Eschweiler: Soziale Gruppenarbeit an Schulen ein Erfolg

Soziale Gruppenarbeit : Der Stundenplan passt sich dem Leben an

Jürgen Termath hält es nicht für unwahrscheinlich, dass sich der Stundenplan für Schüler in naher Zukunft, also so in zehn Jahren, stark ändert. Das würde eintreten, wenn der Ort Schule eine andere Funktion einnehmen und dementsprechend auch anders wahrgenommen würde.

Termath leitet das Eschweiler Jugendamt und arbeitet eng mit den Schulen zusammen, weil sein Amt unter anderem die Schulsozialarbeit koordiniert, denn an jeder Eschweiler Schule gibt es mittlerweile solche Experten, die Schüler und Lehrer unterstützen. Geht es um die Zukunft von Schule, spricht Termath von „ganzheitlicher Bildung“.

Heißt: Die reine Wissensvermittlung soll nicht mehr vom kognitiven, emotionalen, kulturellen und insbesondere sozialen Lernen getrennt sein. „Es soll nicht mehr darüber gesprochen werden, welche Stunde ausfallen könnte für soziale Gruppenarbeit, sondern sie wird dann fest eingeplant sein.“ Bei diesen Stunden gehe es aber nicht darum, soziale Defizite aufzuarbeiten, sondern darum, dass Schüler in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Diese Differenzierung ist Jürgen Termath immens wichtig.

Anlass des Gespräches ist, dass sich der Erfolg von sozialen Gruppenarbeiten mit externen Trainern immer mehr einstellt. Das lässt sich nicht anhand von Statistiken belegen, aber mit Aussagen von Schülern, Schulleitungen und den Trainern. An der Realschule Patternhof sei es mittlerweile ein „Privileg“ für Schüler, für dieses begrenzte Angebot ausgewählt zu werden. In jenen Doppelstunden geht es um Reflektion, Selbstbehauptung, Körpersprache, Rhetorik, Konfliktklösung – kurzum: Die Schüler reifen, lernen sich besser kennen und den Umgang mit insbesondere emotionalen Problemen. Dieses Angebot koordinieren Schulen und Jugendamt.

„Wenn die Schüler so positive Rückmeldungen geben und die Zusammenarbeit mit den Schulen so gut funktioniert, kann es nicht besser laufen“, betont Stefan Pietsch, der die Sozialen Dienste beim Jugendamt leitet. „Schule soll mehr Lebensqualität bieten.“ Sie soll also nicht mehr nur der Ort sein, an dem der Nachwuchs für gute Noten und einen guten Abschluss lernt.

Haben genau im Blick, wie sich das Angebot der sozialen Gruppenarbeit an Eschweilers Schule entwickelt: Stefan Pietsch (Leiter Soziale Dienst), Jugendamtsleiter Jürgen Termath und Inklusionskoordinator Gerrit Gobbele. Foto: ZVA/Carsten Rose

Der Inklusionskoordinator Gerrit Gobbele hat auch festgestellt: „Bei den Schülern haben wir ein Umdenken bemerkt. Dass das Angebot als Privileg angesehen wird, ist uns seit ein, anderthalb Jahren erst bewusst. Wir werden unseren Fokus also verstärken.“ An der Schule Patternhof zum Beispiel gibt es die soziale Gruppenarbeit seit vier Jahren. Für den Erfolg habe auch die „Mundpropaganda“ gesorgt. Wie ein Gespräch mit zwei Schülerinnen gezeigt hat, nehmen sie ihren Trainer als Ansprechpartner auf Augenhöhe war (ein Lehrer dagegen scheint die unnahbare Autorität zu sein), der sie ernst nehme, dem sie sich öffnen und dem sie vor allem vertrauen könnten. Was die Schüler über sich und im Umgang mit anderen Menschen lernen, würde sich auch auf das familiäre Verhältnis auswirken, erzählten zwei Schülerinnen.

Das Angebot der sozialen Gruppenarbeit ist nur eines des Jugendamtes, und es ist natürlich nicht umsonst. Bezahlt wird es je nach Art der Schule über verschiedene Zuschüsse des Landes, bei der Patternhof-Realschule zum Beispiel über die Inklusionspauschale, die unter anderem für nicht-lehrendes Personal gedacht ist. Allein der Begriff „Inklusion“ macht deutlich, wie sich die Schullandschaft in den vergangenen Jahren gewandelt hat.

Die Gesamtsumme, die die Stadt Eschweiler jährlich erhält, ist von rund 16.000 in 2014 auf nun gut 64.000 Euro gewachsen, die Tendenz werde sich fortsetzen. Der Bedarf bei den Schulen steige, aber die Angebote könnten nicht nur wegen des finanziellen Rahmens unendlich in die Breite gehen. Denn nicht jeder Träger habe die richtigen Experte und würde mit seinen Kursen zu den Vorstellungen der Schulen und des Jugendamtes passen, betonen Gerrit Gobbele und Stefan Pietsch. „Und man braucht die richtigen Typen als Trainer, weil die Schüler alle unterschiedlich sind“, sagt Gobbele. Das Jugendamt verfolgt die Strategie, auf Qualität statt Quantität bei den Angeboten zu setzen.

Soziale Gruppenarbeit wird abgesehen von der Realschule Patternhof an der Willi-Fährmann-Förderschule und der Adam-Ries-Hauptschule durchgeführt. Am städtischen Gymnasium gibt es dieses Angebot nicht, aber Leiter Winfried Grunewald kann sich vorstellen, dass es in der Zukunft anders sein wird, denn „soziale Differenzen treten immer mal wieder zutage“. Bislang erhalten nur die Fünft- und Sechstklässler mit Hilfe von Schulsozialarbeitern im Unterricht sogenanntes Sozialkompetenz-Training.

Zu der gesamten Thematik sagt Jugendamtsleiter Jürgen Termath abschließend: „Es wäre müßig zu sagen, dass ich mir das Umdenken früher gewünscht hätte, zum Beispiel während der Schulzeit meiner Kinder. Entscheidend ist, dass die Akteure in Eschweiler daran gemeinsam arbeiten. Wir sind auf einem guten Weg.“