Eschweiler Schüler überwinden künstlerisch Ängste und Sorgen

Projekt in der Realschule Patternhof : Mit Stift und Pinsel das eigene Trauma verarbeiten

Es ist schon ein besonderes Projekt, das die Realschule Patternhof zurzeit ihren Schülern anbietet. „Gegen Gewalt und Rassismus“ ist das offene Angebot überschrieben, das sowohl von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung als auch von deutschen Schülern begeistert angenommen wird.

Unter Anleitung der syrischen Bildhauerin Jehana Said beschäftigen sich die die Mädchen und Jungen auf künstlerische Art mit den Herkunftsländern der verschiedenen Schüler.

Es wird gemeinsam erzählt, gelesen, gemalt, gebastelt und gegessen. Dabei stehen Themen im Fokus wie Heimat, Flucht, Glück, Familie, Hoffnungen, Ängste, Einsamkeit und Verlust.

Und nicht nur für die Flüchtlingskinder ist es wichtig, verschiedene Sitten und Gebräuche, Feste und Feiern und die Verhaltensweisen anderer Nationalitäten kennenzulernen. „So konnten die Kinder mit Fluchterfahrung schon ein wenig unausgesprochene Erlebnisse verarbeiten, unerfüllte Sehnsüchte erkennen und Ängste aussprechen“, weiß Brigitte Vonken-Möller, die als Sonderpädagogin in der Realschule tätig ist und dem wöchentlich stattfindenden Projekt beiwohnt. „Dies führte bereits zu einem hohen Grad an Verständnis und zu einer Sensibilisierung untereinander“, schildert sie.

Brigitte Vonken-Möller war es auch, die Jehana Said an die Städtische Realschule Patternhof holte. Sie lernte die symphatische junge Frau bei einem anderen Projekt in der Freien evangelischen Gemeinde in Bergrath kennen und schätzen. Auch Schulleiterin Michael Silbernagel war direkt von der warmherzigen Art der Künstlerin begeistert und „engagierte“ sie sofort.

Nun kreiert Jehana Said seit September 2018 also auch regelmäßig  mit den Realschülern die schönsten Kunstwerke. Und die Schüler lieben es, mit der Bildhauerin zu arbeiten. „Das Schöne daran ist, dass sich von der Klasse 6 bis zur Klasse 10 alles hier trifft. Manche Schüler nehmen regelmäßig jede Woche an unserem Projekt, das nach der Schulzeit stattfindet, teil, andere sind unregelmäßiger dabei“, erzählt Schulleiterin Michael Silbernagel. „Aber es sind immer zwischen 10 und 14 Schüler, beispielsweise  aus Syrien, Afrika, Kroatien, Marokko und Deutschland, die den direkten Austausch suchen und gemeinsam schöne Dinge erarbeiten möchten!“ Fördergeld der Stadt Eschweiler unterstützen das fruchtbare Projekt „Gegen Gewalt und Rassismus“.

Zu sehen gibt es also auch schon einiges: Nach der Kennenlernphase, in der die Mädchen und Jungen eine Collage mit vielen Fotos erarbeiteten, ging es dann in die Erzählphase. In entspannter Atmosphäre haben die Kinder an diesen besonderen Nachmittagen  die Möglichkeit, ihre teilweise traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Dieses Projekt präsentierten die Kinder und Jugendlichen auch am Tag der offenen Tür der Realschule Patternhof und erhielten dafür von allen viel Lob.

(irmi)
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