Eschweiler: Polizei legt Kriminalstatistik für 2018 vor

Deutlich weniger Einbrüche : Wieder weniger Straftaten an der Inde

Anlass, sich beruhigt zurückzulehnen, hat die Polizei nicht. Gerade nicht hier in Eschweiler. Aber Grund zur Zufriedenheit und Erleichterung schon.

Trotz der erheblichen Belastung der Ordnungshüter durch die Vielzahl aufreibender Einsätze im Zusammenhang mit dem Hambacher Forst und der Grenzlage unserer Region, die manche Straftäter geradezu magisch anzieht, hat die Kriminalitätsrate im zurückliegenden Jahr den niedrigsten Stand seit zehn, wenn nicht gar 20 Jahren erreicht. Signifikant ist der Rückgang, so Aachens Polizeipräsident  Dirk Weinspach, „vor allem in Bereichen, die die Bürger besonders belasten“: Wohnungseinbrüche, Straßenkriminalität, Pkw-Diebstähle. „Unsere Präsenzkonzepte greifen“, freut sich Weinspach.

Senioren immer öfter betroffen

Gemeinsam mit dem Leiter der Direktion Kriminalität, dem Leitenden Kriminaldirektor Stephan Wey, stellte Weinspach am Mittwoch die aktuellen Zahlen vor. Zahlen, die allerdings nicht das gesamte Bild widerspiegeln. Zu den 44.993 Straftaten, die die Polizei 2018 im Gebiet der Kreispolizeibehörde registrierte (4149 weniger als im Jahr zuvor), kommen weitere in vierstelliger Höhe hinzu: Straftaten gegen ältere Mitbürger, die vom Ausland her unternommen werden und daher der Aachener Statistik nicht zuzurechnen sind.

Stephan Wey: „Im Ausland werden regelrechte Callcenter betrieben. Da werden Telefonbücher nach altmodisch klingenden Vornamen durchforstet und die älteren Herrschaften, die nicht schnell genug auflegen, in oft stundenlangen Gesprächen  so genötigt und bequatscht, dass sie nicht mehr wissen, wo vorn und hinten ist.“

 Wey berichtete von einem aktuellen Fall, in dem ein aufmerksamer Bankmitarbeiter Schlimmeres verhinderte: Als ein 81-jähriger Kunde mehr als 100.000 Euro von seinem Konto abhob und am Tag darauf einen noch höheren Betrag holen wollte, informierte er die Polizei. Die konnte verhindern, dass der Senior die Summe einem Betrüger aushändigte – die ersten gut 100.000 Euro aber waren bereits verschwunden. Es sind nicht nur Betrugsfälle, denen Senioren sich ausgesetzt sehen, auch Raub (zum Beispiel nach einem Bankbesuch) und Straftaten in der Pflege stehen sie oft hilflos gegenüber.

Stellte am Mittwoch die aktuelle Kriminalitätsstatistik vor: Polizeipräsident Dirk Weinspach. Foto: Rudolf Müller

Millionen abgezockt

1383 Fälle vom Enkeltrick bis zu falschen Polizeibeamten sind der Polizei im vergangenen Jahr gemeldet worden. Mehr als 95 Prozent davon wurden per Telefon eingeleitet. Zwar legt die überwiegende Zahl potenzieller Opfer schnell genug wieder auf, aber, so Stephan Wey, „selbst eine Trefferquote von nur zwei Prozent führt zu hohen Gewinnen dieser straff organisierten Banden“. Im vergangenen Jahr waren dies hier rund 1,4 Millionen Euro.

Nagte vor wenigen Jahren noch die hohe Zahl von Einbrüchen am Sicherheistgefühl der Indestädter, so registriert die Polizei hier nun einen sehr erfreuliche Entwicklung: Rückgänge um bis zu knapp 52 Prozent. 2017 gab es in Eschweiler 29 Einbruchsdiebstähle in Gaststätten, 2018 waren es 14. Die Zahl der Geschäftseinbrüche reduzierte sich von 41 auf 23, die der Wohnungseinbrüche von 107 auf 77. Bei Letzteren schlugen die Täter 2017 in 52 Fällen tagsüber zu, 2018 waren dies nur in 29 Fällen so.

Dringender Rat: Vorbeugen!

In zahlreichen Fällen bleibe es beim Versuch. Hier, so Wey, mache sich bezahlt, dass Bürger immer mehr in die Sicherung ihres Eigentums investieren. Das Kriminalkommissariat Vorbeugung helfe gerne; zudem gebe es öffentliche Förderungen für Sicherungsmaßnahmen.  „In 43 Prozent aller Fälle lassen Täter, wenn sie nicht schnell genug in ihr Objekt eindringen können, von ihrem Vorhaben ab.“ Ausreißer dabei: Die Zahl der Kellereinbrüche verdoppelte sich fast von 67 auf 112.

Erfreulich die Entwicklung im Bereich Diebstahl von Kraftfahrzeugen:  Wechselten 2017 in Eschweiler noch 54 Fahrzeuge auf diese Art den Besitzer, so sank diese Jahr 2018 auf 33. Die Zahl der Diebstähle aus Fahrzeugen ging von 485 auf 311 zurück. Und auch die Zahl der entwendeten Fahrräder sank geringfügig von 144 auf 141. Andernorts stieg diese Zahl: teure E-Bikes sind lohnende Beute, die Dunkelmänner nicht nur vom Straßenrand, sondern selbst aus Garagen holen.

Gestiegen ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2017 die Zahl der Raubdelikte in Eschweiler: von 44 auf 53. Dreimal waren Geschäfte, Spielhallen oder Tankstellen betroffen (2017 war dies zweimal der Fall), viermal statt wie zuvor zweimal schlugen Handtaschenräuber zu.  Die Zahl der Fälle von Straßenraub stieg von 26 auf 30.

Rückläufig ist dagegen die Zahl der Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung: von 160 auf 143. Zu vorsätzlicher leichter Körperverletzung kam es in 300 statt wie zuvor 322 Fällen.

Registrierte die Polizei in Eschweiler 2017 noch insgesamt 1761 Diebstähle, so waren es im zurückliegenden Jahr noch 1631.  Die Zahl der Betrugsfälle  sank von 841 auf 802, die der Sachbeschädigungen von 490 auf 450 und die der Rauschgiftdelikte von 130 auf 107. Letzteres hat allerdings wenig Aussagekraft, wie Polizeipräsident Dirk Weinspach feststellt: Rauschgiftdelikte werden durch Kontrollen festgestellt. Und dazu hatte die Polizei – Stichwort Hambach – im letzten Jahr nicht so viel Zeit wie sonst.

2017 musste sich die Polizei an der Inde mit zwei Fällen von Totschlag befassen, 2018 gab es je einen Mord- und einen Totschlagversuch.  Gestiegen ist die Zahl der Vergewaltigungen: von zehn auf zwölf. Sexuellen Missbrauch von Kindern gab es in ebenfalls zwölf Fällen – im Vorjahr waren es elf.

Weniger Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität – sprich: Straftaten, die  ausschließlich oder überwiegend auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen – einschließlich öffentlicher Verkehrsmittel – begangen werden –  sank von 2017 auf 2018 von 1268 auf 1045 Fälle.

Insgesamt verzeichnete die Polizei in Eschweiler im letzten Jahr 4374 Straftaten – gegenüber 4534 im Vorjahr. Den Rückgang erklärt Stephan Wey nicht zuletzt damit, dass es der Polizei 2017 gelungen ist, eine außerst rührige Jugendbande zu zerschlagen. Wey: „Bislang wurden 30 Mitglieder identifiziert, 13 sitzen in Haft, 18 sind verurteilt.“  Die Täter – einige davon  Intensivtäter – kamen aus allen sozialen Schichten, teils auch aus Nachbarstädten. „Ihnen ging es weniger um die Beschaffung irgendwelcher Beute, sondern um das Event“, so Wey.

Auch wenn die Bande als solche zerschlagen sei, einzelne Mitglieder seien nach wie vor auf der Straße. „Wir bleiben da dran!“

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