Eschweiler: Ordnungspartnerschaft neu vereinbart

Schulen, Stadt und Polizei arbeiten Hand in Hand: Partner gegen Jugendkriminalität

Es gibt viele Gelegenheiten, die junge Menschen in die Kriminalität abrutschen lassen. Und was „niederschwellig“, mit kleineren Vergehen, beginnt, das ist manchmal der Beginn einer kriminellen Karriere, die böse endet. Es nicht so weit kommen zu lassen, ist der Anspruch der Ordnungspartnerschaft, die Eschweilers weiterführende Schulen, Stadt und Polizei jetzt neu besiegelten.

Seit 2001 gibt es sie bereits, diese besondere Kooperation von Schulen und Behörden. Ihr Ziel: junge Leute auf einen Lebensweg zu lenken, auf dem Kriminalität keine Rolle spielt. Dass Eschweiler damit eine Vorreiterrolle in der Region einnimmt, liegt nicht etwa daran, dass die Indestadt in Sachen Jugendkriminaliät besonders auffällig wäre.

„In Eschweiler sind keine exorbitanten Zahlen von Straftaten junger Menschen festzustellen, die uns aufgeweckt hätten“, konstatiert Frank Blum, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter des Bezirksdienstes in der Wache an der Preyerstraße. „Es gibt zwar Straftaten auch an Schulen, aber nicht auffälliger als in anderen Kommunen.“ Und Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach unterstreicht: „Diese neue Vereinbarung zur Ordnungspartnerschaft ist nicht die Antwort auf akute Probleme, sondern die zeitgemäße Fortführung einer bewährten Präventionszusammenarbeit auf hohem Niveau.“

In Anwesenheit von Vertretern der weiterführenden Schulen in Eschweiler begründete Dezernent Stefan Kaever in Vertretung von Bürgermeister Rudi Bertram am Mittwoch die Neufassung der Partnerschaft: „Seit 2001 hat sich die Lebenswirklichkeit junger Menschen stark verändert.“ Schulsozialarbeiter habe es damals nicht gegeben, mobile Jugendarbeit ebenso wenig, und auch von Ganztagsschule sei keine Rede gewesen. Zudem habe sich das Kommunikations- und das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen deutlich gewandelt. Daraus resultierende Erkenntnisse von Jugendhilfe, Schulen und Polizei seien in die neue Vereinbarung eingeflossen.

In der geht es unter anderem darum, Erkenntnisse über Straffälligkeiten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht nur an Schulen zusammenzutragen, soziale Brennpunkte und jugendgefährdende Orte festzustellen und Erklärungsansätze zu finden. Gefährdete Gruppen sollen in die Kinder- und Jugendarbeit aufgenommen werden. Im Einzelfall sollen Betroffene durch den Allgemeinen Sozialen Dienst und den Fachdienst „Jugendhilfe im Strafverfahren“ beraten werden. Zudem wollen Polizei, Ordnungsamt und mobile Jugendhilfe an Treffpunkten von Kindern und Jugendlichen Präsenz zeigen und soziale Trainingskurse anbieten.

Unter Federführung des Eschweiler Jugendamtes soll es regelmäßige Arbeitstreffen geben, bei denen Maßnahmen koordiniert und aktuelle Entwicklung besprochen werden. Zudem sind Präventionsveranstaltungen an den Schulen geplant.

Als Sprecherin der weiterführenden Schulen in Eschweiler begrüßte Realschulleiterin Michaela Silbernagel die Wiederbelebung der (nie eingeschlafenen) Kooperation: „Wir alle sind schon mit Situationen konfrontiert worden, in denen es wichtig war, Polizei und Ordnungsamt an Bord zu haben.“

Polizeipräsident Dirk Weinspach sieht die neue Vereinbarung in mehrfacher Hinsicht als wichtig an. „Den Bürgern ist es ausgesprochen wichtig, sicher zu sein, dass Behörden Hand in Hand arbeiten. Manchmal wird da der böse Eindruck vermittelt, da wisse die Rechte nicht, was die Linke tut. Dieser Eindruck ist ebenso fatal wie falsch. Die Bürger sollen sehen, dass wir Probleme gemeinsam angehen.“

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