Eschweiler: Sportfreunde Hehlrath gründen Mädchen-Fußballmannschaft

Sportfreunde Hehlrath : Diese Mädchen bleiben am Ball

Die Sportfreunde Hehlrath wollen die erste Fußballmannschaft für Mädchen in ihrem Verein etablieren. „Das erste Training am Montag war schon eine Gaudi“, sagt ihr Coach Maurice Bauer. Die Frauenfußball-WM kam zwar nicht den Anstoß zur Gründung, hilft aber bei der Motivation, ist sich der Trainer sicher. Die Idee zum Spielen kam ganz allein von den jungen Sportlerinnen. Ein paar von ihnen hatten aber noch nie einen Ball am Fuß.

Bauer ist froh über das Engagement der zwölf Mädchen, die am Montag über den Kunstrasenplatz huschten und das erste Mal ausprobieren, was es heißt, Fußballerin zu sein. „Die Mädels hatten einfach nur Spaß. Es ist faszinierend zu sehen, welche Begeisterung da ist“, sagt der 37-Jährige, der die Mannschaft trainiert.

Die Idee zur der neuen Mannschaft kam dabei von Bauers sechs und acht Jahre alten Töchtern. „Eines Tages kamen beide auf mich zu und haben gesagt, ‚Papa, wir wollen Fußball spielen’.“ Weil er selbst lange Jahre aktiver Fußballspieler war und Trainererfahrung hat, musste er nicht lange überlegen und coacht nun die Mannschaft zusammen mit Dieter Klein und seinem Sohn Louis. Dieter Kleins Tochter, acht Jahre, spielt ebenfalls in der Mannschaft. Die Töchter sind auch dafür verantwortlich, dass der Zulauf beim ersten Training so groß war, ist sich Bauer sicher. „Da alle zusammen auf eine Grundschule gehen, haben sie dort Flyer verteilt, um für das Training Werbung zu machen.“

Weil erst einmal geguckt werden soll, wie der Zulauf ist und um das Interesse am Sport weiter zu fördern, wurden die Mädchen noch nicht nach Jahrgängen aufgeteilt. Daher ist die jüngste Mitspielerin vier Jahre und die älteste neun Jahre alt. Ein Unterschied, der sich auch in der Motorik bemerkbar macht.

Lektion Nummer eins: immer den Kontakt zum Spielgerät halten. Die Mädchen trainieren jetzt bei den Sportfreunden Hehlrath. Foto: Daniel Szymczak

Im Training gehe es am Anfang daher zunächst darum, den Kontakt zum Spielgerät zu bekommen, sagt Bauer. „Die Kinder haben erstmal immer einen Ball am Fuß, sollen lernen, damit zu laufen, aber vor allem den Spaß am Sport entwickeln. Und alle haben mitgemacht, keine hat sich auf die Bank gesetzt.“ Im nächsten Jahr sollen die ersten Freundschaftsspiele bestritten werden, ein Ziel muss es geben.

Von Anfang an ein Team

Was laut Bauer kein Thema sein musste in der ersten Stunde, das war der Teamgedanke. „Viele gehen auf eine Schule und beim Training haben sich alle gegenseitig motiviert. Das ist mir nämlich sehr wichtig, dass Sport verbindet und keiner ausgegrenzt wird.“ Letzteres trifft allerdings auf die Jungs zu, wie Bauer mit einem Lachen in der Stimme erzählt, da die Mädels lieber unter sich sein wollen und „mit Jungs nicht spielen“. Jugendleiter Daniel Nier freut sich aber über jeden, egal welchen Geschlechts, der Interesse an dem Sport hat. „Wir wollen vielen Kindern eine Chance geben“, sagt Nier. Besonders die Mädchenabteilung zu fördern, ist ein Wunsch des Vorstandes. „Mädchenmannschaften zu etablieren ist schwieriger, weil dort bisher weniger Interesse da ist als bei den Jungs. Wir wollen aber auf lange Sicht mehr Mädchen und Frauenmannschaften auf die Beine stellen“, sagt Nier.

In den nächsten Jahren könnte sich das Angebot, je nach Zulauf also noch erweitern. Dass zurzeit auch die Frauenfußball-WM läuft, dürfte die Motivation unterstützen. „Ich glaube, es hilft dem Sport, wenn viel darüber gesprochen wird und mehr für den Frauenfußball getan wird“, sagt Nier. Auch Trainer Bauer sieht eine Chance für mehr Aufmerksamkeit für die Frauenfußballerinnen. „Es ist schade, dass die Frauen im Gegensatz zu den Männern benachteiligt werden. Es ist ja nicht weniger Arbeit“, sagt Bauer und ergänzt: „Es wäre toll, wenn jetzt eine ganze Generation heranwächst, die die Ungleichheit nicht mehr kennt.“

SV Falke Bergrath gut aufgestellt

Beim SV Falke Bergrath sind Mädchenmannschaften schon seit Jahren fest etabliert. „In den letzten Jahren hat sich aus meiner Sicht viel im Frauenfußball getan“, sagt Katja Willems. Sie trainiert beim SV seit vier Jahren, zurzeit coacht sie die D-Juniorinnen. „Vor 20 Jahren gab es auch schon Frauenmannschaften, aber der Weg in die Profiliga war deutlich steiniger als heute. Jetzt sind auch viele Talentscouts unterwegs, die sich das Training der Mädchen angucken“, sagt sie und freut sich über die Aufmerksamkeit im Frauenfußball.

Sie schätzt, dass auch die WM so manchem Mädchen einen Anschubs geben könnte, sich für das Training anzumelden. „Ich selbst merke aber auch unabhängig von dem Turnier, dass sich mehr Mädchen und junge Frauen für den Fußball interessieren. Aber ich hoffe natürlich, dass wir nach der Saison noch mehr Interessentinnen haben, die sich von den Nationalspielerinnen inspiriert haben lassen.“ Das Interesse ist da und Spielerinnen auch. Geplant ist, in der nächsten Saison eine neue D-Juniorinnenmannschaft (Jahrgang 2006 und jünger) zu gründen. Der Bergrather Verein sei wie eine Art letzte Bastion für Mädchen, die im Verein Fußball spielen wollen. Andere Vereine seien nicht so gut aufgestellt und der Zulauf konzentriere sich häufig auf bereits bestehende Mannschaften in einem Verein, ist sich Willems sicher. „Wichtig ist uns immer, dass die Kinder von sich aus motiviert sind und aus freien Stücken spielen wollen“, sagt Willems. Ein 14 Tage langes Probetraining soll helfen, herauszufinden, ob der Sport zu dem Kind passt. „Ich mache keinen Unterschied im Können bei Jungs und Mädchen, auch wenn ich die Mädelsmannschaft trainiere. Jeder hat Stärken und Schwächen.“

Montags und Freitags wird auf dem Kleinspielfeld des Vereins gekickt. „Es ist genug Platz zum Umziehen und Spielen. Manchmal wird es am Wochenende, wenn vier Mannschaften spielen, knifflig“, sagt Willems. „Dann nehmen die Spieler aber einfach ihre Sachen mit, bevor die anderen reingehen.“ Wenn mehr Mannschaften hinzukommen, könne sie sich nicht vorstellen, dass es größere Probleme gebe. „Das lässt sich schon gut managen. Wir haben hier viel Erfahrung und sind darauf spezialisiert, so etwas zu händeln.“

Gute Planung bei Umkleiden gefragt

Der Frauenbeauftragte des Fußball-Verbands Mittelrhein Kreis Aachen Hartmut Brief, der ebenfalls im Vorstand des Stadtsportbunds Eschweiler ist, kennt Problematiken mit den Umkleiden. „Dort, wo Frauen spielen, versuchen wir zu gucken, dass sich die Zeiten mit den Junges nicht überschneiden“, sagt er. Da Frauenmannschaften in Bergrath sowie in Laurenzberg spielen und dazu noch in der Bezirksliga vertreten seien, haben sie vor den Mannschaften der Kreisliga das Recht zu sagen, wann sie spielen wollen, erklärt Brief. „Wir sind auch jeder Zeit ansprechbar, wenn es diesbezüglich Probleme gibt.“ Pläne zu möglichem Anbau von Kabinen seien noch nicht konkret. Mit dem Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ stellt die Landesregierung NRW in den nächsten vier Jahren für die Modernisierung, Sanierung oder den Umbau von Sportstätten 300 Millionen Euro bereit. Das Geld geht dabei direkt an die Sportvereine. Für Eschweiler stehen dann rund 760.000 Euro bereit. „Man könnte überlegen, dass ein Teil des Geldes bei Bedarf Umkleiden oder zusätzliche Container investiert wird“, sagt Brief.

Ob das nötig ist, wird mit Sicherheit die Zukunft zeigen. Das Interesse ist da und wächst immer weiter, auch weil die Schulen vermehrt mit dem Sportbund kooperieren und die Kinder so in die Vereine gebracht werden können. Wenn die Nationalmannschaft den Titel holt, könnte das Interesse vieler Mädchen noch einmal geweckt werden.

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