Eschweiler Büttenredner verleihen Orden

Eschweiler : Der Orden geht an ... die Zeremonienmeister

Nach der Session ist vor der Session — so könnte man es wohl erklären, dass nur vier Wochen nach Aschermittwoch rund 300 Karnevalisten abermals in der Delio-Arena von Haus Flatten zusammenkamen. Der eigentliche Grund jedoch war die traditionelle Ordensverleihung des Stammtisches der Eschweiler Büttenredner, der Eischwiele Mullejaane.

Auch dieses Jahr fand die Gemeinschaft einen neuen würdigen Ordensträger oder, genau genommen, gleich mehrere: die aktiven Zeremonienmeister der Eschweiler Karnevalsvereine.

Engel gegen Teufel: Die Showtanzgruppe „Op Zack“ brachte einen schwungvollen Tanz zu rockiger Musik auf die Bühne (links oben). Maik Pfeifer (Mitte links) nahm als Präsident der Vereinigung der aktiven Zeremonienmeister Eschweilers den Mullejaan-Orden von Michael Henkel (Mitte rechts) entgegen. Als „Angelique Blume“ berichtete Angelika Baars von ihrem Leben als Ehefrau eines Bauern (untere Reihe links). Die Tuschkapelle würdigte jede gelungene Pointe der Büttenredner bei der Verleihung des Mullejaan-Ordens (v.l.): Walter Dohmen, Jonas Wintz, Guido Streußer und Alfred Wings (untere Reihe mitte). Ein Traum in Gold: Als „Lätitia Rosenmonday“ warf Pia Kolvenbach einen Blick von außen auf den Eschweiler Karneval (untere Reihe rechts). Foto: Sandra Ziemons

Durch das Programm der rund vierstündigen Veranstaltung, an der Vertreter zahlreicher Eschweiler Karnevalsvereine teilnahmen, führten auch dieses Jahr Dorothee Schmitz und Michael Henkel. Zunächst begrüßte Michael Henkel die zahlreichen Gäste und die bisherigen Ordensträger. Dann hieß er die traditionelle Tuschkapelle auf der Bühne willkommen. Diese besteht aus Alfred Wings, Guido Streußer, Jonas Wintz und Walter Dohmen.

Engel gegen Teufel: Die Showtanzgruppe „Op Zack“ brachte einen schwungvollen Tanz zu rockiger Musik auf die Bühne (links oben). Maik Pfeifer (Mitte links) nahm als Präsident der Vereinigung der aktiven Zeremonienmeister Eschweilers den Mullejaan-Orden von Michael Henkel (Mitte rechts) entgegen. Als „Angelique Blume“ berichtete Angelika Baars von ihrem Leben als Ehefrau eines Bauern (untere Reihe links). Die Tuschkappelle würdigte jede gelungene Pointe der Büttenredner bei der Verleihung des Mullejaan-Ordens (v.l.): Walter Dohmen, Jonas Wintz, Guido Streußer und Alfred Wings (untere Reihe mitte). Ein Traum in Gold: Als „Lätitia Rosenmonday“ warf Pia Kolvenbach einen Blick von außen auf den Eschweiler Karneval (untere Reihe rechts). Foto: Sandra Ziemons

Die Tuschkapelle

Engel gegen Teufel: Die Showtanzgruppe „Op Zack“ brachte einen schwungvollen Tanz zu rockiger Musik auf die Bühne (links oben). Maik Pfeifer (Mitte links) nahm als Präsident der Vereinigung der aktiven Zeremonienmeister Eschweilers den Mullejaan-Orden von Michael Henkel (Mitte rechts) entgegen. Als „Angelique Blume“ berichtete Angelika Baars von ihrem Leben als Ehefrau eines Bauern (untere Reihe links). Die Tuschkapelle würdigte jede gelungene Pointe der Büttenredner bei der Verleihung des Mullejaan-Ordens (v.l.): Walter Dohmen, Jonas Wintz, Guido Streußer und Alfred Wings (untere Reihe mitte). Ein Traum in Gold: Als „Lätitia Rosenmonday“ warf Pia Kolvenbach einen Blick von außen auf den Eschweiler Karneval (untere Reihe rechts). Foto: Sandra Ziemons

Zur Einstimmung auf den Vormittag stellte sich die Tuschkapelle, die „wochenlang geübt“ habe, vor und sang gemeinsam mit dem Publikum zwei alte Kölsche Hits, „Drink doch eine met“ und „In unserem Veedel“. Dieses Jahr habe man nicht nur die Tuschkapelle, sondern auch „den Chor des Grauens“, frotzelte daraufhin Michael Henkel. Den Auftakt des kurzweiligen Programms stellte der Auftritt von Leni Dohmen, alias „Billa Schmitz“, dar. Sie erzählte, wie sie ihren Mann kennen gelernt hatte. „An einer roten Ampel ließ er von seinem Ferrari das Fenster runter, ich kurbelte meins ebenfalls herunter. Da fragte er: Na, auch gefurzt?“.

Engel gegen Teufel: Die Showtanzgruppe „Op Zack“ brachte einen schwungvollen Tanz zu rockiger Musik auf die Bühne (links oben). Maik Pfeifer (Mitte links) nahm als Präsident der Vereinigung der aktiven Zeremonienmeister Eschweilers den Mullejaan-Orden von Michael Henkel (Mitte rechts) entgegen. Als „Angelique Blume“ berichtete Angelika Baars von ihrem Leben als Ehefrau eines Bauern (untere Reihe links). Die Tuschkappelle würdigte jede gelungene Pointe der Büttenredner bei der Verleihung des Mullejaan-Ordens (v.l.): Walter Dohmen, Jonas Wintz, Guido Streußer und Alfred Wings (untere Reihe mitte). Ein Traum in Gold: Als „Lätitia Rosenmonday“ warf Pia Kolvenbach einen Blick von außen auf den Eschweiler Karneval (untere Reihe rechts). Foto: Sandra Ziemons

Nach dieser ersten Attacke auf die Lachmuskeln der Gäste folgte mit dem Duo „Os känt os“, Dorothee Schmitz und Sigrid Hendryk, ein anregendes Zwiegespräch über Kreuzfahrten. So erzählte Dorothee Schmitz vom „Stehwart“, dem „Wellkomm“ und dem römischen „Kloßmuseum, in dem die Gladiolen gekämpft haben“.

Dixi-Klo bei der Proklamation

Als „Lätitia Rosenmonday“ brachte Pia Kolvenbach anschließend etwas amerikanischen Glamour in die Eschwiele Fastelovend und nahm einige Protagonisten, wie Heinz-Michael Raby, Präsident der KG Ulk Oberröthgen, und Michael Schümmer, Präsident der KG „Eefelkränk“, auf die Schippe. Raby feiere Weihnachten mit der Familie in Uniform eine „Lametta-Sitzung“ und Schümmer habe als Eschweiler Karnevalsprinz sein eigenes Dixi-Klo zur Prinzenproklamation mitgebracht.

In seiner typischen Reimform trug „Der Lange“ alias Alfred Wings seine Rede vor. Im Haus Flatten sei er dem Teufel begegnet, hatte aber keine Angst vor ihm. Denn so sagte er ihm: „Seit 30 Jahren bin ich, mein Bester, verheiratet mit deiner Schwester.“ Für zahlreiche Lachtränen sorgte auch Wings‘ Hymne auf den Thermomix, vorgetragen nach Art bekannter Hits von Howard Carpendale, Andrea Berg oder Peter Maffay.

Musikalisch wurde es dann mit der jungen Nachwuchsband „Street Kids“ aus Stolberg-Mausbach. Die sechs jungen Musiker im Alter von 14 bis 19 Jahren begeisterten das Publikum unter anderem mit „Alles, was ich will“, „Kölsche Jung“ und „Et jiit keen Wood“. Hendrik Gilles (Gesang, Gitarre), Luisa Bauer (Keyboard), Paul Kowalka (Bass, Gesang), Erik Gilles (Gitarre, Gesang), Florian Schroif (Schlagzeug), Gino Ganser (Cajon) sowie Lukas Bauer (Technik) waren bestimmt nicht zum letzten Mal auf einer Eschweiler Bühne. Neben den Büttenreden und einer musikalischen Darbietung durfte natürlich auch ein Augenschmaus nicht fehlen. Dieser kam in Form der Showtanzgruppe „Op Zack“ der KG Prinzengilde Bergrath. Als Engel und Teufel lieferten sich die Tänzerinnen und Tänzer einen fiktiven Kampf auf der Bühne.

Mit „Angelique Blume“ alias Angelika Baars präsentierte sich ein Talent der Rednerschule der Mullejaane. Auch sie kannte nur ein Thema: Männer — und ganz besonders ihr eigner. Ihr Mann, ein Bauer, habe sie damals angelogen, als er behauptete, er habe in Stolberg studiert: „Für ein Studium in Stolberg war selbst der überqualifiziert“. Aber auch „alte Hasen“ begeisterten an diesem Mittag noch das Publikum: So zum Beispiel Stefanie Bücher als „Et Breijmuhl va Bersch“. Angehalten von „der blauen Minna“ freute sie sich ob der Ankündigung, dass der defekte Auspuff 30 Euro kosten würde: „Ja wunderbar, der Sazma wollte dafür mehr“.

Jonas Wintz wusste als „Der Penner von nebenan“ aus dem Leben eines Obdachlosen zu berichten: Ein Kollege habe sich in die Kirche Peter und Paul verirrt und dort in einem Beichtstuhl Platz genommen. Weil der Pfarrer nichts hörte, klopfte dieser an die Tür und bekam als Antwort: „Brauchst nicht klopfen, hier ist auch kein Klopapier“.

In ihrem ganz besonderen Zwiegespräch unterhielten sich Labbes und Drickes alias Michael Henkel und Guido Streußer anschließend über Drickes‘ Frau. Er sei gut drauf, weil seine Frau nicht so aussähe wie die von Drickes, sagte Labbes. Seine Frau würde mittlerweile auch gemobbt, gab Drickes zu. „Wie modern, andere müssen sich selbst waschen“, scherzte Labbes. Drickes konterte: „Du weißt ja gar nicht, wie es ist, zu einer Frau nach Hause zu kommen, die dich liebt“. „Da hast du dich sicher in der Wohnung vertan“ folgte Labbes‘ Antwort.

Dann folgte der Höhepunkt der Veranstaltung: die Verleihung des Mullejaan-Ordens. Zunächst erörterten Guido Streußer und Ludmilla, die Zeremonienmeister-Puppe — gesprochen von Michael Henkel — aber, weshalb die Mullejaane sich für die Zeremonienmeister als neuen Ordensträger entschieden hatten. Die Zeremonienmeister machten den Weg frei für alle Auftretenden und machten ihre Arbeit aus purem Spaß an der Freud, sie hätten den Orden redlich verdient, waren sich Streußer und Ludmilla einig.

Dann hieß es auch schon Einmarsch für die Zeremonienmeister der Eschweiler Karnevalsgesellschaften, die von den Standartenträgern ihrer jeweiligen Vereine begleitet wurden. Maik Pfeifer, Vorsitzender der Vereinigung der aktiven Zeremonienmeister Eschweilers, nahm den Orden stellvertretend für alle Mitglieder von Michael Henkel entgegen. „Ich bin kein Zeremonienmeister mehr, aber ich weiß, wo ich herkomme. Mittlerweile führe ich als Präsident meine eigene Gesellschaft an, aber im Herzen bleibe ich für immer ein Zeremonienmeister“, erklärte Maik Pfeifer. Die Zeremonienmeister würden oft viel mehr machen, als ihr Amt beinhalte, sie würden viel für die Präsidenten der Karnevalsgesellschaften leisten. Daher sollten die Präsidenten immer ein besonderes Auge auf die Zeremonienmeister haben, sagte Pfeifer.

Heinz Temmers, einer der drei Gründer der Vereinigung der Zeremonienmeister, trug dem Publikum ein aus eigener Feder stammendes Gedicht über das Leben eines Zeremonienmeisters vor. Dafür erntete er tosenden Applaus. Sie hätten sich dazu entschieden, die Standartenträger mit zur Ordensverleihung zu nehmen, erklärte Maik Pfeifer anschließend: „Denn Zeremonienmeister und Standartenträger gehen gemeinsam an der Spitze ihrer Gesellschaft“.

Mariechen las Gastgeschenk

Außerdem gehöre noch ein wichtiger Teil dazu: Die Tanzmariechen. Deshalb hatten Maik Pfeifer und die Zeremonienmeister die Tanzpaare und Tanzmariechen des Eschweiler Karnevalskomitees als Gastgeschenk mitgebracht: Ein letztes Mal präsentierten sie ihren Sessionstanz.

Zum Abschluss des pointenreichen und bunten Vormittags freute sich Michael Henkel nicht nur über das Gastgeschenk: „Die Zeremonienmeister — sie sind vereinsübergreifend. Die Standartenträger hier — vereinsübergreifend. Und die Mariechen — ebenfalls vereinsübergreifend. Dafür sind wir einmalig hier in Eschweiler. Wir haben erneut würdige Ordensträger gefunden.“ Der Ausmarsch erfolgte — wie könnte es anders sein? — zum Laridah.

(zsa)
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