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Eschweiler Dreieinigkeitskirche freut sich auf neue Orgel

Neue Klangwelten : Dreieinigkeitskirche freut sich auf größte Orgel abseits des Doms

Hamburg, Berlin und München, Kapstadt, Montreal und New York, Dallas, Nashville und Las Vegas, Paris, Tokyo und Yokohama, Mumbay, Seoul und Sydney, Krasnodar, Honolulu und Eschweiler. Städte mit weltweit klangvollen Namen, die alle eines gemeinsam haben: Kirchen und Konzerthäuser, in denen Beckerath-Orgeln ertönen.

Seit 70 Jahren gilt das Hamburger Unternehmen Rudolf von Beckerath GmbH weltweit als eine der ersten Adressen in Sachen Orgelbau. 1990 waren es die Hamburger, die der Eschweiler Dreieinigkeitskirche ihre neue Orgel verschafften. Jetzt, 30 Jahre später, sind es wiederum die Spezialisten um Orgelbauer Rolf Miehl, die diese Orgel in eine neue Liga katapultieren.

Friedenskirche: Orgel verkauft

In eine Liga, so sagt Pfarrer Thomas Richter, die aus dem bisherigen Instrument mit seinen 26 Registern (Stimmen) eine Konzertorgel der gehobenen Klasse mit 41 Registern macht: „vom Golf zum Mercedes“. Aus der Orgel im Stil des norddeutschen Barock, die für Musik im Stil von Bach und Buxtehude ausgelegt war, wird nun ein Instrument mit weitaus mehr Möglichkeiten, das zum Beispiel auch die mit wechselnden Laut-leise-Passagen spielende romantische Musik des 19. Jahrhunderts bestens wiedergeben kann.

Kunst und Handwerk gleichermaßen: Orgelbauer Rolf Miehl intoniert eine der neuen Pfeifen. Foto: Rudolf Müller

250.000 Euro lässt die evangelische Kirchengemeinde sich die Aufwertung kosten. Ihre Rücklagen braucht sie dafür nicht anzugreifen, wie Richter erläutert: Nach der Entweihung der Friedenskirche anno 2015 habe man deren weniger hochwertige Orgel des Aachener Herstellers Stahlhut an eine katholische Gemeinde nahe dem spanischen Valencia verkaufen können. Der Erlös bildete den Grundstock für den Fonds zur Finanzierung der Beckerath-Erweiterung in der Dreieinigkeitskirche. Überschüsse und Spenden taten den Rest.

In der evangelischen Kirche hat Kirchenmusik einen hohen Stellenwert. In Eschweiler wird dies nicht zuletzt durch die Vielzahl von Chören – vom Gospel- über den Posaunen- bis zum Glockenchor – deutlich. „Da ist es nur verständlich, dass da auch ein angemessenes Instrument nötig ist“, betont Thomas Richter. Eines, dessen Bau (Richter: „Hier passiert etwas Besonderes!“) sich in Fachkreisen bereits herumgesprochen hat: Schon jetzt hat die Gemeinde Anfragen von Kirchenmusikern selbst aus dem Ausland, die die „neue“ Beckerath-Orgel einmal spielen möchten. „Mit der Orgel leisten wir so auch einen bedeutenden Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt Eschweiler“, sagt Richter.

Pfarrer Thomas Richter auf der Orgelbaustelle: Dort zeigt sich der Spieltisch der Beckerath-Orgel derzeit im „Rohzustand“:  Er bekommt ein drittes Manual. Foto: Rudolf Müller

2,8 Tonnen Pfeifen

Seit kurz nach Ostern arbeiten die Hamburger Spezialisten vor Ort an der Erweiterung der Orgel. Die ersten Planungen begannen im Oktober 2017. Vor deren Umsetzungen galt es, Gutachter, Denkmalschutz, Landeskirche und nicht zuletzt Statiker zu beteiligen: Allein die zusätzlichen Pfeifen, die jetzt eingesetzt werden, bringen es auf ein Gewicht von 2,8 Tonnen. Von Kirchenraum aus wird der Ausbau nicht sichtbar sein: Abgesehen vom „Zimbelstern“ mit seinen Glöckchen, der künftig von der Stirnseite der Orgel her für besondere Töne sorgen wird. Das Auxiliare, so heißt das Zusatz-Orgelwerk mit eigenem, dritten Manual, wird im Turm hinter dem bisherigen Orgel-Hauptwerk  installiert. Dabei werden die bis zu vier Meter hohen Pfeifen in ein „Schwellwerk“ eingebaut, das sich durch Öffnen und Schließen von Türen in der Lautstärke variieren lässt. „Das geht runter bis auf 20 Hertz“, sagt Richter. „Das ist wie ein Subwoofer.“

5000 Kombinationen

Und: die Orgel verfügt künftig über eine elektronische, sprich; digital programmierbare Setzeranlage, mit der sich 5000 Kombinationen einstellen lassen. „Das ermöglicht dem Organisten eine Vorregistrierung, wie sie bei den dynamischen Wechseln der Klangfarben in der Orgelliteratur ab dem 19. Jahrhundert notwendig ist“, erläutert Thomas Richter, als Mitglied in der internationalen Gesellschaft der Orgelfreunde ein Kenner der Materie. „Unsere Orgel ist  nach der im Aachener Dom  künftig die größte in der gesamten Region“, freut sich Thomas Richter auf kirchenmusikalischen Hochgenuss mit einem Instrument, das Generationen überdauert.

Noch ist Orgelbauer Rolf Miehl dabei, jede einzelnen der neuen Pfeifen zu intonieren, ihren spezifischen Klang feinzujustieren. Am Abend, in der Nacht, allein in der Kirche, ohne den Pfeifenklang störende Fremdgeräusche. Am Pfingstsonntag wird dann die neue Orgel ihre volle musikalische Pracht erklingen lassen: mit Werken von Bach, Karg-Elert, Messiaen, Hakim und Gershwin, dargeboten von der Heidelberger Organistin Beate Rux-Voss.