis Samstag, 23. März, jeweils ab 17.30 Uhr (außer Dienstag / Ruhetag der Gaststätte), sowie am  Schlusstag, Sonntag, 24. März, von 10.30 Uhr  bis 19 Uhr.

Und so geht’s weiter: Am Samstag, 25. Mai, gibt es um 15 Uhr eine Kaffeetafel im Pfarrheim – dazu heißt es „Senioren (Heinz Legros,  Gitarre, Arnold Püttgen, Akkordeon) musizieren für Senioren“. Um 17 Uhr beginnt das Bühnenprogramm mit Einüben der Hehlrath-Lieder (Puddelrüh und Heinz-Theo Frings), um 18 Uhr folgt eine Einstimmung in den Festabend mit der Dudelsackgruppe Hochland Heistern.

Um 19 Uhr ist es die offizielle Eröffnung der Jubiläumsveranstaltung durch Bürgermeister Rudi Bertram und andere Ehrengäste, ehe Puddelrüh und Heinz-Theo Frings Hehlrather Heimatlieder zum Mitsingen  präsentieren: „Hähle, mie Hähle“ und „Wio wedde vottjebaggert“. Danach gibt es Verleihung des „Goldenen Hehlrather Ritterfließes“  und von drei „Heinrich-Maaßen-Gedächtnis-Plaketten“ und der Verdiensturkunde „Kurt-Conzen-Musik-Akademie“. Schließlich wird  Ehrung eines der mutmaßlich letzten Nachfahren der Hehlrather Ritter, Peter Heilrath aus München, mit dem Stammwappen der Heilraths. Und danach heißt es: „Puddelrüh rocks Hähle“, ehe DJ Fabiian mit Rock einheizt.

Übrigens: Wer die heutige Wardener Straße von Hehlrath nach Kinz-weiler überquert, der kann mit wenigen Schritten noch tiefer in die Vergangenheit wandern. Schon um das Jahr 1200 ist der Ort Kinzweiler urkundlich erwähnt: bei Albert von Aachen, einem Geistlichen, der die Geschichte des ersten Kreuzzuges niedergeschrieben hat. Von Ritter Ezelo aus Kinzweiler ist überliefert, dass er selbst bei der Eroberung Jerusalems im Jahre 1099 anwesend gewesen sei.

(rpm)
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