Eschweiler: Mensch-Hund-Coach Andreas Ohligschläger im Talbahnhof

Andreas Ohligschläger : Der beste Hundetrainer ist der Halter selbst

„Hunde zu erziehen ist gegen die Natur, denn diese wollen anders leben als es gegenwärtig der Fall ist“, betont der Hunde-Experte Andreas Ohligschläger im Talbahnhof. Seinem Publikum erzählt er auch, wie die Deutschen im Vergleich zu anderen mit den Vierbeinern umgehen.

Mit den Hunden in der Natur spazieren zu gehen, dabei mit sich und der Welt in Einklang zu sein und die Tiere zu beobachten, ist das Schönste für den 52-jährigen Mensch-Hund-Coach Andreas Ohligschläger. Diese Lebenshaltung stand am Ende eines Vortrages über die tierischen Weggefährten im Talbahnhof, wo er von den Hundefreunden heiß umjubelt und empfangen wurde. Zuvor hatte er die Menschen im Blick, wie sie auf die Hunde reagieren – und umgekehrt. Denn seiner Meinung nach ist es nicht immer der Hund, der vom Menschen lernen muss, sondern der Vierbeiner kann auch Lehrer für den Besitzer sein. Der mittlerweile zur Fernsehbekanntheit avancierte Hundeversteher habe sich in jungen Jahren nicht vorstellen können, einmal eine HuTa (Hundetagesstätte) zu führen, wo unruhige und gestresste Tiere in der Gruppe gebremst, geerdet und mit Ausgeglichenheit und ruhiger Energie beseelt werden.

Auf seinen vielen Reisen durch Portugal, Spanien und Italien beobachtete er den Umgang der Menschen mit den Hunden und stellte diesen dem Leben der Tiere in unseren Breiten gegenüber. Ihre Tür steht auf, der Hund geht und kommt zurück, wann er will. Die Leute scheren sich nicht darum, wenn er weg ist. Das habe mit loslassen zu tun, denn Hunde wollten auch mal ausruhen. Anhand von Bildern dokumentierte er seinen Weg zum Mensch-Hund-Coach. „Hunde zu erziehen ist gegen die Natur, denn diese wollen anders leben als es gegenwärtig der Fall ist“, betonte der Hundeflüsterer, der sich parallel zur HuTa auch um den in- und ausländischen Tierschutz kümmert. Er appellierte, dass es Zeit für ein Umdenken sei, wenn man die vielen Auffangstationen für Hunde gesehen hat.

Gewalt beginnt, wo Wissen endet

Er zeigte ein Tierheim aus Rumänien, wohin ihn ein WDR-Team begleitet hatte. 6000 Tiere werden dort durch die Glanzleistung von 80 Leuten täglich gefüttert. Damit die Menschen im Saal ein Gefühl für das stundenlange Bellen bekamen, spielte er ein Video ab. Wichtig ist ihm, sie zu sensibilisieren, etwas für Tiere zu tun. Warum nicht einen Hund aus dem Tierheim nehmen? Er wollte aus Rumänien zwei Hunde mitnehmen und es wurden vier daraus. Ganz nebenbei bemerkte er, dass er nur „Secondhand-Hunde“ habe und kritisierte gleichzeitig den Missbrauch von Hunden und den zunehmenden Konsum für Heimtierprodukte.

Viel Zuspruch erhielt er, als er die Frage stellte, warum wir die Hunde überzüchten, wo es genug Hunderassen gibt. Die vielen schrecklichen Bilder mit den geschundenen Tieren hätten ihn so berührt, dass er den Verein „In the name of Dog“ (übersetzt: Im Namen des Hundes) gegründet hat, um Spendengelder für Kastrationsmobile in Portugal, Rumänien, Italien und Griechenland kaufen zu können. Denn es sei besser, das Problem vor Ort anzupacken, statt die Tiere nach Deutschland zu holen. Laut Statistik hat ein Hundepaar nach einem Jahr 16 Welpen, nach zwei Jahren gibt es schon 128 davon – und nach sechs Jahren 67.000.

Warum die Menschen hier bei uns Probleme haben, belegte er mit Geschichten aus dem Revier: Der gemeinsame Alltag mit den Hunden sei oft mehr Stress als Spaß. Viele Hundehalter stehen unter enormem Druck, und jede Begegnung mit anderen Hunden wird zum Alptraum. Häufig führen Inkonsequenz und übermäßige Fürsorglichkeit zu Missverständnissen. Seine Ratschläge sind einfach und nachvollziehbar. Für ein harmonisches Miteinander zwischen Mensch und Hund braucht es Respekt, Zeit, Geduld und Liebe. Gewalt beginne dort, wo das Wissen endet. Der beste Hundetrainer ist der Halter selbst, wenn er auf sein Bauchgefühl hört. Kleinigkeiten machen so viel. Dem Hund nah sein und regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen halten statt ihn kaputt zu konditionieren, stärke das Selbstvertrauen und baue Ängste des Halters ab.

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