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Eschweiler: Es geht nicht nur um kleine Stühle

Eschweiler : Es geht nicht nur um kleine Stühle

Wie geht es im Kita-Streik weiter? Erzieherinnen verlangen mehr Personal. Nach den Ferien könnte sich der Arbeitskampf dramatisch zuspitzen.

„Was wollen Sie eigentlich? Als Sie den Beruf ergriffen haben, wussten Sie, dass Sie auf kleinen Stühlen sitzen müssen und dass es laut sein wird.” Auch solche Sätze hat Alice Wutschke von der Kita „Zauberwald” an der Johanna-Neuman-Straße inzwischen von Eltern hören müssen. In der fünften Woche des Streiks der Erzieherinnen sind „kleine Stühle” immer noch das Synonym für die Forderungen des Personals in den kommunalen Kindertagesstätten.

Doch worum es ihnen beim Gesundheitstarifvertrag wirklich geht, ist anscheinend nicht in der Öffentlichkeit angekommen. Auch darum ging es beim Verdi-Streiktreffen der Erzieherinnen in Eschweiler im Talbahnhof.

„Gesundheitsschutz definieren viele nur über Lärm und kleine Stühle. Was wir wollen, ist, dass wir nicht so ausgepowert werden. Zwei Erzieherinnen auf 25 Kinder: Das ist zu wenig. Wir wollen Gruppen von 15 Kindern”, bringt Wutschke die Forderung auf den Punkt. Und sie ärgert sich darüber, dass die öffentliche Wahrnehmung in eine ganz andere Richtung gelenkt wird: „Die Medien zeigen Eltern, die vor verschlossene Türen laufen.”

Wie geht es weiter? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Treffens. Die Stimmung an der Basis abfragen, jetzt, wo die Verhandlungen mit den kommunalen Arbeitgebern in einer Sackgasse stecken und die Solidarität der Eltern bröckelt. Sollen die Erzieherinnen sagen: Das wars? Ein einstimmiges „Nee!” schallte Gewerkschaftssekretär Viktor Petje vom Verdi-Bezirk Aachen/Düren/Erft entgegen, als er diese Option nannte.

Möglichkeit Nummer zwei, über die am Dienstag bei einer Verdi-Konferenz in Düsseldorf beraten wurde: „Ab dem neuen Kindergartenjahr sind die Einrichtungen zu.” Möglichkeit drei, weniger favorisiert, weil auch für die neuen Kindergartenkinder eine zu hohe Belastung: „Wir arbeiten vier, fünf Wochen und anschließend ist die Einrichtung zu.”

Aufgeben, soviel scheint sicher, kommt für die Erzieherinnen nicht in Frage. „Dann nimmt uns keiner mehr ernst”, sagt Viktor Petje. Er machte den Erzieherinnen Mut: „Ihr werdet so oder so Geschichte schreiben”, wobei er die möglicherweise Skeptischen daran erinnerte, dass die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auch von den Gewerkschaften erkämpft worden ist.

Vom Druck auf die Politik durch die Ende August anstehende Kommunalwahl verspricht sich Verdi schließlich auch einiges. Denn die Eltern, die „früher hinter uns standen, beschweren sich immer mehr bei den Jugendämtern und Bürgermeistern”. Nicht nur Eltern will Verdi auf die Situation in den Kitas aufmerksam machen, „auch diejenigen, die keine Kinder haben; denn Bildung hat auch etwas mit Gesellschaft zu tun”.

Sprachförderung, die „Delphintests”: Die Kitas sollen immer mehr Bildungsarbeit leisten. „Wir gehen auf dem Zahnfleisch, weil wir das leisten wollen”, sagt Alice Wutschke, auch wenn die Einrichtungen dazu manchmal personell gar nicht in der Lage sind. Neben mehr Personal ist ein weiterer Knackpunkt im Gesundheitstarif die Forderung der Gewerkschaft nach einer innerbetrieblichen Kommission mit Entscheidungsrecht, die eben „keine Kaffeerunde” sein soll, wie Petje betont.

Bisher habe die Arbeitgeberseite nur intern beraten. „Diejenigen, die verhandeln, die haben keinen Stress. Da beschweren sich keine Eltern.”