Eschweiler: Eschweiler Eric Cepuran ist für den FC Bayern virtuell auf Korbjagd

Eschweiler : Eschweiler Eric Cepuran ist für den FC Bayern virtuell auf Korbjagd

Es steht 66 zu 67. Spannender könnte das Ende dieses Basketballspiels in der Audi-Dome-Arena in München kaum sein. Noch 3,7 Sekunden sind zu spielen und dennoch ist noch nichts entschieden. Spieler „Deathprezz“ zieht von rechts rein, drückt sich ab und legt den Ball in den Korb. Das ist der Sieg: 68 zu 67. Der Sprecher jubelt, das Publikum tobt. Doch es ist nur ein virtuelles Spiel.

Tatsächlich sind die Spieler zwar auch in der Münchener Arena, aber sie sitzen an der Konsole. Was man vor einigen Jahren noch als Spielerei an der Playstation abgetan hat, ist mittlerweile anerkannter E-Sport. Hinter den einzelnen Figuren auf dem digitalen Spielfeld stecken nämlich Menschen, die tatsächlich viel dafür trainieren, um erfolgreich zu werden. So auch Eric Cepuran aus Eschweiler, der seit Mai für Bayern Ballers Gaming spielt, dem offiziellen E-Sport-Team des FC Bayern München.

Per Zufall hatte Cepuran erfahren, dass der Verein solch ein Team gründen will. Zuvor hatten er und befreundete Spieler der Community sich bereits gestreamte Videos von Spielen anderer Vereine angesehen. Für sie war klar: „Das können wir besser.“

Die Jury überzeugen

Mit diesem Selbstbewusstsein hat sich Cepuran für das Bayern-Team beworben. Von 150 Spielern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden 40 zum E-Cup im Audi Dome nach München eingeladen, in die Arena der realen Basketballstars. Spiel für Spiel bis zum knappen Finale konnte sich Cepuran mit seinem Spieler „Zaepooo93“ vor den Augen der Jury beweisen und schaffte es ins achtköpfige Team.

Seitdem spielt er mit seiner Mannschaft regelmäßig gegen andere. Ausgetragen werden diese Wettkämpfe in dem Spiel NBA2K, dem elektronischen Pendant der Basketball-Profiliga in Nordamerika NBA. Allerdings gibt es eine separate europäische E-Sport-Liga.

Wie viele Spiele darin ausgetragen werden, ist ganz frei. Bisher gibt es keinen festen Spielplan, man verabredet sich eher spontan, sagt Cepuran. Dann heißt es schon mal: um 20 Uhr in der Arena. „Das klappt mal besser und mal schlechter.“ Immer fünf Spieler pro Team treten gegeneinander an. Das sind deutlich weniger als beim echten Basketball, hat aber einen entscheidenden Vorteil: „Es erleichtert das Zusammenspiel“, sagt der Eschweiler ganz einfach.

Denn wie bei einem realen Spiel müssen die Gamer ebenfalls ihre Positionen einhalten und ihre Rolle kennen. Zudem verfolgt jede Mannschaft eine Taktik. Während des Spiels unterhalten sich E-Sportler via Headset, wenn sie gerade nicht nebeneinander sitzen wie bei größeren Turnieren.

Denn gelegentlich treffen sich die Spieler auch in der Wirklichkeit. Dann geht es auch mal auf ein Bier zusammen in die Bar. „So lernt man sich kennen und bekommt mal ein Gesicht zu den anderen Spielern“, findet Eric Cepuran. Selbstverständlich wird auch zusammen gezockt. Sich gegenseitig zu pushen, gehört dazu. „Dann wird es auch schon mal lauter — vor Freude oder weil geflucht wird“, erklärt Ceupran.

Daran ändert sich auch nichts, wenn Publikum zusieht. So wie Donnerstagabend bei der Gamescom in Köln, die im vergangenen Jahr von rund 350.000 Computerspiel-Fans besucht wurde. Cepuran und sein Team spielten auf einer der Bühnen der weltweit größten Gaming-Messe gegen die Mannschaft aus Ulm. Zwar gibt es für die Spieler kein Geld, aber Aufmerksamkeit.

Anders als beim Fußball steckt E-Sport beim Basketball nämlich noch in den Kinderschuhen. Profi-Spieler bei der Fifa können monatlich Summen im fünfstelligen Bereich verdienen. Beim Fifa-E-Worldcup erhält der Sieger ein Preisgeld in Höhe von 250 000 Dollar.

Beim E-Sport im Basketball geht es noch nicht um Geld — zumindest nicht in Deutschland. Gerade stellen die ersten Vereine eine E-Sport-Mannschaft, viele andere ziehen jetzt nach. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es bald auch eine Bundesliga geben könnte“, sagt Cepuran. Seine Zukunft sieht der BWL-Student aber nicht im Gaming. Nach seinem Studium an der Fachhochschule Aachen möchte er im Bereich Controlling arbeiten. E-Sport sei einfach nur ein Hobby, sagt er. Allerdings investiert er täglich mehrere Stunden Zeit dafür. Doch das muss man auch, wenn man in Deutschland bei den Besten mitspielen will. Drei Stunden pro Tag sollte man mindestens spielen, sagt Cepuran.

Denn neben dem Spiel im Team muss man auch Fingerfertigkeit am Controller üben, um die verschiedenen Würfe, Schritte, das Dribbeln oder Kombinationen drauf zuhaben. Sogar einen Trainer hat sein Team, der im Anschluss an ein Spiel auswertet, wie was gelaufen ist und was verbessert werden muss. Da jedes Spiel aufgezeichnet wird, gehört die Video-Analyse hinterher schon automatisch mit dazu.

Außerdem kommt es auf die Stärke der einzelnen Figuren an und darauf, wie stark die Gamer sie trainieren. Cepurans Spieler „Zaepooo93“ ist in den verschiedenen Kategorien wie Geschwindigkeit, Verteidigung, Technik auf einem sehr hohen Level. „Ich habe dieses Jahr extrem viel gespielt, zu viel“, sagt der Indestädter.

Ein Suchteffekt

Dass das Spiel einen Suchteffekt hat, kann der 25-Jährige nicht bestreiten. Den Controller heute fallen lassen und nie wieder spielen? „Auf gar keinen Fall“, sagt er, „es macht einfach immer noch Spaß.“

Und er kennt seine Grenzen — anders als viele andere, die den Bezug zur Realität verlieren. „Manch einer steigert sich völlig in das Spiel hinein“, sagt Cepuran. „Das ist Typ-Sache.“ Er ist dann eher der Typ, der den Ausgleich sucht und sich auch mit seinen Freunden außerhalb der Community trifft. Dann aber lieber auf dem Fußballplatz der echten Welt.

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