Eschweiler: Forum Gott und die Welt mit Weihbischof Bündgens

Zukunftswerkstatt : Die ewige Frage über die Zukunft der Kirche

Die katholische Kirche verändert sich. Manchmal zäh, wie bei der Reform des Verwaltungsapparates im Vatikan, manchmal schneller, wie bei dem Projekt „Heute bei dir“ im Bistum Aachen.

Auf manche Beobachter wirkt es wie ein Umbau bei laufendem Betrieb. „Wegen Umbau geschlossen?“ ist das Thema bei einem Vortrags- und Gesprächsabend am Donnerstag, 21. März, Beginn 19.30 Uhr. Das „Forum Gott und die Welt“ der Pfarre St. Peter und Paul lädt dazu in das Kinder- und Jugendzentrum an der Peter-Paul-Straße 12 ein. Der Referent ist vielen an der Inde gut bekannt: Weihbischof Dr. Johannes Bündgens ist ein gebürtiger Eschweiler.

Dass die Katholische Kirche als Ganzes sich ändert, wurde zum Beispiel im Februar deutlich, als sexueller Missbrauch erstmals Thema einer päpstlichen Konferenz im Vatikan war. Auch wenn Opferverbände die Ergebnisse als ungenügend bezeichneten, wurde deutlich, dass solche Straftaten in der Kirche nicht mehr vertuscht werden können und dürfen. Auch die Reform der Kurie, also der Leitungs- und Verwaltungsorgane im Vatikan, kommt wenn auch zäh voran.

Im Bistum Aachen schauen viele engagierte Christen mit Hoffnung und zugleich Sorge auf den von Bischof Helmut Dieser angestoßenen Gesprächs- und Veränderungsprozess „Heute bei dir“. Bei diesem Prozess, an dem sich interessierte Menschen aus dem ganzen Bistum beteiligen, sollen neue Möglichkeiten des religiösen und kirchlichen Lebens entwickelt werden. Im Hintergrund steht dabei auch immer die Frage, wie sich – angesichts des Priestermangels und angesichts sinkender Mitgliederzahlen – innerkirchliche Strukturen verändern müssen und Gemeinden organisiert werden können. Dieser „Heute bei dir“-Prozess ist in vollem Gang. Er soll bis zur Heiligtumsfahrt 2021 abgeschlossen sein.

Von den vier Handlungsfeldern, über die engagierte Christen derzeit debattieren, sollen in dem Bereich „Die Kirche gestalten“ erst ganz am Schluss Entscheidungen fallen. Die anderen drei Handlungsfelder lauten „Den Glauben leben“, „Den Menschen dienen“ und „Jesus überall begegnen“. Vor Ort allerdings müssen die Gemeinden schneller auf den Priestermangel reagieren. Die drei Eschweiler „Gemeinschaften der Gemeinden“ haben gerade erst einen neuen gemeinsamen Gottesdienstplan aufgestellt, weil durch Krankheit und Versetzung die Zahl der Geistlichen erneut zurück gegangen ist.

Eine Art Zwischenbericht zu beidem, der Reform der Kirche weltweit und der Reform vor Ort, wird es bei dem Vortrag von Johannes Bündgens geben. „Wir können noch keine Ergebnisse formulieren“, dämpft der Weihbischof die Erwartungen. Aber sicher sei, dass die Kirche sich verändern will und muss, und nicht nur, weil die Zahl der Priester sinkt und die Struktur von Kirchengemeinden sich ändert. Bündgens erinnert an ein Sprichwort, das dem Kirchenlehrer Augustinus zugeschrieben wird: Ecclesia semper reformanda est – die Kirche braucht fortwährende Erneuerung. Bei dem Projekt, das seit Februar 2018 läuft und an dem sich Dutzende engagierter Bürger beteiligen, geht es um die Zukunftsfähigkeit der Kirche: Wie lässt sich christlicher Glaube in der heutigen Gesellschaft leben? Wie kann Seelsorge funktionieren? Und schließlich auch: Welche Organisationsformen und -strukturen werden notwendig sein für ein lebendiges religiöses Leben im Bistum? Wie sieht die Pfarrei der Zukunft aus?

Der Vortrag am 21. März in Eschweiler ist so etwas wie der Blick in eine Zukunftswerkstatt, die verhindern soll, dass die Organisation Kirche „wegen Umbau geschlossen“ werden muss. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Arbeit des Forums „Gott und die Welt“ werden gern gesehen. Pastoralreferent Frank Klinkenberg wird den Abend moderieren.

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