Eschweiler: Stadt hat das Mikroklima im Blick

Frische Luft in der Innentadt : Das Mikroklima wird bei der Planung berücksichtigt

Die Luft in Eschweiler soll besser werden. Wenn neu gebaut wird, kann aber nicht jeder Bürgerwunsch erfüllt werden. Ein Beispiel aus Utrecht wird also nicht in Eschweiler nachgeahmt.

Die Innenstadt ist stark versiegelt, sie hitzt sich schnell auf, sie braucht frische Luft. Das wissen Experten, das weiß die Stadt – das Problem kennt jede Kommune. Was kann man dagegen tun? Ein Leser verwies auf die niederländische Stadt Utrecht, die hat nämlich die Dächer von Bushaltestellen bepflanzt, um das Mikroklima im Stadtzentrum zu verbessern. Ist das auch eine kurzfristige Maßnahme, die die Stadt Eschweiler in Betracht zieht?

Nein, sagt der Technische Beigeordnete Hermann Gödde auf Nachfrage. Und zwar aus zwei Gründen, einer davon ist die Bauweise der Häuschen: „Wenn man die Dächer begrünt, hat das Einfluss auf die Statik“, sagt Gödde. „Unsere Bushäuschen sind bewusst so leicht gebaut, damit sie nicht wie Klötze wirken.“ Heißt: Ein Umbau wäre teuer – und die Stadt müsse schließlich die Kosten im Rahmen halten, das ist Grund zwei.

Wenn Grün auf Bushäuschen noch unmöglich sei, wie sieht es mit einer Bepflanzung auf Dächern von Wohnhäusern aus? Das geplante Rathaus-Quartier wird von oben einen leichten grünen Anstrich bekommen, betont Gödde, denn die Flachdächer von den dortigen Wohnungen würden bepflanzt. Im Baugebiet Vöckelsberg will die Stadt eine Dachbegrünung im Bebauungsplan festsetzen.

Investoren und Gewerbetreibende würden laut Gödde ebenfalls vermehrt auf grüne Dächer setzen. Das hat auch wirtschaftliche Gründe, denn bewachsene Dächer speichern Wasser, sorgen also für Abkühlung. „Bei einem Gründach kann die Klimaanlage im Sommer wie im Winter um zwei Grad weniger eingestellt werden. Das spart Geld.“ Und weil Gründächer Wasser speichern, heißt das, dass nach starkem Regen nicht alles direkt in die Kanäle fließt, was wiederum bedeutet, dass diese nicht so groß angelegt werden müssen. Das kann bei größeren Neubaugebieten ebenfalls für eine niedrigere Gesamtrechnung sorgen.

Schönes und nützliches Grün auf Bushäuschen und Dächern waren nicht die einzigen Vorschläge von Bürgern im Internet und auf der Straße. Bei einer Umfrage unserer Redaktion schlug ein Eschweiler vor, ein (oder mehrere) Segel zu spannen, um Schatten zu erzeugen. Dazu sagt Hermann Gödde, dass dieser Vorschlag eher unrealistisch sei – auf der anderen Seite habe die Stadt schon bei mehreren abgeschlossenen Maßnahmen das Kleinklima in stark versiegelten Bereichen im Blick gehabt. Etwa mit dem Wasserspiel auf dem Marktplatz oder einer ähnlichen Anlage an der Dreifaltigkeitskirche. „So etwas ist gestalterisch schön, schafft Atmosphäre und verbessert die Luftfeuchtigkeit“, sagt Gödde. Bürger hatten sich in der Umfrage auch mehr solcher Investitionen gewünscht.

Ebenfalls gefordert: mehr Bäume. Darauf versucht die Stadt bei jeder Baumaßnahme zu achten, sagt Gödde, aber: „Der eine Bürger will Bäume, der andere nicht, ein anderer will Stellplätze. Man muss ständig abwägen.“

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