Eschweiler: Geschichtsverein besucht Stiepeler Dorfkirche

Ausflug nach Bochum : Eine unerwartetes Schmuckstück

Als Fortführung der Reihe „Große Städte in der Metropol-Region Rhein-Ruhr“ startete der Eschweiler Geschichtsverein unter Leitung von Wolfgang Schmidt im März seine erste Tagesfahrt im Jahr, diesmal nach Bochum.

Peitschender Regen am Morgen hielt über 30 wissbegierige Mitreisende nicht davon ab, die länger geplante Reise anzutreten. Dafür wurden sie reichlich belohnt, denn schon vor Ankunft in der 375.000-Einwohner-Stadt erwartete sie im nahegelegen Dorf Stiepel ein unerwartetes Kleinod höchsten Ranges, die Stiepeler Dorfkirche.

Unerwartet, weil man einen solch prächtigen Kirchenbau nicht in einem kleinen Dorf vermuten würde. Und Kleinod, weil sie sowohl in ihrer architektonischen Gestaltung (Romanik, Gothik) als auch in ihrer außergewöhnlich gut erhaltenen, wundervollen Wandbemalung europaweit einzigartig ist.

Kaiserliches Kobalt und Purpur

Eine Landschenkung durch Otto III an das Grafengeschlecht der Billunger soll im frühen 11. Jahrhundert zum Kirchenbau geführt haben, einem Bau der über die Jahrhunderte immer großzügiger verändert wurde und jenen imperialen Charakter erhielt, den man heute noch bewundern kann.  Manch ein Kunsthistoriker vermutet, dass über diese Kirche der Kaiser selbst seine spendende Hand hielt. Dies lässt sich auch an der einzigartigen Farbigkeit der Wandmalereien ableiten, in denen nebst Erdfarben auch noch kaiserliches Purpur und Kobalt durchschimmern.

In den aus dem 12. bis 16. Jahrhundert stammenden Wand- und Gewölbemalereien lassen sich nicht nur filigran gezeichnete Fauna und Flora wiederfinden, sondern auch ursprüngliche, figürliche Darstellungen der Bibelgeschichten.

Kurz nach der Reformation Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche protestantisch. Die figürlichen Malereien, von den Protestanten verpönt, mussten kurzerhand verschwinden. Das hatte wiederum etwas Gutes: Unter dem Schutz dicker Farbschichten blieben sie gut erhalten, bis sie in den 60er Jahren des 20. Jahrhundert entdeckt und freigelegt wurden.

So zählt die Dorfkirche zu den wenigen Kirchen Westfalens, die noch eine Gesamtvorstellung der ursprünglichen Ausmalung geben. Alle figürlichen Darstellungen sind biblischen Ursprungs. Das Dekorationssystem ist als westfälischer Ausmalungstyp bekannt und von Wandermalern erbracht worden, was wiederum die Nähe zu kirchlichen Wandmalereien in den nahen Niederlanden und Belgien erklärt.

Noch lange hätten die Mitglieder des Geschichtsvereins dem versierten Kirchenführer Herrn Thomälen lauschen können, wenn da nicht bereits der Bus mit der Bochumer Stadtführerin wartete. In einer zweistündigen Besichtigungstour von Bochum lotse sie sachkundig und mit kurzweiligem Kommentar durch die Ruhrauen in die einstigen Industrie-Hochburgen des Bochumer Vereins für Kohleförderung und Stahlfluss – inzwischen alle stillgelegt. Weiter ging es zur Jahrhunderthalle, einst Gaskraftanlage, die unter anderem auch die Häuser der Stahlarbeiter mit kostenloser Energie belieferte und jetzt zentrales Festspielhaus der Ruhrtriennale ist. Auch das Bergbaumuseum überzeugte den Geschichtsverein mit seinem Jugendstilförderturm.

Die Tour führte außerdem zur früheren Krupp-Siedlung für Bergleute, vorbei an illustren Konzerthäusern, der Propsteikirche und Musiktheatern, wo unter anderem das seit nahezu 30 Jahren hoch frequentierte, beliebte Musical „Starlight-Express“ präsentiert wird.

Der letzte Teil des Bochum-Parcours führte den Eschweiler Geschichtsverein in das Zeiss-Planetariums. Dort wurden die Besucher in die Geheimnisse der Astrophysik, in das Milliardenportfolio an Sternen der Milchstraße und deren Zentrale, die Sonne, eingeführt. Wer nach sanftem Zurücklehnen in die Beinah-Horizontale nicht gleich einschlief, konnte gelassen der sonoren Stimme des Moderators zu eindrucksvollen Aufnahmen von Nasa und Esa lauschen. Begleitet wurde das Ganze von sphärischer Musik, die Unendlichkeit des Weltalls untermalend: ein Hochgenuss für die einen, Angstmacher für andere.

 Richtige Erholung für alle gab es dann erst wieder auf der Fahrt nach Hause, bei der über die Eindrücke geplaudert wurde. Das Fazit des Geschichtsvereins: Das Bochum unserer Tage ist wirklich eine Reise wert. Da möchte man doch glatt noch mal hin.