Eschweiler Diskothek "Klejbor's Entertainment Factory" geschlossen

Diskothek „Klejbor’s“ geschlossen : Der letzte Beat in der Unterhaltungsfabrik

Die letzte Party in der Diskothek Klejbor’s ging Silvester über die Bühne, das letzte Lied ertönte noch im neuen Jahr aus den Boxen. Nach 20 Jahren endete im Gewerbegebiet Königsbenden eine Ära. Die „Klejbor’s Entertainment Factory“ ist Geschichte. Was mit der Veranstaltungshalle und dem Areal dort geschieht, steht noch in den Sternen.

Es gebe zwar nach wie vor Interessenten, zum vertraglichen Schwur kam es jedoch nicht, wie Sabine und Marc Klejbor mitteilen. Glücklich sind die beiden nicht über diese Tatsache, denn sie mussten zum Jahresende vielen Mitarbeitern mitteilen, dass es nicht weitergeht. 80 Personen, 13 davon in Festanstellung, regelten den Betrieb der Diskothek in den letzten Monaten. „Dies war schon sehr belastend“, gesteht Sabine Klejbor. Einige Mitarbeiter seien schon bei der Eröffnung im Jahr 1998 mit von der Partie gewesen. Welche Erinnerungen sie an die Zeit vor 20 Jahren hat? „Meine Knie schmerzten“, erinnert sie sich. Der Start als Diskothekenbetreiber war für das Paar nämlich eine weniger glamuröse, sondern vielmehr anstrengende Arbeit.

Doch der Reihe nach: Dass das Ehepaar Klejbor einmal als selbstständige Unternehmer eine Diskothek betreiben, war zunächst nicht abzusehen. Marc Klejbor heuerte bei der Polizei an, nachdem seine Karriere als Profihandballer bei Tusem Essen schon mit 19 Jahren nach einer schweren Rückenverletzung geendet hatte. Auch den Dienst bei der Behörde ließ der Rücken nicht zu. Es folgte ein Wirtschaftsstudium. Seine spätere Frau Sabine war in der Modebranche tätig, ihre Eltern führten allerdings eine kleine Disko mit dem Namen „Schaukelpferd“. Im Dorf Darup der Gemeinde Nottuln, im tiefsten Münsterland. Die Disko schloss in dem Jahr, als Sabine und Marc Klejbor in Eschweiler bei der Suche nach einem Gebäude für eine Diskothek fündig wurden. Das Oktagon hatte gerade seine Pforten im Gewerbegebiet Königsbenden geschlossen.

Sie trafen auf eine große Halle, die umgebaut werden musste. Aus einem Großraum entstanden so das Foyer, der Club, die Arena und der Tanzsalon. Das Konzept hatte bis zur Schließung des „Klejbor’s“ Bestand. Da das Geld anfangs knapp war, investierte das Paar viel Eigenleistung. „Noch am Abend vor der Eröffnung hat Marc den letzten Teppich verlegt“, berichtet Sabine Klejbor. Von Mai bis Dezember dauerte die Umbauphase. Am Eröffnungstag legte unter anderem Diskjockey Mike Miller auf – wie auch am 29. Dezember wieder. „In den vielen Jahren ist etwas zusammengewachsen“, schildert Sabine Klejbor. Und man kann manch lustige Begebenheit schildern. „Bei uns meldete sich eine ältere Dame, die während des Diskobesuchs ihr Gebiss verloren hatte. Wir konnten ihr zum Glück helfen“, erzählt sie.

Aktuell erlebt das Paar, wie naiv manche das Abenteuer Diskothekenbetreiber angehen wollen. Dabei steckt dahinter ein Wirtschaftsunternehmen mit einem klaren Plan. Vor dem Start unterhielten sie sich mit Betreibern von Großraumdiskotheken, die in den 90er Jahren angesagt waren. Ein Innenarchitekt setzte ihre Ideen um. Die ersten Monate verbrachte die Familie auf wenigen Quadratmetern im Diskothekengebäude selbst. Zu diesem Zeitpunkt erwartete Sabine Klejbor das zweite Kind. Sohn Phil und Tochter Alina verspüren jedoch keine Lust, das Gastronomieunternehmen der Eltern fortzuführen.

Wollen sich nun verstärkt um ihre anderen beruflichen Aktivitäten kümmern: Sabine und Marc Klejbor. Foto: Patrick Nowicki

Auch die Wänd im Büro zeugen von der bunten Geschichte der Diskothek. Nicht nur die Collagen, die das Paar zum Abschied von Stammgästen und Personal erhalten haben, auch zahlreiche Urkunden geben einen Einblick in die vergangenen 20 Jahre. Als erste Diskothek wurde die „Klejbor’s Entertainment Factory“ vom TÜV Rheinland im Jahr 2008 nach ISO 9001 zertizifiert. Dafür mussten sämtliche Abläufe in der Diskothek strukturiert werden – von der Bestellung der Waren bis zum Betrieb in den Abendstunden. Das Personal musste entsprechend geschult werden. Daraus entwickelte sich sukzessive das zweite Standbein der Familie Klejbor, das Coaching von Unternehmern und Unternehmen. Es folgten weitere Auszeichnungen wie die zum „Unternehmer des Jahres“ vom Bundesverband Dehoga / BDT im Jahr 2009 und der Ludwig-Erhard-Preis im Jahr 2010 als bestes mittelständisches Unternehmen bis 500 Mitarbeiter in Deutschland.

Diese Preise öffneten neue Tore. Sabine und Marc Klejbor dachten über eine Expansion nach. In Eschweiler sollten die Bagger anrollen, die Unternehmensphilosophie sollte als Franchise auf andere Standorte übertragen werden. Es bestanden konkrete Architektenpläne, Zusagen von Kreditunternehmen und Behörden, als ein Schicksalsschlag die Familie traf. „Wir grübelten, ob dieser Weg wirklich der ist, den wir in unserem Leben gehen wollen“, erinnert sich Marc Klejbor.

Das Ergebnis ist inzwischen bekannt, die Expansionspläne für die Diskothek verschwanden wieder in der Schublade. Dafür wurden allerdings andere wirtschaftliche Aktivitäten verstärkt. Sie alle werden in der „Klejbor’s Business Organisation“ zusammengefasst.

„Von 118 Beats per Minute am Anfang auf inzwischen über 200“ beschreibt Sabine Klejbor die Entwicklung in der Diskothekenbranche. Sie ist jedoch ebenso wie ihr Mann davon überzeugt, dass man nach wie vor in dem Geschäft Geld verdienen kann. „Mit guten Ideen und guter Musik, das gelingt auch heute noch“, ist Marc Klejbor sicher. Gerade das Diskothekengeschäft erfordert es, mit der Zeit zu gehen. Verkündete Faithless im Jahr 1998 zum ersten Mal „God is a DJ“, geben inzwischen David Guetta & Co. den Ton an. Hinzu kommen die zahlreichen Aktivitäten in den sozialen Netzwerken. Geändert hat sich auch das Ausgehverhalten der Menschen: War die „Klejbor’s Entertainment Factory“ vor Jahren noch an mehreren Tagen in der Woche geöffnet, blieben am Schluss noch zwei, nämlich der Freitag und der Samstag. Darüber hinaus baute man einen Beach Club, um auch in heißen Sommermonaten ein Angebot zu liefern. Zuletzt setzte man auf größere Veranstaltungen mit Vereinen als Kooperationspartnern wie das „Eschweiler Oktoberfest“, bei dem vor allem bekannte Künstler aus dem Kölner Karneval und der Schlagerszene auftraten.

Wie es mit der Veranstaltung weitergeht, steht ebenso in den Sternen wie die Zukunft der Disko-Immobilie. Marc Klejbor glaubt, bald einen Nachfolger gefunden zu haben. Weitere Besichtigungen stehen an, inzwischen wird ein Pächter gesucht. Ursprünglich wollte man einen Käufer für das 2800 Quadratmeter große Gelände, das die Möglichkeit zum Aus- und Neubau lässt, und den Bau finden. Ein Eschweiler Immobilienmakler war mit der Vermarktung beauftragt. Bisher ohne Erfolg.

Sabine und Marc Klejbor werden froh sein, wenn sie nach den Monaten der Ungewissheit endlich einen Schlussstrich ziehen können. „In den letzten Monaten stand ich in der Nacht auf, um alle Arbeiten bis zum nächsten Abend erledigen zu können – das ist dauerhaft nicht zu schaffen“, sagt der Mann, der sich nun verstärkt um die Motivation von Unternehmensmitarbeiter kümmern möchte und zu diesem Thema auch Bücher herausgegeben hat. Die „Klejbor’s Entertainment Factory“ ist seit dem 1. Januar in jedem Fall Geschichte.

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