Eschweiler: Kneipe Pflaumenbaum in Schnellengasse vor Wiedereröffnung

Kultkneipe vor Wiedereröffnung : Der „Pflaumenbaum“ soll Nostalgie zurück in die Schnellengasse bringen

Mehr als 16 Jahre war die Kultkneipe „Pflaumenbaum“ in der Schnellengasse geschlossen. In Kürze soll sie wieder eröffnen. Pächter René Muders setzt auf das Gefühl von früher.

René Muders hat ein Hobby, das für andere der Hauptberuf ist. Der Versicherungsmakler betreibt nebenbei in der Schnellengasse mit einem Partner die Discothek „Rio“ und die Bar „Chaplin“. Und in Kürze, wenn die letzten städtischen Genehmigungen vorliegen, kommt noch eine Kneipe hinzu: der „Pflaumenbaum“ soll wieder eröffnen. Mehr als 16 Jahre lief dort kein Bier durch den Zapfhahn, die Silvesterparty 2002 war die letzte. „Die Kneipe ist ein Hobby aus Nostalgiegründen“, sagt Muders, als er an der Theke steht. „Man ist hier quasi groß geworden.“

Mehrere Generationen wissen also, wie es in der urigen Kneipe mit dem unverwechselbaren Rondell ausgesehen hat, und das ist der Punkt, an dem Muders mit seinem Marketing ansetzt: Genauso lange wie die Kneipe keine Gäste gesehen hat, sind auch die Handwerker ferngeblieben. „Wir haben bewusst nichts verändert, es soll sein wie früher. Der Eschweiler will vieles so, wie es mal war.“ Vielleicht gibt es daher bald mal eine Party speziell für (Ehe-)Paare, die sich vor Jahren im Pflaumenbaum kennengelernt haben.

Nichts geändert ist in dem Zusammenhang jedoch nicht wörtlich zu nehmen, denn natürlich mussten Dinge auf den neuesten Stand der Technik und Gesetze gebracht werden – aber der Gesamteindruck ist der alte: rustikal. Technik und Gesetze waren es auch, die Muders zu schaffen gemacht haben. Eigentlich hätte der „Pflaumenbaum“ schon lange wieder geöffnet sein sollen, ab Karneval 2018 nämlich, an dem Plan hatte Muders seit 2017 gearbeitet.

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Dann kam das große Aber: Die Decke musste neu gemacht, der Brandschutz erneuert, die neuen Schallrichtlinien eingehalten und eine neue Lüftung installiert werden. Ein riesiger Aufwand, den er nicht habe kommen sehen, sagt Muders. Die Aspekte waren aber unter anderem dafür verantwortlich, dass die Kneipe mehr als ein Jahrzehnt keinen Pächter fand. „Die Lüftung war doppelt so teuer wie alles andere, was wir geplant haben“, sagt Muders. „Das hat den finanziellen Rahmen gesprengt.“

Es ist nicht schwer zu errechnen, dass der „Pflaumenbaum“ mit dieser Vorgeschichte und der Tatsache, dass sich die Kneipenlandschaft seit Jahren ins Negative wandelt, sehr gut laufen muss, damit sich das (Neben-)Geschäft lohnt. Wie soll das klappen? Wie erwähnt, setzt Muders große Hoffnung auf den Faktor Nostalgie. Aber er weiß, dass es eine Herausforderung werde, neue und auch die alten Gäste in die Schnellengasse, Hausnummer 16-18, zu lotsen. „Früher sind die Leute raus und in die Disco gegangen, um jemanden kennenzulernen“, sagt Muders. „Der Flirtfaktor ist aber unter anderem durch das Internet komplett verloren gegangen.“

Muders sieht die Kultkneipe als „Publikumsmagnet“ und will versuchen, dass sich der „Pflaumenbaum“ mit dem „Rio“ und dem „Chaplin“ ergänzt: „Wir führen eine gemeinsame Verzehrkarte für alle drei ein, damit die Gäste ohne Probleme hin und her wechseln können.“

Kein Interesse an Büros und Gastronomie

Eigentümer des Gebäudes ist seit rund sieben Jahren der Eschweiler Kulturmanager Max Krieger. Es ist nicht so, dass Krieger keine Nachfragen für die Immobilie gehabt hätte, aber das Nostalgie-Konzept von René Muders war das, was ihn überzeugt habe, schildert Krieger. „Ich wollte definitiv kein zweites ,Chaplin’ und habe immer in Richtung Irish Pub gedacht“, sagt Krieger. Er hofft, dass der „Pflaumenbaum“ Gäste anzieht, die „Ansprüche auf Geselligkeit“ haben – Krieger selbst schätzt das traditionelle Interieur in dem echten „Eschweiler Haus“ persönlich auch sehr.

An Büros, Gastrobetrieben und einem kleinen Museum – für alle Arten gab es lose Nachfragen – in seinem Haus hatte Krieger kein Interesse. Auf der anderen Seite habe er aber versucht, dass das Restaurant „Der Portugiese“, das in Weisweiler einen guten Ruf genießt, eine Zweigstelle in der Schnellengasse bekommt. Es sei aber vor allem an dem fehlenden Garten gescheitert.

René Muders plant, die Kneipe zunächst nur freitags und samstags zu öffnen und die Entwicklung abzuwarten. Max Krieger kann sich gut vorstellen, dass unter der Woche kleine Konzertreihen stattfinden. In dem Haus proben nämlich bereits zwölf Bands in den verschiedenen Räumen, deswegen sagt Krieger: „Was spricht dagegen, wenn die mal bei offener Tür und einem Glas Bier in der Kneipe proben?“

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