Eschweiler: Erster Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi

Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi : 100 „Brummis“ drehen lange Runde mit Kindern an Bord

LKW-Benefiz-Konvoi rollt durch die Region

Der hupende Konvoi aus 100 teilweise geschmückten Lkw ist in Teilen der Städteregion am Weltkindertag nicht zu übersehen gewesen, aber wie es wohl aussehen mag, wenn sich hier etabliert, was in Kalkar am Niederrhein seit mehreren Jahren Tausende Menschen auf den Straßen jubeln lässt?

Dort rollen ebenfalls 100 Lkw im Konvoi am Rhein entlang, es ist ein Volkfest mit Benefiz-Charakter, weil dortige Fernfahrer schwerkranke Kinder eine Freude machen möchten, weil diese dann Beifahrer sind und ihnen die Menschenmassen Spalier stehen. Wolfgang Schiffers möchte, dass es irgendwann auch hier so weit kommt. Der Samstag war der Anfang, es war der erste Euregio-Benefiz-Lkw-Konvoi.

Schiffers ist aus Eschweiler und engagiert sich für den Kraftfahrerkreis Aachen-Düren. Das ist ein Verein, der sich um die Belange von Fernfahrern kümmert und ihnen auf verschiedenen Wegen eine bessere Lobby verschaffen will. Die Tour am Wochenende soll dazu beitragen. „Wir machen den Konvoi, weil wir etwas Gutes tun wollen für die Kinder, wir sammeln für vier Vereine“, sagt Schiffers. „Und wir wollen das Image der Lkw-Fahrer aufwerten. Wir sind auch nur Menschen. Es gibt ein paar schwarze Schafe, die aus der Reihe tanzen, aber das sind nicht wir, nicht die Allgemeinheit.“

Start- und Endpunkt der Schleife war die Aldenhovener Teststrecke, von dort starteten die Lkw im einminütigen Abstand. Das war eine behördliche Auflage, damit Dutzende Lkw hintereinander nicht den Verkehr lahmlegen – denn es ging nicht über die Autobahn. Die Strecke führte über die Dörfer: angefangen im Nordkreis, dann ein kurzes Stück in Kerkrade, über Aachen, das belgische Eynatten, Aachen, Stolberg, Eschweiler, zurück durch den Nordkreis. Zwei Motorrad-Clubs, die sich sozial engagieren, und ein Quad-Club stellten Streckenposten ab.

Mit und für Kinder unterwegs: Die Kolonne startete in Aldenhoven und fuhr durchs Dreiländereck dorthin zurück. Foto: Andreas Cichowski

Es hat nicht geklappt, schwerkranke Kinder auf die Mehrheit der Lkw zu verteilen. Die Aktion sei dafür noch zu unbekannt, sagt Wolfgang Schiffers, ein gutes Dutzend kranker Kinder war es nur. Dennoch: Vier Vereine können sich mindestens über insgesamt 4444 Euro Spenden freuen. In die restlichen Lkw stiegen also Kinder ein, die Spaß an den großen Fahrzeugen haben, wie der fünfjährige Jannik. Er saß im ersten Lkw, also war er auch der Erste, der in Aachen-Brand von der dortigen Feuerwehr am Straßenrand empfangen worden ist. Nach wenigen „Brummis“ stockte der Konvoi in Brand, weil dort ein großer Pkw-Unfall für eine Sperrung sorgte.

„Ich habe ganz viele 25er Kräne gesehen“, erzählte Jannick strahlend, bevor er auf der L238 von Eschweiler Richtung Alsdorf Menschen am Straßenrand und auf Brücken zuwinkte. Die Zuschauerzahl hielt sich über die gesamte Strecke gesehen in Grenzen, an einzelnen Stellen standen jedoch Kinder und Eltern mit Dankes-Plakaten, und Teilnehmer erzählten von Kindern, die in kleinen Orten aus Häusern „sprinteten“, als die hupende Kolonne im Anflug war.

„Wir haben zufällig von der Aktion gehört, und ich dachte mir: hingehen, unterstützen, bekannter machen“, sagte Christoph Zinken aus Niederzier, der seinen Sohn Benedikt mitfahren ließ. „Die großen Maschinen sind faszinierend.“

Die Aktion am Samstag war eine Mammutaufgabe für Wolfgang Schiffers, was sich allein daran zeigt, dass er im vergangenen Jahr mit der Planung begonnen, „700 bis 800 Mails“ bekommen und „mehr als 1000 Stunden“ nach der täglichen Schicht investiert habe. Und die Idee sei auch nicht bei allen Kommunen gut angekommen, sagt Schiffers. Stichwort: Umweltbelastung – schließlich waren 100 Lkw stundenlang unterwegs.

Will den Euregio-Benefiz-Konvoi etablieren: Wolfgang Schiffers. Foto: ZVA/Carsten Rose

„Aus Aachen habe ich erst nach einem Brief an den Oberbürgermeister eine einmalige Ausnahme erhalten“, betont Schiffers. „Am Niederrhein ist das anders: Dort unterstützen die Kommunen die Aktion schon lange im Voraus und lassen die Straßen schmücken.“ Während die Genehmigungen aus den beiden Nachbarländern kostenlos und binnen 14 Tagen ohne Probleme und sogar mit Unterstützung bei der Planung geklärt gewesen seien, habe er die letzte Genehmigung auf deutschem Boden erst am Tag vor dem Konvoi erhalten.

Der Ärger darüber schien am Sonntag bereits verflogen, als er mit einigen Stunden Abstand von den vielen positiven Reaktionen erzählte – sowohl die persönlicher Art als auch die im Internet. Bilder und Videos vom Konvoi verbreiteten sich rasant. Szenen, die bei vielen Fahrern für Gänsehaut sorgten. Und Tränen in den Augen – ein außergewöhnlicher Tag für Fahrer und die seltenen Beifahrer.

Mehr von Aachener Zeitung