Eschweiler: Naturfreunde eröffnen zwei Wasserwege

Wandern und Wissen : Zwei „Wasserwege“ sollen dabei helfen, Natur zu verstehen

Wer die Natur versteht, lernt sie nicht nur besser kennen, sondern lernt auch, sie zu schätzen und zu schützen. Wie das ganz praktisch aussieht, macht der Landesverband Naturfreunde NRW vor. An sieben Gewässern im Land werden „Wasserwege“ angelegt. Gleich zwei davon gibt es in Eschweiler.

Einer führt rund um den Blausteinsee, der andere entlang von Inde und Omerbach. Am Sonntag wurden sie eröffnet.

Im kleinen Saal des Seezentrums am Blausteinsee wurde es eng. Dicht gedrängt saßen und standen die Besucher bei der Vorstellung der beiden Wasserwege – für viele von ihnen ist es ihr eigenes Projekt. Zwar werden die sieben Wasserwege weitgehend von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen finanziert, aber die inhaltliche Gestaltung und die praktische Umsetzung, körperliche Arbeit inklusive, liegt bei den Naturfreunden vor Ort. Seit zwei Jahren arbeitet die Eschweiler Ortsgruppe der Naturfreunde an den beiden Wasserwegen. Das geht von der Planung der Inhalte und dem Entwurf der Texte für die Informationstafeln über das Einwerben von Sponsorengeldern bis hin zum Löcherbohren für die Pfähle an den Stationen rund um den Blausteinsee und entlang des Omerbachs.

Leo Gehlen, der Vorsitzende der Eschweiler Naturfreunde, hatte bei seiner Begrüßung vielen Menschen Dank zu sagen, denn viele Bürger, Vereine, Organisationen und Behörden haben geholfen bei dem Projekt. Vor allem dankte Gehlen den Frauen und Männer der Projektgruppe seines Vereins: Hans und Angelika Köhler, Albert Borchardt, Herta Spork, Manfred Mohr, Theo Herwartz und Franz Hirtz vom Eschweiler Geschichtsverein, der auch viele historische Fotos zur Industriegeschichte zur Verfügung stellte. Lobend genannt wurde da die Blausteinsee-GmbH, aber auch die Pfarre St. Markus in Gressenich, die eine Infotafel an der dortigen Ursula-Kapelle spendierte, weil diese Kapelle eng mit der Geschichte des Omerbachs verbunden ist.

Die Naturfreunde gibt es bereits seit 1895, und sie haben sich immer nicht nur als ein Wanderverein verstanden, sondern als ein Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur. Wandern und sich dabei mit der Umwelt auseinandersetzen – diese Idee stehe auch hinter dem Projekt der Wasserwege, erläuterte Projektmanager Markus Maaßen bei der Vorstellung der beiden Wander- und Informationsstrecken. Dabei werden keine neuen Wanderwege angelegt, sondern „wir machen aus einem bereits vorhandenen Weg einen Themenweg“. Dabei sollen gezielt auch Schulen und Kindertagesstätten angesprochen werden.

Beide Eschweiler Wasserwege sind interaktiv. Das heißt: An allen Stationen gibt es neben der Geschichte auf der Tafel einen QR-Code, über den sich viele weitere Informationen abrufen lassen. Dazu braucht man ein Smartphone mit QR-Code-Funktion. Vorgesehen ist auch, mit der Natur- und Erlebnis-App Actionbound eine digitale Schnitzeljagd und ein Quiz für beide Eschweiler Wasserwege anzubieten.

Projektmanager Markus Maaßen stellt den rund 70 Besuchern der Wasserwege-Eröffnung die Themen der neuen Wanderwege vor. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Wasserweg Blausteinsee

Themenschwerpunkte des 5,2 Kilometer langen Wasserwegs rund um den Blausteinsee sind die Veränderung der Landschaft durch den Bergbau und Konflikte zwischen Naherholung und Naturschutz. Denn der künstlich angelegte See ist ein beliebtes Naherholungsgebiet, zugleich stehen große Teile von See und Uferzone unter Naturschutz.

An drei Stellen haben die Naturfreunde Übersichtstafeln aufgestellt, die den Weg rund um den See und die Standorte der Informationstafeln zeigen: Am Parkplatz am Naherholungsgebiet Dürwiß, am Parkplatz Erbericher Kreuz Höhe Lohn-Fronhoven und am Freizeitzentrum Blausteinsee nahe der Badestelle. Dieses Schild am Seezentrum wurde am Sonntag dann auch symbolisch enthüllt, als Startzeichen für die Eröffnung der Wasserwege. Bürgermeister Rudi Bertram und Naturfreunde-Vorsitzender Leo Gehlen zogen die Plane von der Info-Tafel.

An neun Stellen rund um den See stehen weitere Hinweisschilder. Da geht es zum Beispiel um die Entstehung des Sees, um Braunkohlentagebaue und deren Rekultivierung, es geht um die Wasserqualität und um den Schutz der Tiere und der Umwelt. Interessierte Wanderer werden auf diesen Schildern auf besondere Art angesprochen. Da berichtet zum Beispiel ein Bläßhuhn-Küken aus seiner Sicht, wie es sich anfühlt, wenn ein vierbeiniges Ungetüm namens Hund vor dem Nest steht. Storytelling wird diese Bildungsmethode genannt, sprich: Geschichten erzählen. Die Botschaft: Am Blausteinsee gehören Hunde grundsätzlich an die Leine. Und auf dem Schild „Bring uns nicht aus dem Gleichgewicht!“ wird darum gebeten, Wasservögel nicht zu füttern.

Der Wasserweg Blausteinsee ist mit weiteren bereits bestehenden Themenwegen verbunden. Im Norden schließt sich der Historische Pfad an, der zu den Standorten abgebaggerter Dörfer führt, im Osten können Wanderlustige den Kirchspiel-Wanderweg anschließen.

Wasserweg Omerbach

Trotz offizieller Eröffnung am gestrigen Sonntag – der Wasserweg Omerbach ist noch nicht fertig. Es fehlen noch Infotafeln, sie sollen in den kommenden vier Wochen installiert werden. Dieser Weg beginnt am Bahnhof Weisweiler und führt zunächst indeaufwärts, ab Nothberg dann entlang des Omerbachs bis zum Wanderparkplatz Buche 19 zwischen Schevenhütte und Vicht. Eine Strecke von 13 Kilometern. Kleiner Wermutstropfen: „Buche 19“ ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen. Und der Wasserweg geht auch nicht immer direkt am Wasser entlang, denn streckenweise fließt der Omerbach durch Privatgelände. Dennoch, sagt Projektmanager Maaßen, „der Omerbach ist ein Gewässer, das auch sehr schön renaturiert und bewanderbar ist“. Am Rückhaltebecken südlich von Gressenich kann man übrigens auch gerade sehen, wie Biber dort ihre Dämme bauen.

Themen dieses Wanderwegs sind Bergbau- und Industriegeschichte der Orte entlang der Strecke, Renaturierung und Hochwasserschutz. Drei große Übersichtstafeln soll es geben: am Bahnhof Weisweiler, in Nothberg und am Parkplatz Buche 19. Hinzu kommen fünf Info-Tafeln entlang der Inde und zehn entlang des Omerbachs. Einzelne Themen sind unter anderem die Geschichte des Kulturparks in Weisweiler, die Renaturierung der Inde bei Nothberg, die Gressenicher Mühle und die Fischzucht am Oberlauf.

Wem 13 Kilometer nicht genug sind, kann von Buche 19 aus weiterwandern zur Wehebach-Talsperre. Sie ist nur anderthalb Kilometer entfernt.

Für beide Wasserwege gibt es Flyer, die unter anderem im Eschweiler Rathaus und im Seezentrum kostenlos ausgelegt werden. Sie bieten eine Übersichtskarte und eine Wegebeschreibung.

Immer wieder bei der Eröffnung der Wasserwege wurden Vandalismus und die Verschmutzung der Natur angesprochen. Gerade rund um den Blausteinsee ist das ein Problem. Zentnerweise werden von den Helfern der Blausteinsee-GmbH Picknick-Müll und Hausabfälle aufgesammelt. Bürgermeister Rudi Bertram: „Manche Leute sind so verrückt und gedankenlos – ich weiß nicht, was wir da noch machen können, wenn die Sensibilität beim Einzelnen fehlt.“

Naturfreunde-Vorsitzender Leo Gehlen hofft, dass sich das künftig bessert. Er setzt dabei vor allem auf die Jugend, um frühzeitig ein Bewusstsein für den Schutz der Umwelt zu schaffen. Gehlen: „Schön wäre es, wenn wir die Schülerinnen und Schüler dafür interessieren können. Wir möchten die Jugend begeistern.“ Dem Thema „Müll am See“ ist deshalb auch eine der Info-Tafeln gewidmet. Auf ihr wird eine neue Art umweltbewusster Fortbewegung vorgestellt: Plogging. Das ist Jogging mit einem Müllsack. Unterwegs wird dann aufgelesen, was so an Abfall herumliegt.

Ganz ohne Müllsack, aber mit viel guter Laune endete die Eröffnung der Eschweiler Wasserwege mit einer Wanderung über die 5,2-Kilometer-Strecke rund um den See.

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