Es begann mit Etzel: Hundesport-Fan Heinz-Josef Knörchen im Interview

Eschweiler-Weisweiler : Es begann mit Etzel vom Steffenshof: 50 Jahre für den Hundesport

In Eschweiler gibt es eine Vielzahl an Vereinen. Unabhängig davon, um welche Art von Verein es sich handelt, leben diese Gemeinschaften von ihren Mitgliedern und von ihren Vorständen. Heinz-Josef Knörchen ist Vorsitzender des Schäferhundvereins SV 1920 Eschweiler.

Bereits seit über 50 Jahren engagiert sich Knörchen im Hundesport und hat nicht nur seine eigenen Schäferhunde ausgebildet, sondern auch die vieler Vereinsmitglieder. Unsere Mitarbeiterin Sandra Ziemons sprach mit ihm über den beruflichen Ruhestand, seine Hunde und seine Arbeit im Verein.

Seit acht Jahren ein Team: Heinz-Josef Knörchen und sein schwarzer Schäferhund Carlo. In seinem Hobbykeller hat sich Heinz-Josef Knörchen eine FC-Köln-Fanecke eingerichtet — denn neben dem Hundesport schlägt sein Herz für den FC. Foto: Sandra Ziemons

Herr Knörchen, vor fast fünf Jahren schlossen Sie Ihre gut gehende Metzgerei aus Altersgründen. Vermissen Sie Ihre Arbeit?

Die ehemalige Wirkungsstätte von Heinz-Josef Knörchen und seinem Bruder Peter: Auf der Weisweiler Hauptstraße stand Knörchen über 50 Jahre lang hinter der Theke der vom Vater übernommenen Metzgerei.

Knörchen: Ja, die ersten zwei Jahre waren sehr schlimm, weil mir der Umgang mit den Kunden fehlte. Aber wenn ich heute ehemalige Kunden auf der Straße treffe, dann freuen sie sich, mich zu sehen und loben immer noch unsere Fleischwurst. Man hört das ja schon gerne. Wir wollten das Geschäft einem Nachfolger übergeben, aber der sprang drei Wochen, bevor wir aufhörten, ab. Von unseren beiden Kindern wollte es auch keiner machen. Unsere Tochter Petra ist Industriekauffrau und unser Sohn Achim arbeitet als Controller.

Fällt es Ihnen als ehemaliger Metzger nun schwer, Ihr Fleisch bei Kollegen zu kaufen?

Knörchen: Ja, ein wenig schon. Seit wir unseren Laden geschlossen haben, habe ich kein Hackfleisch mehr gegessen (lacht). Es ist ja so: Als Metzger wusste ich immer wo mein Fleisch herkam. Wir haben die Tiere von Eschweiler Bauernhöfen bezogen, wo wir sie noch lebend gesehen hatten. Bis in die 70er Jahre haben wir selbst geschlachtet, danach kam das Fleisch vom Schlachthof Eschweiler. Auch haben wir 90 Prozent unserer Fleisch- und Wurstwaren selbst hergestellt. Das gibt es ja heute kaum mehr.

Aufgefangen hat Sie nach dem Eintritt in den Ruhestand sicher Ihr Hobby, der Hundesport und der Schäferhundverein SV 1920 Eschweiler, in dem sie sich seit Jahren engagieren. Wie sind Sie denn auf den Schäferhund gekommen?

Knörchen: Meine Liebe zu Schäferhunden fand ich über meinen Großvater. Der hatte immer Schäferhunde. 1959 habe ich mir im Alter von 15 Jahren meinen ersten eigenen geholt: Etzel vom Steffenshof. Ich bekam ihn von einem Züchter in Niedermerz für 75 DM — inklusive Papiere. Heute zahlt man für einen Welpen zwischen 700 und 1000 Euro. Schäferhunde faszinieren mich, weil es sehr treue und liebe Tiere sind. Sie sind vielseitig einsetzbar, nicht nur im Hundesport, sondern auch bei der Polizei und im Rettungswesen. Zum Teil nutzt man sie auch in Schulen und Altenheimen als Betreuungshunde. Zeitweise hegte ich auch Sympathien für Boxer und Dobermänner, aber schließlich musste es ein Schäferhund sein.

Was bewog Sie dann dazu, sich dem SV 1920 anzuschließen?

Knörchen: 1961 kam ich im Bus mit einem Mann ins Gespräch, der Hunde für den Werkschutz des RWE ausbildete und Vereinsmitglied war. Er lud mich ein, mir das einmal mit meinem Hund anzuschauen. Und schließlich trat ich dem Verein am 1. März 1961 bei. Ich war viele Jahre Schutzdiensthelfer und übernahm 1972 das Amt als Schriftwart. Danach war ich von 1975 bis 1977 Vorsitzender. Weil wir aber einen Ausbildungswart brauchten und mir die Arbeit mit den Hunden mehr Spaß machte, übernahm ich diese Aufgabe für neun Jahre. Anschließend fungierte ich sechs Jahre als Jugendwart und wurde 1992 erneut Vorsitzender.

Neben ihrer Helfertätigkeit und Vorstandsarbeit haben Sie auch stets mit eigenem Hund trainiert und an Prüfungen teilgenommen. Wie viele Hunde hatten Sie denn im Laufe der Jahre?

Knörchen: Mit unserem jetzigen Hund Carlo sind es insgesamt elf Hunde: zehn Rüden und eine Hündin. Ich habe die Hunde immer mit circa neun Wochen direkt von den jeweiligen Züchtern bekommen.

Welche stachen besonders hervor?

Knörchen: Mein erfolgreichster Hund, meine Nummer eins, war Elch. Den hatte ich von 1976 bis 1987. Mit ihm war ich mehrfach Vereinsmeister und qualifizierte mich zwei Mal für die Landesmeisterschaft. Aber durch den Beruf konnte ich nicht an den Meisterschaften teilnehmen. Als ich Elch mit elf Jahren wegen seiner Gesundheitsprobleme einschläfern ließ, war ich sehr traurig.

Sind denn alle Ihre Hunde so alt geworden?

Knörchen: Leider nein. Älter als zehn wurden bisher nur zwei Hunde. Die meisten wurden wegen Krankheiten eingeschläfert. Meine Hündin Halla starb, weil sie überfahren wurde: 1975 jagte sie bei einem Spaziergang an Haus Palant einem Hasen hinterher, lief auf die Autobahn und wurde dort von einem Lkw erfasst. Zwei meiner Hunde habe ich mit jeweils vier Jahren verkauft. Will ging an die Bahnpolizei Dinslaken. Der war ein super Schutzhund, aber auch ein Rabauke. Als unsere Tochter zur Welt kam, trennte mich schweren Herzens von ihm. Bei der Bahnpolizei hat er sehr erfolgreich Leute aus Zügen geholt (lacht). Auch Jimmy habe ich verkauft, an einen Sicherheitsdienst, weil er für den Hundesport nicht geeignet war.

Dann wird Carlo wohl Ihr letzter Hund sein?

Knörchen: Ja. Carlo ist jetzt acht, ich werde dieses Jahr 74 Jahre alt, so Gott will. Ich hoffe, dass Carlo so zehn, elf Jahre alt wird, er ist ja noch gut dabei. Da bei ihm allerdings letztes Jahr das Cauda-equina-Syndrom, also eine Art Bandscheibenvorfall, festgestellt wurde, kann ich nicht mehr mit ihm an Prüfungen teilnehmen. Er darf nicht mehr springen. Aber ich helfe ja gelegentlich Vereinsmitgliedern und führe ihre Hunde. Wenn beispielsweise einer Probleme mit dem Fährtenlesen oder dem Apportieren hat, dann lerne ich den Hund entsprechend an.

Welchen Aspekt am Hundesport finden Sie am interessantesten?

Knörchen: Unser Sport gliedert sich in Fährtenausbildung, Gehorsam/Unterordnung und Schutzdienst. Mich hat es immer fasziniert, einen Hund in allen Bereichen auszubilden, ich möchte mich nicht festlegen. Zudem bieten wir auch die Begleithundausbildung an. Die Begleithundprüfung gibt es erst seit vor einigen Jahren in Hamburg ein Kind von einem Hund gebissen wurde. Ich finde die Prüfung gut, sie ist ein Wesenstest.

Stichwort Wesenstest: Ihr Carlo und die Schäferhunde Ihrer Vereinsmitglieder sind ja durch die regelmäßige Arbeit sehr gut erzogen. Wie wichtig ist die Ausbildung, gerade von jungen Hunden allgemein?

Knörchen: Sehr wichtig. Aber viele Familien machen da einen Fehler, das sehe ich bei uns im Verein: Da kommen dann Mutter, Vater und zwei Kinder zu uns auf den Platz in Bergrath. Zunächst frage ich immer, wer den Hund ausbildet. Wenn es dann heißt „Wir alle“, erkläre ich, dass das nicht geht. Der Hund braucht eine Bezugsperson. Nach der Ausbildung, wenn der Hund die Grundkommandos beherrscht, kann jeder mit ihm spazieren gehen. Aber auf dem Platz arbeiten und ausbilden, das kann immer nur einer.

Den SV 1920 gibt es seit fast 100 Jahren. Seit 57 Jahren sind Sie Vereinsmitglied. Wie hat sich der Verein im Laufe der Zeit gewandelt, beispielsweise in Bezug auf die Mitgliederanzahl? Und wie sieht es bei Ihnen persönlich aus — wie lange wollen Sie noch Vorsitzender bleiben?

Knörchen: Mitte der 70er Jahre, zu unseren Spitzenzeiten, hatten wir 45 Mitglieder und verhängten einen Aufnahmestopp. Und das trotz großer Konkurrenz durch andere Hundevereine. Was wäre ich froh, wenn wir so ein Problem heute hätten. Derzeit zählen wir 25 Mitglieder. Es ist wie überall in den Vereinen: Der Nachwuchs fehlt. Deshalb freuen wir uns immer über neue Gesichter. Ich mache die Arbeit gerne. Aber wenn ich einmal verhindert bin, wie letztes Jahr nach meiner Herz-Operation, dann merke ich, dass die Disziplin der Mitglieder nachlässt, auch ohne mich zu trainieren. Wie lange ich noch Vorsitzender sein werde? So lange ich kann und ich erwünscht bin.

Wie haben Sie es denn damals geschafft, die Vereinsarbeit Ihrer Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen?

Knörchen: Das frage ich mich heute noch. Ich habe mich von Anfang an viel im Verein engagiert und war zeitweise vier Mal in der Woche auf dem Übungsplatz. Die Zeit habe ich mir irgendwie gestohlen. Aber ohne das Einverständnis und die Unterstützung von meiner Frau Angelika wäre das gar nicht gelaufen, auch wenn es manchmal etwas Krach gab. Unsere Tochter Petra habe ich ab einem Alter von drei Jahren mit zum Platz genommen, sie hat die Gene für den Hundesport geerbt, war elf Jahre mit im Verein und hat seinerzeit auch zwei unserer Hunde selbst ausgebildet. Auch heute noch hat sie einen Hund, allerdings einen Golden Retriever (lacht).

Blieb denn da noch Zeit für andere Interessen?

Knörchen: Neben dem Hundesport schlägt mein Herz für den 1. FC Köln. Ich bin seit 1966 FC-Fan und nun 20 Jahre Mitglied. Von 1957 bis 1974 habe ich bei Fortuna Weisweiler auch selbst Fußball gespielt. Als ich dann im SV 1920 das erste Mal Vorsitzender wurde, hing ich meine Fußballschuhe an den Nagel, denn beides konnte man nicht kombinieren. Ich habe die Entscheidung für den Hundesport aber nie bereut.

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