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Eschweiler: 25 Kinzweiler Bürger wenden sich an die Politil

Unterschriftenaktion : Anwohner klagen über hohe Verkehrsbelastung

25 Nachbarn verfolgen das Ziel, dass der Verkehr vor ihren Haustüren weniger wird. Zu viele und zu schnelle Autos sowie viele Busse würden viel Lärm erzeugen. Die Aussichten, dass sich ihre Wünsche erfüllen, sind jedoch gering.

Auf knapp vier DIN-A4-Seiten hat Hans Volkmann zusammengefasst, wie er sich seit Jahren als Anwohner der Pannesstraße fühlt. Die Situation belastet den 73-Jährigen, das wird schnell deutlich. Zu schnelle Autofahrer, ohnehin zu viele Autos, und dann sind da noch die Busse der Linie 28, die mehrmals stündlich für mehr Lärm als ohnehin sorgen, weil die Oberfläche der Pannesstraße nicht einheitlich ist. „Grob geschätzte 1000 Fahrzeuge befahren täglich über die Kalvarienberg- und die Kambachstraße die Pannesstraße“, schreibt Volkmann. Ein „überdurchschnittlicher Wert“, zumal es Alternativen gebe, wie der Anwohner findet.

Hans Volkmann ist nicht der einzige, der sich an diesen Tatsachen stört. Dem Schreiben hat er eine Unterschriftenliste von 25 Nachbarn der etwa 200 Meter langen Pannesstraße beigefügt. Die Kinzweiler Bürger möchten erreichen, dass sich Politik und Verwaltung mit ihren Sorgen befassen – Vorschläge für Lösungen ihrer Probleme hat Volkmann auch verfasst. Die Anwohner möchten, dass die Straße regelmäßig auf Geschwindigkeitsverstöße kontrolliert wird, damit Verkehrsteilnehmer die Tempo-30-Zone einhalten.

Außerdem fordern die Bürger, dass die beidseitigen Bushaltestellen auf die etwa 100 Meter weiter östlich parallel verlaufende Wardener Straße verlegt werden. Auf die biegt der Bus Richtung Alsdorf ohnehin ab. Ein dritter Wunsch ist, dass die Stadt mit einer entsprechenden Beschilderung darauf Einfluss nimmt, dass der in Augen der Bürger unnötige Durchgangsverkehr ebenfalls über die Wardener Straße abfließen soll. Das betrifft nach Aussagen von Hans Volkmann vor allem die Bewohner des Neubaugebietes Ackerstraße, das nördlich der Pannesstraße liegt. „Die Pannesstraße ist zu einer Art Stadtautobahn mutiert“, beschreibt Volkmann.

Kurzum: Die Pannesstraße sollten nur noch die Autofahrer nutzen, die dort wohnen beziehungsweise ein anderes Anliegen haben, wie zum Beispiel der Besuch der Bankfiliale. Lärm- und Umweltbelastung würden zumindest von der einen Hausseite aus auf das Minimum reduziert, denn die östlichen Anlieger der Pannesstraße wie Hans Volkmann sind in unmittelbarer Hör- und Sichtweite der ebenfalls viel befahrenen Wardener Straße.

Welche Aussicht auf Erfolg hat das Schreiben, das an die SPD-Fraktion adressiert ist?

Die Verkehrsanalyse

Den Antworten von Stadtverwaltung und Aseag nach zu urteilen, sind die Chancen auf eine unmittelbare Verbesserung nicht sehr hoch. Aber zumindest wird die Stadt Eschweiler einen ersten Schritt einleiten, um die Beschwerden der Bürger anhand einer Analyse einordnen zu können. Denn wie Stadtsprecher René Costantini auf Anfrage mitteilt, kann die Pannesstraße „in die Liste der zukünftigen Standorte des Tempo-Info-Gerätes aufgenommen werden“. Mit dieser Messmethode ermittelt die Stadt, wie viele Fahrzeuge eine Straße nutzen und wie schnell sie dabei unterwegs sind. Es handelt sich jedoch nicht um eine Geschwindigkeitskontrolle, wer zu schnell fährt, wird also nicht erfasst, erhält also keine Strafe.

Die Pannesstraße wurde schon vor einigen Jahren auf diese Weise überprüft. Resultat: „Die Ergebnisse wichen nicht von den üblicherweise auf Gemeindestraßen vorherrschenden Verhältnissen ab.“

Dieser Satz macht auch eine weitere hohe Hürde für die Wünsche der Anwohner deutlich: Es handelt sich um eine Gemeindestraße, also öffentlichen Verkehrsraum, den jeder nutzen darf. Es ist also nicht einfach so möglich, beispielsweise ein Schild „Durchfahrt verboten – Anlieger frei“ aufzustellen, wie es bei Privatstraßen eher vorstellbar ist.

Eine Änderung der Verkehrssituation an einer Straße bedeutet immer auch eine Veränderung an anderer Stelle. Dass die Wardener Straße dann auf einem kurzen Stück mehr belastet würde – logisch. Die Stadt verweist aber auch darauf, dass die Pferdegasse eine weitere Strecke wäre, die dann deutlich öfter genutzt würde.

Die Straße liegt westlich parallel zur Pannesstraße und ist die dritte mögliche Verbindung zum Neubaugebiet Ackerstraße. Heißt auch: Es entstünden weitere Wege für die Verkehrsteilnehmer, die dann möglicherweise zur Belastung der dortigen Anwohner würden. Eine Problemverlagerung zulasten anderer Anwohner möchte Hans Volkmann jedoch vermeiden, wie er betont.

Die gewünschte Verlegung der Bushaltestelle an die Wardener Straße tangiert sowohl die Stadt als auch die Aseag. Taktgeber ist die Stadt. Bei der Aseag sind bislang lediglich Beschwerden über zu schnelle Busfahrer eingegangen, nicht aber der Wunsch einer Verlegung. Und die Stadt reagiert auf diesen wie folgt: „Eine Verlegung von der Ortsmitte an den Ortsrand macht im Hinblick auf Erreichbarkeit, Attraktivität des ÖPNV, kurze Wege zum Arzt oder zur Bank, Sicherheit für Grundschulkinder usw. vermutlich wenig Sinn.“