Eschweiler Ärzte-Zukunft: Entsteht Medizinisches Versorgungszentrum?

Projekt für die Ärzte-Zukunft : Entsteht ein Kommunales Medizinisches Versorgungszentrum?

Die gesundheitliche Versorgung ist für alle Bürger gegeben, betonen Stadt und AOK. Aber wie lange noch? Um eine Notlage zu verhindern, könnte die Stadt Versorgungszentren betreiben.

Sollte die Stadt dieses Projekt umsetzen, wäre es ein Novum. Verwaltung und Politik haben sich bereits intensiv damit beschäftigt, wie die Versorgung mit ausreichend Ärzten in Zukunft gesichert werden könnte. Mit dem möglichen Vorhaben sind die Fraktionen und die Stadt mit der AOK-Krankenkasse als Berater nun an die Öffentlichkeit gegangen. Langfristig könnte in Eschweiler ein – eventuell auch mehrere? – sogenanntes Kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) entstehen. Das heißt: Die Stadt wird Arbeitgeber von zwei oder mehreren Ärzten in einem Gebäude. Und damit das Zentrum auch seinen Namen verdient, würden Dienstleister wie Hebammen das Angebot ergänzen. Auch weitere Akteure aus dem Gesundheitswesen (Apotheken, Therapeuten, etc.) sind im Zentrum oder in unmittelbarer Nähe denkbar.

Aktuell sei die Versorgung im Eschweiler Zentrum „gut“, mittelfristig auch gesichert, und die Randgebiete seien „nicht unterversorgt“, betonte Barbara Gollert von der AOK im Haupt- und Finanzausschuss. Die vorgestellten Gedankenspiele sind also keine kurzfristige Reaktion auf eine Notlage – es ist ein langfristiges Vorhaben, um nicht in eine Notlage zu kommen. Denn in den einzelnen „Sozialräumen“, wie es Sozialdezernent Stefan Kaever erklärte, sei die Situation langfristig anders als im Stadtzentrum. Eine Hochrechnung bis ins Jahr 2029 mit den Altersangaben der aktuellen Ärzte als Grundlage, die die AOK für Eschweiler angefertigt hat, kommt nach Aussagen von Barbara Gollert zu dem Schluss: „An einigen Stellen wird es keine Versorgung mehr geben.“ Der Altersdurchnitt der Ärzte liegt nach AOK-Angaben derzeit bei 56 Jahren, zwölf Mediziner seien über 60 Jahre alt. „Wir wissen aber nicht, wie die Situation in Zukunft konkret aussehen wird, es handelt sich um eine Prognose“, sagte Gollert. Derzeit sind nach AOK-Angaben 139 Ärzte und Psychotherapeuten in Eschweiler angesiedelt, darunter 45 Hausärzte.

Warum genau tritt die Stadt als Akteur auf?

„Zukünftig wird es schwieriger werden, für freie Arztsitze Nachfolger zu finden“, erklärte Barbara Gollert. Hört ein Arzt der Kassenärztlichen Vereinigung auf, bleibt seine Stelle auf dem Markt. Übernimmt kein anderer selbstständiger Arzt diese Praxis, können dies gewinnorientierte Konzerne tun. So sind in der jüngsten Vergangenheit zwei Praxen in Eschweiler an ein überregional agierendes Unternehmen gegangen, sagte Barbara Gollert. „Das ist alles legal. Aber: Stehen dabei die Interessen der Kommune im Vordergrund? Oder sind die Interessen monetär?“ Aus diesem Grund treibt die Stadt Eschweiler das Gedankenspiel eines Kommunalen Versorgungszentrums voran. Denn dann hat es die Stadt in der Hand, das möglichst Beste für ihre Bürger zu bieten – in Sachen Gesundheit ist das kein unwesentlicher Faktor für die Zukunft einer Stadt. Besonders wichtig ist dieser Ansatz auf die Randgebiete bezogen: Frei werdende Praxen außerhalb des Zentrums oder in dörflichen Lagen seien für Konzerne nicht interessant, betonte Barbara Gollert. Ergo: Die Gefahr der Unterversorgung wäre groß.

Macht die Stadt mit einem MVZ Verlust?

Nach einer ersten Berechnung rechnet die AOK mit einem leichten Plus im fünfstelligen Bereich für die Kommune. „Unterm Strich steht kein Minus, die Stadt müsste nichts zuschießen. Das ist die wichtigste Botschaft“, erklärte Barbara Gollert.

Welchen Vorteil bringt ein MVZ für Ärzte?

Nadine Leonhardt, die Sprecherin der SPD-Fraktion, sagte auf diese Frage bezogen, dass Medizinern ein Risiko genommen werden könne: „Wer eine Praxis betreibt, ist selbstständig, ein Unternehmer. Daher ist ein Zentrum mit der Kommune als Arbeitgeber eine gute Option.“ Und Erich Spies von der UWG führte an: „Mit einem MVZ besteht die Möglichkeit, mit mehreren Ärzten geregelte Arbeitszeiten zu gewährleisten.“ Das könne dazu führen, wieder mehr Menschen für den Job zu gewinnen. Politisch herrscht bei den Fraktionen Einigkeit: In Zusammenarbeit mit externen Beratern soll die Verwaltung ein mögliches Konzept erstellen – und die Stadt wiederum ist gewillt, dies auch zu tun. Wo ein solches Zentrum oder in weiter Zukunft mehrere entstehen könnten, das ist noch nicht abzusehen.