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Eschweiler: Erzieherinnen fordern: „Laschet soll bei Kibiz nachbessern!”

Eschweiler : Erzieherinnen fordern: „Laschet soll bei Kibiz nachbessern!”

Der NRW-Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration wusste bereits im Vorfeld um den schweren Stand, den er in der Gaststätte „Uferlos” beim familienpolitischen Abend der Frauen Union (FU) Eschweiler haben würde.

„Der Tarifkonflikt beschäftigt die Menschen. Es ist eine angespannte Zeit”, begrüßte Armin Laschet die unzähligen Zuhörer. Der Hauptteil der Gäste war „sein” streikendes Personal aus den Kindergärten. Die Erzieherinnen und Pflegerinnen aus der Region nutzten die Gelegenheit, um mit Laschet eine lebhafte Diskussion über das Für und Wider von Kibiz zu führen.

Laschet gab zu, dass der Gesetzesprozess von Anfang an „mühsam und schwierig” war. Trotzdem verteidigte er Kibiz vehement gegen die laute Kritik aus dem Plenum. Schließlich hätten die großen Träger der Kitas mit am Tisch gesessen, als es um Personalschlüssel, Gruppenstärken und weitere Themen ging. „Es ist einfach unredlich, wenn Träger nach dem Abschluss so mit der Regierung umgehen.”

Kibiz ein Spargesetz? „Keinesfalls!”, entgegnet der Familienminister. Schließlich habe man die Zuwendungen von 819 Millionen Euro auf 1,2 Milliarden Euro erhöht. Einmal in Fahrt, nennt der CDU-Politiker weitere Zahlen, die die gute Arbeit seines Ministeriums untermauern sollen: 11000 U3-Betreuungsplätze habe es 2005 gegeben. Im August 2009 werden es 86000. „Mehr Flexibilität für Eltern, mehr individuelle Förderung für Kinder - das ist die Grundbotschaft des Gesetzes”, sagt der Minister.

Und während Armin Laschet diese Kennzeichen von Kibiz preist, laufen die Erzieherinnen Sturm gegen die dramatischen Veränderungen in ihrem Beruf, die ihrer Meinung nach mit Kibiz an Geschwindigkeit zugelegt haben. Ihre Kritik: „Die gesetzlichen Standards reichen nicht aus!” Vielmehr haben sie dazu geführt, dass die Angestellten vor Ort in den Kindertagesstätten in einem Mehr an Arbeit versinken. Dadurch leide besonders die Betreuung der Kinder.

Der Familienminister nimmt derweil Träger und Kommunen stärker mit in die Pflicht. Für Bildung und Betreuung muss seiner Meinung nach Geld in die Hand genommen werden, auch bei den Trägern. Kritik aus den Kommunen, wie sie auch in Eschweiler laut wurde, entgegnet er entschlossen: „Für jeden Euro, den eine Stadt bezahlt, legt das Land einen Euro dazu.” Das sei fair und der richtige Weg. Laschet: „Wir müssen mehr in Bildung und weniger in Beton investieren!”

Eine ganz andere Haltung verwundert ihn gerade in der Indestadt. Eschweiler sei, so Laschet, die einzige Kommune, die ihr Kontingent an Familienzentren derzeit nicht weiter ausbauen wolle oder könne. „Das, was hier passiert, gibt es in keinem der 180 Jugendämter in NRW.” 1750 Familienzentren sind bisher zertifiziert, weitere sollen folgen. Der Minister stellt aber auch klar: „Es zwingt keiner einen, mitzumachen.”

Eine Angst wollte Armin Laschet den verunsicherten Kinderpflegerinnen nehmen. „Ich bin dagegen, alles zu akademisieren. Auch ganz normale kinderpflegerische Stellen muss es in Zukunft geben.” Die Betroffenen bewerten die Lage anders. Schon heute machen viele neben einer 40-Stunden-Arbeitswoche eine Fortbildung, die weitere 16 Stunden pro Woche umfasst. Dazu kommt die eigene Familie.

Viele sind am Ende ihrer Kräfte. Die Bitte einer Erzieherin: „Herr Laschet, Sie sind doch ein einflussreicher Mensch. Nehmen Sie bitte die Stimmung an der Basis von heute Abend mit. Bessern Sie bei Kibiz nach!”

Das will der Familienminister eventuell sogar tun. Allerdings frühestens 2011, wenn Kibiz gemeinsam mit allen Trägern ausführlich evaluiert werden soll.