Eschweiler Prinzenfamilie: Manuel Mendes über Söhne Paulo und Pedro

Papa von Paulo und Pedro erzählt : Manuel Mendes: „Wie sagt man? Ich war stolz wie Oskar“

Warum Prinz Paulo in seinem Probejahr „Schwades“ hieß, wissen alle, die seinen Vater kennen. Und der erzählt gerne von seinen Söhnen.

Papa Mendes spricht in der Regel das aus, was ihm durch den Kopf geht, und besonders stark denkt er mit dem Herzen. Das wissen seine beiden Söhne Paulo und Pedro nur zu gut. Aus ihrer Kindheit sowieso und aus einem Gespräch mit ihrem Vater vor ihrer Session als Prinz und Zerm. Dass Papa Manuel, 75 Jahre alt und davon 35 Jahre engagiert im portugiesischen Verein Lusitanos in Eschweiler, dabei sein soll, wenn Abertausende die stadtbekannten Mendes-Brüder feiern, ist keine Frage.

Es sind schließlich nur wenige Familien, die ihre Fotoalben mit solchen Bildern füllen können. Zuletzt war es 2012 die Familie Wings mit Prinz Alfred und Zerm Gregor, davor 2002 die Münchows mit Prinz Walter und Zerm Willi. Der pensionierte Maler Manuel Mendes, der früher auch viele Karnevalswagen gestrichen hat, musste aber erst einmal überlegen, ob er Rosenmontag in Eschweiler ist, und nicht in Portugal.

Wichtigster Termin im Kalender

Dort ist Manuel Mendes Mitglied bei Benfica Lissabon, dem Fußball-Rekordmeister. Der 75-Jährige liebt den Fußball wohl mehr als seine Söhne den Karneval, für Benfica schlägt sein Herz. „Ich bin dieses Jahre 50 Jahre Mitglied bei Benfica! Dafür bekomme ich einen Ring überreicht“, erzählt Manuel Mendes, der seinen Stolz damit noch deutlicher ausdrückt, indem er betont: „Ich bin Mitglied 4049. Paulo ist Mitglied 40.000-irgendetwas und erst 25 Jahre Mitglied.“ Große Vereine mit Weltformat ehren ihre treuen Mitglieder genauso wie es die auf den Dörfern tun. Und deshalb ist für Manuel Mendes der wichtigste Tag 2019 eben jene Veranstaltung, auf der er seinen Ring verliehen bekommt. „Ich habe meinen Söhnen gesagt: Wenn das an Karneval ist, kann ich leider nicht kommen, denn die Feier ist immer Anfang des Jahres“, erzählt der 75-Jährige.

Vor ein paar Tagen kam der Brief: Die Feier ist am 9. März, eine Woche nach Karneval. Manuel Mendes wird den Rosenmontagszug also mit und für seine Söhne auf einem Wagen erleben. Davor aber sitzt er im Wohnzimmer von Paulo und erzählt der Zeitung aus deren Kindheit, ohne dass sie es wissen:

Paulo, der am Aschermittwoch 50 wird und knapp zwei Jahre jünger ist als Pedro, war schon immer jemand, der vorweg ging, der auch gerne den Mund aufgemacht hat, lauter war, aber vertrauenswürdig, in der Schule beliebt und geschätzt. Papa Manuel erinnert sich gerne an den Tag, als ein Lehrer vor allen Eltern seinem Paulo den Schlüssel seines Büros anvertraut hat, damit er daraus etwas holt. Dazu sagte er so etwas wie: „Wenn ich einem Schüler den Schlüssel anvertraue, dann Paulo.“ Dieser Moment hat Manuel Mendes gerade deswegen viel bedeutet, weil seine Söhne damals nur zwei der wenigen Schüler mit ausländischen Wurzeln gewesen sind, und er es verinnerlicht hatte, dass sich Ausländer immer irgendwie hinten anstellen müssten. „Wie sagt man? Ich war stolz wie Oskar.“

Manuel Mendes und seine Söhne waren Teil der portugiesischen Gemeinschaft im Verein Lusitanos. Auf ihren portugiesischen Pass und die Tatsache, dass sie das erste ausländische Prinzengespann in Eschweiler bilden, ist für Paulo und Pedro absolute Nebensache. Das betonen sie immer wieder, wenn man sie darauf anspricht. Das mag am Karneval an sich liegen, in der nach den Ursprüngen in der jecken Zeit alle gleichgestellt sind, und in der Paulo von allen und jedem gedutzt werden möchte.

Ihre Eltern kommen aus Portugal, aber Paulo (r.) und Pedro sind stolz, dass sie in Eschweiler großgeworden sind. Sonst würden sie hier nicht jeden Saal wie hier bei den Trammebülle zum Kochen bringen. Foto: Christian Ebener

Viel mehr aber daran, und das betonen Vater Manuel und Mutter Maria Isabel, 69: „Anders als viele Portugiesen haben wir unseren Kindern gesagt: Deutschland, Deutsch und Eschweiler zuerst, hier ist eure Heimat.“ Dank des internationalen Senders RTP (öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Portugals), der auf die beiden aufmerksam geworden ist, wissen nun auch viele Portugiesen, dass Eschweiler ihre Heimat ist.

Zu sehen ist ein Brüderpaar, das zusammenhält. Abgezeichnet hat sich die enge Verbundenheit zwischen Paulo und Pedro früh, erzählt der Vater. Wesentlich lag das an der Erziehung, denn Manuel Mendes war immer der Meinung, dass man sich nicht unterkriegen lassen soll. Und zu zweit geht das immer leichter. Zwar war Paulo eher der Raufbold, und einer, „der immer das letzte Wort haben wollte“, und Pedro „der Bequemere“, ihre Leidenschaften haben sie immer geteilt.

Die Karnevals-Hochburg Hotel Flatten lag damals gegenüber vom Elternhaus. Paulo, der Jüngere, schloss sich den Blauen Funken 1989 an und fragte drei Jahre später seinen Bruder, ob er nicht auch Mitglied werden wolle. Als Zeremonienmeister war Pedro für Paulo die erste Wahl. Vater Manuel Mendes war aber skeptisch, ob das Amt des Prinzen zu Paulo passt, das sagt er wieder ohne Scheu, und so hat er es auch seinem Sohn gesagt: „Meine erste Reaktion war: Vergiss es. Du musst viel reden können, du musst improvisieren können. Wenn du das nicht machst, wirst du mit Tomaten beworfen.“

Tränen im Kindergarten

Paulo scheint gut improvisieren zu können, denn Tomaten hat er noch nicht abbekommen. Pedro übrigens auch nicht. Vor dem Höhepunkt der Session, wenn sie binnen anderthalb Wochen mit über 90 Auftritten genauso viele absolvieren müssen, wie in den dreieinhalb davor, ging es aber doch einmal „direkt auf die Zwölf“, erzählen die beiden. „Beim ersten Kindergartenbesuch haben wir geweint, als die Kinder Sterne mit unseren Namen hochgehalten und gesungen haben“, sagt Paulo. Was sie auf ihrer Tour erleben sei „atemberaubend“ und „wunderbar“.

Sie hatten vor ihrem Auftrittsmarathon angekündigt, in eine Menge Fettnäpfchen zu treten. Dass es aber auch andersherum passieren kann, haben sie gemerkt, als sie als erste Eschweiler Narrenherrscher die NRW-Prinzen vertreten und das Kanzleramt besuchen durften. Ins Fettnäpfchen getreten ist: Hausherrin Angela Merkel. „Wir hatten ja keine Prinzessin dabei, der die Bundeskanzlerin einen Blumenstrauß überreichen wollte“, erzählt Paulo. „Den hat Komiteepräsident Norbert Weiland bekommen. Beim Ex-Prinzenball hat er dann auch einen Hut getragen, auf dem .Angies Blumenfee’ stand.“

Ansonsten sei die Session ohne größere Überraschungen verlaufen, die beiden waren ja (sehr) gut vorbereitet (worden), nur der Zeremonienstab musste geflickt werden. Der Hals war abgebrochen. Und als Pedro das erzählt, und es um die Schuldfrage ging, wird offensichtlich, dass die beiden Brüder sind: Pedro gestand den Fehler ein, Paulo ließ nicht locker – er musste das letzte Wort haben. Es ist eine von mehreren Situation, die zeigt, was die Brüder immer wieder betonen: „Wir sind grundverschieden, aber in der Sache immer einig.

Vor allem auf unserer Tour: Wir lieben ja den den gleichen Karneval.“ Wenn doch mal etwas angesprochen werden muss, dann auch mal derbe, sagt Paulo. Und Pedro sagt: „Bei Freunden ist man etwas taktvoller, man hat eine Schutzzone, aber unter Brüdern passiert alles ungefiltert.“ Ob sie denn bei dem jeweils anderen neue Macken festgestellt und sich gegenseitig besser kennengelernt hätten? „Nein“, antwortet Pedro. „Damit sind wir schon lange fertig. Wir wohnen ja auch in einem Haus.“

Sie wissen also auch genau, wie sie gegeneinander sticheln können und worauf sie sich beim jeweils anderen einstellen müssen. Paulo schießt gerne gegen Pedros angeblich so schlechten Humor, während Pedro seine Art Situationskomik zu verkörpern gar nicht so verkehrt findet. Wie die Brüder ticken, beweist auch ihre Reaktion auf die Frage, was der andere besonders gut kann. Paulo: „Pedro kann nichts besonders gut, aber auch nichts richtig schlecht.“ Pedro lässt das so stehen, kontert aber nicht, sondern möchte ernsthaft bleiben: „Paulo kann gut auf Kinder und Senioren eingehen, wirklich.“

Ein paar Minuten später zahlt er es ihm doch etwas heim, wie Brüder und gute Freunde es nun mal so machen: Im Hotel Flatten bereiten sich die Blauen Funken auf den Abend vor. Als Paulo auf einen Stuhl steigt, sagt Pedro schelmisch ins Mikro: „Begrüßt Seine Tollität und jubelt ihm zu – denn er braucht es.“

Das Ende ihrer Narrenherrschaft naht, und somit auch eine Zeit, die Papa Manuel nicht vergessen wird. „Ich bin stolz auf ihre Entwicklung, sie machen das fantastisch“, sagt der 75-Jährige, dem man nicht nur äußerlich ansieht, wer seine beiden Kinder sind: „Es sprechen mich Menschen an, die sehen, dass es meine Söhne sind. Ehrliche Menschen mit Herz.“

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