Eschweiler: Im Kirschenhof entsteht unter anderem Haus der Geschichte

Großes Bauprojekt : Der Kirschenhof erstrahlt bald in neuem historischen Glanz

Drei Jahre lang hat er brach gelegen, der historische Kirschenhof. Nun mausert sich das einst gräfliche Anwesen aus dem 17. Jahrhundert, das unter anderem Heimat für wohlhabende Industrielle, Ärzte, Apotheker und Bankiers war, wieder zu einem wahren Schmuckkästchen.

Dank der Stadt Eschweiler und der APB-Gruppe der Familie Lehnen, die das denkmalgeschützte Gebäude erworben haben und den Charakter des geschichtsträchtigen Gebäudes erhalten möchten. Der rund 2000 Quadratmeter große Kirschenhof besteht aus drei Gebäudeteilen: einem Haupthaus (an der Dürener Straße), in dem künftig der Eschweiler Geschichtsverein eine neue Heimat finden wird, einem Mitteltrakt (an der Parkstraße), in dem zwei große Wohnungen mit Terrasse und Freisitz geplant sind, und dem Gebäude an der Peter-Paul-Straße, in dem elf seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen und eine Senioren-Wohngemeinschaft mit acht Plätzen entstehen.

Mit der Sanierung und dem Umbau des Mitteltraktes und dem Haus an der Peter-Paul-Straße hat die Eschweiler APB-Gruppe, die ein Architekten- und Maklerbüro unterhält, Anfang des Jahres begonnen. Nur noch wenige Monate, dann sind diese Gebäude fertig. „Die ersten Mieter können am 1. Februar 2020 in das Haus mit der freundlichen, sandfarbenen Fassade an der Peter-Paul-Straße einziehen“, freut sich APB-Geschäftsführer Stephan Lehnen über die zügigen Bauarbeiten.

Einige der Wohnungen sind bereits vermietet. Dank der massiven Fassadendämmung, der Dreifachverglasung und der solar-energiebetriebenen Wärmepumpe hat das historische Gebäude nach Fertigstellung einen Energiebedarf von 55 Prozent eines herkömmlichen Gebäudes. „Das heißt, dass dem Mieter keine Heizkosten in Rechnung gestellt werden, weil das Haus selbst für die Wärmeerzeugnis sorgt“, betont Stephan Lehnen.

Die seniorengerechten Wohnungen sowie die Räume der Wohngemeinschaft sind alle mit kompletten Bädern (Spiegel, Handtuchhalter, etc.), Fußbodenheizung, allergikerfreundlichen Vinylboden in Eichenoptik, Kameras und Gegensprechanlagen, elektrischen Rollos und Beschattungsanlagen ausgestattet. Ein Pflegedienst sorgt dann künftig für die 24-Stunden-Betreuung der Wohngemeinschaft. Für die anderen Mieter richtet die Familie Lehnen im Haus ein Beratungsbüro ein, das zweimal in der Woche besetzt ist.

Die APB-Gruppe um Stephan Lehnen zeichnet für die Restaurierung verantwortlich. Foto: Irmgard Röhseler

„Der Innenhof wird in der Gemeinschaft der Eigentümer neu gestaltet und steht den Besuchern und Bewohnern des Hauses gleichermaßen als Erholungsraum zur Verfügung“, sagt Stephan Lehnen.

Der südliche Gebäudekomplex, eigentumsrechtlich der Stadt zugeordnet, soll nach der Sanierung in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein als „Haus der Geschichte und Kultur“ und außerschulischem Lernort genutzt werden. Ziel der Stadt ist es, ein Haus zu schaffen, in dem die Eschweiler Geschichte erlebbar gemacht wird. Das Objekt wird vom Haupteingang an der Dürener Straße über das großzügige Foyer erschlossen, ein zweiter behindertengerechter Zugang über den Innenhof realisiert.

Das denkmalgeschützte Gebäude erhält einen behindertengerechten Aufzug und eine barrierefreie WC-Anlage. Einige Einrichtungsgegenstände, wie historische Kronleuchter und Einbauteile hat die Stadt „in Sicherheit gebracht“ und eingelagert. Sie sollen nach Fertigstellung des Hauses wieder installiert werden. Auch die historischen Fenster- und Türanlagen des barocken Hauptgebäudes sollen (so weit möglich) restauriert und erhalten bleiben. Gleiches gilt für die Parkettböden, Holzvertäfelungen und Einbauschränke.

Im Erdgeschoss soll ein Museum entstehen, in dem thematische Ausstellungen, wie zur Geschichte der Stein- und Braunkohlengewinnung, zur Entwicklung des Handwerks und der Industrie, zu Eschweiler Persönlichkeiten und der Juden in Eschweiler eingerichtet werden.

Vieles, wie die Treppe, erinnert noch an den alten Glanz. Foto: Irmgard Röhseler

Das Foyer und weitere Flächen im Erdgeschoss bieten ebenso Platz für wechselnde Ausstellungen zu den Burgen und Herrenhäuser Eschweilers beziehungsweise der Nachkriegszeit oder aber auch für kleinere Vernissagen. Der einmalig gut erhaltene Tresorraum ist eine ideale Kulisse für Exponate aus der Bankgeschichte (die Eschweiler Bank betrieb hier von 1909 bis 1915 ihr Bankhaus).

Die Räume im rückwärtigen Bereich sollen vom Geschichtsverein genutzt werden. Zudem finden hier die wichtigsten Bücher, Karten und Fotografien aus dem umfassenden Fundus des Eschweiler Geschichtsverein Platz. Die repräsentativen Räume im ersten Obergeschoss sollen für Kultur, Feste und Veranstaltungen von Vereinen und Bürgern genutzt werden. Ein kleiner und ein größerer Saal (letzterer mit Terrasse) eignen sich dann für Vorträge, Lesungen und Konzerte. 50 bis 90 Sitzplätze könnte man einrichten.

In den Zimmern mit gut erhaltener Holzvertäfelung und einst noblen Einbauschränken (hier haben früher vermutlich die Direktoren gesessen), sollen Trauzimmer und Empfangsräume installiert werden. Das Dachgeschoss soll als Lager- und Archivraum genutzt werden.

Die Arbeiten in dem Hauptgebäude beginnen nach den Herbstferien. „Wir hoffen, dass das geschichtsträchtige und wunderbare Haus Ende 2020 fertig ist und den Flair der Jahrhundertwende versprüht. Es war mir immer eine Herzensangelegenheit, dass dieses Schmuckstück wieder hergerichtet wird und hier wieder Leben einkehrt“, betont Bürgermeister Rudi Bertram.

Auch die Restaurierung werden die APB-Architekten federführend übernehmen. „Wir legen das Hauptaugenmerk auf die Erhaltung der denkmalgeschützten Bausubstanz“, sagt ABP-Geschäftsführer Wilhelm Lehnen. Die geschätzten Investitionen der Stadt betragen 1,8 Millionen Euro.

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