Eschweiler: Eschweiler hat 76 Sportvereine! Wie lange noch?

Eschweiler: Eschweiler hat 76 Sportvereine! Wie lange noch?

Die Eschweiler Sportlandschaft ist bunt. 76 Sportvereine führt das Vereinsregister der Stadt. Die Palette reicht vom Angelsportverein bis zum Taekwondo-Club. Einige bunte Flecken dürften in den nächsten Jahren jedoch verblassen, fürchtet Bürgermeister Rudi Bertram.

„Der demographische Wandel ist nicht aufzuhalten, es wird bald deutlich weniger jüngere Menschen geben”, sagt der Verwaltungschef. Und damit nimmt auch die Zahl derer ab, die in Vereinen aktiv Sport treiben.

Dennoch steckt Eschweiler Jahr für Jahr viel Geld in Sportstätten der Stadt. Dies geschieht nicht nur, weil die Stadt für die Schulen ausreichende Sportstätten vorhalten muss, sondern die Vereine haben auch eine wichtige soziale Funktion. Diese ist auch unbestritten. „Ich sage immer wieder: Haltet bitte die Kinder in den Vereinen”, betont Rudi Bertram. Dieses Unterfangen wird jedoch zunehmend schwieriger. Kooperationen zwischen Sportvereinen gehören inzwischen zur Normalität. Fusionen sind jedoch eher die Seltenheit.

Den Wasserfreunden Weisweiler und dem SC Delphin gelang der Schulterschluss. Allerdings wurde diese Entscheidung auch unter sanftem Druck getroffen: Das Hallen- und Freibad Weisweiler wurde Opfer der Abrissbirne. „Das war die schwierigste Entscheidung meiner Amtszeit”, gesteht Bertram heute. Allerdings war sie auch alternativlos - glaubt man den Verantwortlichen. In Weisweiler werde er auch Jahre nach dem Abriss immer noch als „Mann, der uns die Bäder genommen hat”, angesprochen. Dies zeigt, wie sensibel die Menschen reagieren, wenn es um „ihren” Verein geht.

Sanfter Druck bei Sportplätzen ist derzeit nicht in der Diskussion. Die Möglichkeit dazu hätte die Stadt, etwa über Umnutzungen von Flächen.

Bertram selbst hat mehrfach erfahren, welche Hürden zu nehmen sind, wenn Pläne für Sportvereine diskutiert werden. Bei den Überlegungen für die Großsportanlage in Dürwiß saß er als Leiter des Sportamtes mit am Tisch. „Damals ist eine große Chance vertan worden”, sagt er heute. Die beiden Vereine drückten ihre Forderung nach getrennten Sportheimen durch - das Geld fehlte dann für eine bessere Ausstattung der Sportanlage. Rhenania Lohn beteiligte sich erst gar nicht an dem Projekt.

Was in Dürwiß nur in Teilen umgesetzt wurde, scheiterte in Eschweilers Süden bereits im Vorfeld. Rudi Bertram brachte eine Großsportanlage in Hastenrath ins Gespräch, da die Stadt am dortigen Sportplatz weiteres Land besitzt. Die Preußen, Falke Bergrath und der SV Nothberg sollten dort eine neue Bleibe finden. „Die Gespräche blieben jedoch ergebnislos”, berichtet Bertram. So wurde in drei Sportstätten investiert: Hastenrath und Nothberg erhielten ein neues Vereinsheim, Bergrath rüstete sein Heim auf und kickt inzwischen auf einem Kunstrasenplatz. Einen Großteil der Kosten trug die Stadt, die Vereine beteiligten sich allerdings. Der Bau der Heime wurde jedoch auch schon 1998 beschlossen, betont Bertram.

In einem anderen Fall endete die Zusammenarbeit zweier Vereine sogar nach dem Bau eines Vereinsheims: in St. Jöris. „Man hat uns zugesagt, dass die Sportfreunde und der SV St. Jöris im Jugendbereich kooperieren”, so Bertram. Das sei eine der Bedingungen für den Bau gewesen - allerdings wurde dies nicht vertraglich festgelegt. Unmittelbar nach der Eröffnung des SV-Heimes endete das Miteinander der Ortsrivalen.

Der Verwaltungschef wehrt sich allerdings gegen die Aussage, dass die Stadt nur für Fußballvereine Geld in die Hand nehme. Als Beispiele nennt er die hohen Investitionen in die Jahn- und Eichendorffhalle und den Neubau einer Halle in Weisweiler. Häufig stellt die Stadt auch den Grund und Boden für wenig Geld zur Verfügung, auf dem dann die Vereine ihren Sport ausüben können. Ein weiteres Beispiel: 13 Millionen D-Mark wurden 1994 in das Hallenbad Jahnstraße gesteckt, vor einigen Jahren wurden noch einmal 3,5 Millionen Euro für die Wassersportler investiert. Rudi Bertram räumt jedoch auch ein, dass eine hundertprozentige Gleichbehandlung der Vereine nicht immer gegeben sei.

Trotz der finanziell schwierigen Lage der Stadt liegen immer wieder neue Anträge auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters. Aktuell stehen Kunstrasenplätze hoch im Kurs. Diese kosten zwar in der Errichtung viel Geld, sind in der Unterhaltung aber günstiger als herkömmliche Rasen- oder Ascheplätze. Dieses Argument wird immer wieder ins Feld geführt.

Dass die Investition in einen Kunstrasen nicht zwingend erforderlich ist, wird hingegen kaum hinterfragt. „Vielleicht ist das Anspruchsdenken gewachsen, weil wir ja bisher immer viel Geld in die Hand genommen haben, um die Sportvereine zu fördern”, meint Bertram. Oder anders ausgedrückt: Was die einen Vereine haben, wollen die anderen (natürlich) jetzt auch.

Das Thema Fusionen wird sicherlich weiter intensiv und emotional diskutiert werden. Und wahrscheinlich wird der demographische Wandel irgendwann auch dafür sorgen, dass es ohne Fusionen (und dabei geht es nicht ausschließlich um Fußball) nicht mehr geht. Beim Bau neuer Heime werde dieses Thema stets berücksichtigt, betont der Verwaltungschef. Er sage seinen Mitarbeitern immer, dass sie bei den Planungen eine eventuelle Folgenutzung im Blick haben sollen. Bleibt abzuwarten, wann es so weit ist.