Eschweiler SPD kürt Nadine Leonhardt zur Bürgermeisterkandidatin

Bürgermeisterwahl 2020 : Nadine Leonhardt tritt für die SPD an

Der Name Nadine Leonhardt machte bereits die Runde als mögliche Kandidatin für das Bürgermeisteramt. Jetzt schickt die SPD sie offiziell ins Rennen als potenzielle Nachfolgerin von Rudi Bertram, der am Mittwoch bekanntgegeben hat, nicht mehr kandidieren zu wollen.

Die Worte des SPD-Vorsitzenden Oliver Liebchen vor zehn Tagen haben schon erahnen lassen, dass zwischen Rudi Bertrams Entscheidung und der Bekanntgabe eines neuen Kandidaten nicht allzu viel Zeit vergehen wird. Es hat genauer gesagt nur einen halben Tag gedauert. Der amtierende Bürgermeister erklärte seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur am Mittwochmittag, noch am selben Abend tagte der SPD-Vorstand außerordentlich. Das Ergebnis: Nadine Leonhardt geht für die Sozialdemokraten in den Wahlkampf für September 2020. Die Mitglieder haben ihre Fraktionsvorsitzende einstimmig gewählt.

„Wir kennen Nadine Leonhardt als engagierte und souveräne Persönlichkeit“, erklärt der Stadtverbandsvorsitzende Oliver Liebchen in der anschließenden Pressemitteilung. „Deshalb freuen wir uns auf den gemeinsamen Wahlkampf mit ihr.“ Die 42 Jahre alte Leonhardt ist als 24-Jährige in die Partei eingetreten, für die die Kinzweilerin seit 2009 im Eschweiler Stadtrat sitzt. 2014 hat ihre Partei sie zur Fraktionsvorsitzenden bestimmt. Nach Gabriele Pieta, die 2009 für die Grünen angetreten ist, ist Nadine Leonhardt erst die zweite Frau, die nach dem obersten Verwaltungsamt der Stadt strebt (ein ausführliches Interview lesen Sie Montag).

Das hat Rudi Bertram noch etwas weniger als ein Jahr lang inne. Zu den Kandidaten für seine Nachfolge will sich der 64-Jährige nicht äußern, wie er bei der Pressekonferenz am Mittwochmittag deutlich machte. Für ihn geht es primär darum, in den letzten Zügen seiner Amtszeit die „Leitplanken für die Zukunft“ noch mitzubestimmen. Und diese Leitplanken werden auch weiterhin die Namen der „drei Bs“ tragen, mit denen er im Wahlkampf 1998 bei seiner ersten Kandidatur angetreten war: Betreuung, Bildung, Beschäftigung. „Das war mein roter Faden in meiner Amtszeit“, betont Rudi Bertram. Der Bürgermeister will bis zu seinem Ausscheiden den Ausbau von Kindertagesstätten weiter vorantreiben (Betreuung) und auf Schulebene den Fokus auf die Weiterbildung der Lehrer legen (Bildung). „Wir müssen die Schulen besser aufstellen, was die Digitalisierung angeht“, sagt Bertram. „Wir müssen die Lehrer richtig ausbilden, damit auch die Kinder auf den richtigen Weg kommen. In dem Bereich haben wir Defizite. Das Thema liegt mir am Herzen.“

Was das dritte B, die Beschäftigung angeht, hat eine Zahl den Bürgermeister am Dienstagmorgen mit Stolz erfüllt, wie er sagt. Die Zahl lautet 6,9 und drückt die Arbeitslosenquote für die Stadt Eschweiler im Oktober aus. „Das ist immer noch zu viel, aber die Zahl hat mir persönlich gut getan“, betont Bertram. „Gott sei Dank unter sieben Prozent.“ Denn in dem Zusammenhang erinnerte Bertram an das Jahr 2005: Damals lag die Quote nach Berechnungen der Arbeitsagentur in Eschweiler bei 17,9 Prozent. „Das war ein Ansporn für mich, ganz klar. Denn wäre die Zahl weiter explodiert, wäre der soziale Frieden in der Stadt weg.“

Dieser Wert lag weit über dem landesweiten Durchschnitt von 13,0 Prozent und auch über dem Wert für die Stadt Aachen (16,1 Prozent). Einen städteregionalen Vergleich gab es zu der Zeit noch nicht, weil die Städteregion erst 2009 gegründet wurde. Im Oktober liegt Eschweiler in der Statistik vor Aachen und Stolberg (je 7,2), aber etwa hinter Alsdorf (6,3).

Rudi Bertram 2.0

Und wie reagiert die politische Konkurrenz auf die Entwicklung bei der SPD?

Den CDU-Fraktionsvorsitzenden Willi Bündgens habe die Entscheidung Bertrams nicht überrascht – und auch nicht die Kandidatur von Nadine Leonhardt. „Ich bin dankbar für das, was er für unsere Stadt getan hat, auch wenn wir politisch nicht immer einer Meinung waren“, betont Bündgens, der ein gutes persönliches Verhältnis zu Rudi Bertram pflege. „Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute für sich und seine Frau.“

Dass die SPD nun ihre Kandidatin öffentlich ins Rennen schickt, ändert jedoch nichts am Zeitplan der CDU, sagt Bündgens. Der Vorstand kommt Ende November zusammen, danach – zu einem noch nicht gewissen Zeitpunkt – die Stadtverbandsversammlung. Der Stadtverbandschef und mögliche Kandidat Thomas Schlenter ist derzeit in Urlaub. Nach Aussagen von Willi Bündgens könnten „noch mehrere Kandidaten“ im Rennen sein.

Die FDP hat ihrerseits schon einen Anwärter im Blick, sagt Vorsitzender Christian Braune, der „Hochachtung“ vor der Entscheidung Bertram habe. „Er hinterlässt eine große Lücke, er war der Bürger-Bürgermeister überhaupt“, betont er. „Unser Kandidat muss mindestens genauso bürgernah sein. Es muss ein Rudi Bertram 2.0 sein.“

Derjenige, den die FDP im Auge hat, besteche ebenfalls durch „Hemdsärmeligkeit und Menschlichkeit“, sei aber „etwas moderner“. Die Beispiele Flugplatzausbau Merzbrück, die Forschung an der RWTH – es tue sich so viele Neues in den kommenden 15, 20 Jahren. Der Neue müsste all diese Veränderungen den Bürgern verständlich näherbringen. „Bis Jahresende geben wir unsere Entscheidung bekannt.“