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Eschweiler: Erste Gespräche: Inde wird umgestaltet

Eschweiler : Erste Gespräche: Inde wird umgestaltet

Das Wahrzeichen der Stadt, die Inde, ist Segen und Fluch zugleich. Der Fluss versorgte Menschen und Produktionsstätten zwar mit Wasser, allerdings schwoll er bei Hochwasser immer wieder an und ließ die Keller volllaufen. Dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen, ist Aufgabe des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER).

Über 100 Kilometer Wasserläufe werden in Eschweiler von dem Verband betreut. Mit Erfolg: In den vergangenen Jahren sind die Hochwasser seltener geworden. Dafür wurden allerdings Millionen Euro ausgegeben. Für die Rückhaltebecken des Omerbachs und des Merzbachs zum Beispiel.

Blicken auf die Gewässerverläufe in Eschweiler: Dr. Antje Goedeking, Marcus Seiler und Carmen Braun vom Wasserverband. Foto: Patrick Nowicki

Hinter den Kulissen werden die Weichen bereits für weitere Projekte gestellt. Das Überschwemmungsgebiet an der Stoltenhoffmühle soll entschärft werden. Diese Pläne spielten auch bei den Plänen für das ehemalige Indestadion eine Rolle. Darüber hinaus werden die Überlegungen immer konkreter, die Inde in der Innenstadt wieder erlebbar zu machen. Erste Skizzen sollen schon vorliegen, die letztlich von Rat abgesegnet werden müssen. Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker hatten zudem in der Vergangenheit angekündigt, die Bürger eng bei der Entscheidung über die Zukunft der Indestraße einbinden zu wollen.

Kerngeschäft Hochwasserschutz

Der Hochwasserschutz zählt zum Kerngeschäft des Wasserverbands, beschränkt sich jedoch nicht auf den Bau großer Rückhaltebecken. Im ganzen Jahr halten die Mitarbeiter die Gewässer in Eschweiler im Auge und kontrollieren Zu- und Abläufe. Drohen Bäume und Äste den Abfluss des Wassers zu erschweren, müssen sie gefällt werden. So geschah dies vor wenigen Tagen an der Inde und am Dürwisser Fließ. „Dies machen wir nicht aus Spaß, sondern um den Hochwasserschutz zu sichern“, sagt Marcus Seiler vom Wasserverband. Vor allem die Abholzung der Bäume in der Inde hat zu Kritik geführt.

Am Dürwisser Fließ sind die Arbeiten im vollen Gange. Dort war der Graben dermaßen überwuchert, dass der Gewässerverlauf nicht mehr zu erkennen war. Diese optischen Folgen wären noch egal, würde der starke Bewuchs nicht dazu führen, dass Wasser nicht mehr schnell abfließen kann. Zudem verstopfen die Rohre und Durchlässe schneller, wenn sich die Fließgeschwindigkeit reduziert. „Ein Rohr am Dürwisser Fließ war zu drei Viertel mit Schlamm verstopft“, schildert Carmen Braun, zuständige Ingenieurin für Vichtbach und Inde sowie deren Zuläufe.

Ein vom Wasserverband beauftragter Unternehmer baggert nun den Graben neu aus. Auch das Rohr wird wieder freigemacht. Noch in dieser Woche sollen die Arbeiten dort abgeschlossen werden. Gerade rechtzeitig, denn die Periode für solche Tätigkeiten endet am 1. März und beginnt erst wieder im Oktober. In Abstimmung mit der Städteregion wurde die Frist jedoch verschoben.

Während Flüsse wie die Inde jedem bekannt sind, kennen die wenigsten Indestädter sämtliche Gewässerverläufe in der Stadt. Namen wie Kaltenbornbach, Hanggraben, Breite Bahn und Fuchsbach sind nur besonders Ortskundigen geläufig. Ohnehin ist der Wasserverband nicht für alles zuständig, was Wasser führt. „Ein einfaches Indiz ist, wenn das Gewässer schon in alten Karten verzeichnet ist“, sagt Carmen Braun.

Manche Gräben wurden als Drainage für Äcker angelegt und werden nicht von der Behörde betreut. Es klingt paradox, aber auch dies zählt zum Alltag im Wasserverband: Manche Bäche liegen monatelang trocken. Da sie jedoch bei Starkregen auch viel Wasser aufnehmen müssen, müssen die Arbeiter auch dort mit Heckenschere und Axt anrücken. Einen solch trockenen Wasserlauf stellt aktuell auch das Dürwisser Fließ dar, das aus dem Norden Eschweilers am Sportplatz Eschweiler-Ost vorbei in die Inde mündet.

Insgesamt 20 Mitarbeiter sind im Bauhof des Wasserverbands tätig, dessen Sitz in der Nähe des Dürener Bahnhofs zu finden ist. Allerdings können sie nur etwa ein Viertel der Arbeiten im gesamten Verbandsgebiet, das sich bis in die Eifel hinein erstreckt, übernehmen, wie Dr. Antje Goedeking einräumt. Die übrigen Aufträge werden von Fremdfirmen übernommen. Rechnet man alle Wasserläufe in dem Areal zusammen, ergeben sie eine Strecke von insgesamt 1900 Kilometern, wobei allerdings nur 1350 Kilometer regelmäßig kontrolliert werden. „Befinden sich Gewässer in Wäldern, lassen wir sie in ihrem natürlichen Umfeld in Ruhe“, teilt Carmen Braun mit.

Dass die Natur sich schnell entwickelt, wenn man ihr den Raum zugesteht, macht sich auch am Rückhaltebecken an der Eifelstraße bemerkbar. Dort wurde im Jahr 2007 ein 30.000 Kubikmeter fassendes Bauwerk errichtet. Inzwischen ist es dermaßen zugewachsen, dass auch dort der Bewuchs entfernt werden muss, damit der Omerbach gezähmt bleibt. Insgesamt drei Staubecken wurden an seinem Verlauf gebaut — zusätzlich noch am Diepenlinchenbach (Volumen: 10.275 Kubikmeter) in und Gressenich (Volumen: 7500 Kubikmeter). Somit könne man die Wassermassen bei Bedarf besser und kontrollierter ableiten, sagt Braun.

Natürliches Bett

Früher schlängelten sich die Flüsse durch die Landschaften. Große Areale wurden zwar überschwemmt, das Wasser floss allerdings auch langsamer ab. Mit der Begradigung der Flüsse wurde zwar zusätzliches Land gewonnen, aber dies hatte noch eine andere, weniger erfreuliche Konsequenz für den Menschen: „Wenn das Wasser schnell abfließt, bilden sich hohe Wellen, was die Menschen in Köln bei den Überschwemmungen im Jahr 1995 negativ erleben mussten“, berichtet Marcus Seiler. Auch aus ökologischen Gründen entschloss man sich, Flüsse zu renaturieren. Die Inde hat zwischen Eschweiler-Ost und Weisweiler ein naturnahes Bett erhalten. Auch in der Eschweiler Innenstadt soll sie wieder „erlebbar“ sein. Allerdings stehen dort natürlich nicht ausreichend Flächen zur Verfügung, um sie in Zukunft wieder durch Eschweiler schlängeln zu lassen.

Ein seltenes Tier fühlt sich auch an der Inde wieder heimisch: der Biber. Dort bereitet er dem Wasserverband immer wieder auch Arbeit — nämlich dann, wenn er einen Baum dermaßen angenagt hat, dass er in das Gewässer kippt. „Dann gilt das Gleiche wie bei Bäumen in den Böschungen: Dort können sich schwimmende Äste und Pflanzen verheddern und einen Damm entstehen lassen“, sagt Seiler. Der Baum muss also schleunigst aus dem Wasser geholt werden. Grundsätzlich halten sich die Probleme mit Europas größtem und seltenen Nager in Grenzen: „Wir leben friedlich nebeneinander“, sagt Carmen Braun mit einem Augenzwinkern.

Weniger erfreut ist man im Wasserverband darüber, das manche Zeitgenossen Müll in ein Gewässer oder in einen Graben kippen. Ebenfalls beliebt: Einkaufswagen. „Dies verhält sich dann wie mit den Bäumen, die eine Barriere bilden — dies muss schnell entfernt werden“, sagt Seiler. Zahlen muss die Entsorgung der Steuerzahler.

Deswegen sind regelmäßige Kontrollgänge, an markanten Stellen auch wöchentlich, besonders wichtig. Die Pflanzen an der Inde in der Innenstadt können nun wieder wachsen. Es sei denn, im Zuge der Umgestaltung der Indestraße wird auch das Wahrzeichen der Stadt verändert...