Projekt „Leben retten - kinderleicht!“: Erste-Hilfe-Maßnahmen an der Katholischen Grundschule Dürwiß

Projekt „Leben retten - kinderleicht!“ : Erste-Hilfe-Maßnahmen an der Katholischen Grundschule Dürwiß

Es ist ein Szenario, das sich niemand wünscht, das aber für jeden Menschen beinahe jederzeit zur Realität werden kann: In unmittelbarer Nähe verliert eine Person das Bewusstsein, bricht zusammen und liegt leblos am Boden. Was nun?

„Zu viele Menschen tun in einer solchen Situation das einzig Falsche, nämlich gar nichts. Dieses Nichtstun geschieht jedoch nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Angst, nicht richtig zu handeln und damit dem Hilfsbedürftigen noch mehr zu schaden. So sind in Deutschland in jedem Jahr tausende beobachtete Herzstillstände zu registrieren, bei dem keine oder zu späte Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden“, berichtet Dr. Torsten Rütters.

Diesem Problem entgegenzutreten, ist das Ziel des bundesweiten Projekts „Leben retten - kinderleicht!“, an dem auch das indestädtische St.-Antonius-Hospital seit Jahren beteiligt ist. In dieser Woche weilte nun Dr. Torsten Rütters, der seit rund vier Jahren als Narkosearzt im Eschweiler Krankenhaus tätig ist, zwei Tage lang an der Katholischen Grundschule Dürwiß, um dort den Schülerinnen und Schülern der vierten Jahrgangsstufe Erste-Hilfe-Maßnahmen wie die Herzdruckmassage oder den richtigen Umgang mit einem Defibrillator näherzubringen.

„Kinder sollten möglichst früh lernen, dass es normal ist, zu helfen und dass Erste-Hilfe-Maßnahmen in lebensbedrohlichen Situationen niemals schaden können“, betont der Anästhesist, der seinen jungen Schützlingen riet, die drei Schlagworte „prüfen - rufen - drücken“ zu verinnerlichen. „Zunächst gilt es, den hilfsbedürftigen Menschen laut und deutlich anzusprechen und zu prüfen, ob dieser bei Bewusstsein oder bewusstlos ist. Im Anschluss dann den Notruf 112 wählen und in kurzen Sätzen den Sachstand und vor allem den genauen Standort angeben“, nennt Dr. Torsten Rütters die ersten beiden wichtigen Schritte.

Da es jedoch trotz aller Eile immer einige Minuten dauere, bis der Rettungsdienst am Ort des Geschehens eintreffen könne, seien häufig weitere Maßnahmen notwendig. Stichwort Herzdruckmassage: „Diese muss der Helfer an der Brustkorbmitte ansetzen und 100 Mal pro Minute drücken", erklärt der Mediziner, der auch einen Ratschlag parat hat, wie die richtige „Drückgeschwindigkeit“ auszuloten ist.

„Der Rhythmus des Bee Gees-Hits Staying alive ist eine gute Vorgabe.“ In Sachen Technik sei zu beachten, sich seitlich des Hilfsbedürftigen zu platzieren, die Arme ganz durchzudrücken und darauf zu achten, dass sich die Schulter über der Mitte des Brustkorbs befindet. “Dann heißt es, die Hände übereinander zu legen und zwei Minuten gleichmäßig zu drücken.“ Dies könne, auch für Erwachsene, durchaus anstrengend sein.

Ein Hinweis, den die Schülerinnen und Schüler der KGS Dürwiß bestätigten. Denn nachdem am ersten Tag die Theorie auf dem Stundenplan stand, galt es an Tag zwei, diese in die Praxis umzusetzen. Und zwar anhand unterschiedlichster realitätsnaher Szenarien. „Leider liegt die bewusstlose Person nämlich nur selten in Idealposition, sondern auf dem Bauch, oder ein Hindernis macht den Zugang zu ihr schwierig“, berichtet Dr. Torsten Rütters aus eigener, vielfach erlebter Erfahrung. „Was in einer Simulation durchgespielt wird, vergisst der Helfer jedes Alters in aller Regel nicht mehr“, so der Arzt. In einem Notfall Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten, sei natürlich für jeden Menschen eine Stresssituation. „Auch Erwachsenen passiert es, dass sie statt der 112 die 110 wählen, wodurch wertvolle Zeit verloren geht. Passiert dies in einer Simulation, geschieht es im Erstfall seltener“, setzt Dr. Torsten Rütters auf den Lerneffekt durch Üben. Ein weiterer Tipp des Mediziners: „Sind mehrere Personen an einer Erste-Hilfe-Maßnahme beteiligt, ist deutliche Kommunikation hilfreich.“

Diese funktionierte zwischen dem Mediziner und den Schülerinnen und Schülern von Klassenlehrerin Anja Brill hervorragend, wie auch die Geste „Daumen hoch“ der jungen Ersthelfer am Ende des Lehrgangs dokumentierte. Alle Viertklässler durften sich darüber hinaus über eine Urkunde freuen. Und Dr. Torsten Rütters kann davon ausgehen, dass den Grundschülern für immer im Bewusstsein bleibt: Nur Nichtstun ist grundsätzlich falsch!

(ran)