Eschweiler: Hacker ruft mit Nummern der Verwaltung in der Welt an

Teure Tunesien-Telefonate : Hacker dringen in Telefonanlage des Eschweiler Rathauses ein

Ein unbekannter Hacker hat bei der Stadt Eschweiler für einen Schaden von 850 Euro gesorgt – und für hohen personellen Aufwand. Er hatte eine Sicherheitslücke in der Telefonanlage des Rathauses ausgenutzt, um mit Nummern in Tunesien zu telefonieren.

Die Gebühren fielen binnen zwei Stunden so hoch aus, weil der- oder diejenige nicht von einem Telefon, sondern direkt per Konferenzschaltung willkürlich Nummern in dem nordafrikanischen Land anrief. Die Sicherheitslücke haben die Experten der Stadt am Montag darauf schnell geschlossen, und auch Auslandsanrufe wurden daraufhin für die Telefone der Verwaltung gesperrt. Der Vorfall ereignete sich bereits in der Nacht vom Samstag, 7., auf Sonntag, 8. September. Die Stadt machte dies nun öffentlich, weil es nicht bei dem Einzelfall geblieben ist.

In den vergangenen Wochen rief der Täter oder die Täterin erneut mit Nummern der Verwaltung an – dieses Mal nachts private Haushalte in der Schweiz. Zu Gesprächen kam es nicht, weil die Angerufenen nicht abgehoben haben. „Diese Anrufe kamen aber natürlich auch nicht aus dem Rathaus, die Rufnummer war gefälscht“, betont Frank Clermont vom Technischen Service der Stadt. „Es ist wie bei der Betrugsmasche mit der Polizeirufnummer: Auf dem Display des Anrufers erscheint dabei die 110 anstatt der richtigen Rufnummer.“

Auch betroffen: ein Krankenhaus in Zürich. „Dort waren die Telefone zeitweise für Notrufe blockiert, deswegen hat uns die Aachener Polizei nach einer Meldung des Krankenhauses informiert“, sagt Clermont. Aus dem Eschweiler Stadtgebiet kamen bislang keine Hinweise, dass der anonyme Anrufer nachts mit der Verwaltungsnummer auf sich aufmerksam gemacht hat. Falls dies der Fall sein soll: „Bitte geben Sie uns Bescheid, damit wir die Hinweise auch der Polizei zukommen lassen können“, appelliert Clermont.

Hat der- oder diejenige mit dieser Masche einen finanziellen oder generelle einen Vorteil? „Nein“, sagt Clermont deutlich. „Es geht Anrufer anscheinend nur darum, Aufwand bei uns zu erzeugen, es kann ihm sonst nichts bringen.“ Es deute auch nichts auf automatisierte Handlungen hin, die Anrufe variieren, es sei kein Muster erkennbar. Die Gesamtzahl der Anrufe kann die Stadt nicht beziffern, sie nimmt aber an, dass die Dunkelziffer hoch ist, weil nicht jeder die unbekannten Anrufe als ominös einstuft und meldet. Nun wartet die Stadt die Ermittlungen ab, Anzeige gegen Unbekannt ist erstattet.

Vorfälle in diesem Ausmaß habe es bei der Stadt noch nicht gegeben, betont Frank Clermont. Und Bürgermeister Rudi Bertram sagte in der Ratssitzung am Freitag auf Nachfrage der CDU, dass nichts davon bekannt sei, dass bei dem technischen Angriff auf die Verwaltung auch anderweitig Daten abhanden gekommen seien.

(cro)