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Städtische Musikgesellschaft Eschweiler: Ernst, Würde und Zuversicht in jedem Takt

Städtische Musikgesellschaft Eschweiler : Ernst, Würde und Zuversicht in jedem Takt

Als der letzte Ton erklungen war, herrschte für einige Sekunden vollkommene Stille. Erst dann brandeten die stehenden Ovationen auf – der vollkommen verdiente Lohn für Jeremy Hulin, Larisa Akbari, Götz Seiz sowie die Musiker der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler für die Aufführung von „Ein deutsches Requiem“.

„Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“ Bereits die Auftaktzeilen des musikalischen Meisterwerks weisen den Weg.

Ein wirkliches Requiem, also eine Messe für die Verstorbenen? Vielleicht nicht im klassischen kirchenmusikalischen Sinne. Doch unbedingt Ja, wenn der Glaube an ein Leben nach dem Tod eines der zentralen Elemente christlichen Glaubens darstellt. Ein Werk, das Hoffnung verstömt und den Zuhörer keinesfalls ausschließlich in den Abgrund des Todes schauen lässt.

Die Uraufführung von „Ein deutsches Requiem“ am Karfreitag des Jahres 1868 wurde für seinen Komponisten Johannes Brahms zu einem bahnbrechenden Erfolg. Rund eineinhalb Jahrhunderte später ließen sich nun am Samstagabend zahlreiche Liebhaber klassischer Musik in der sehr gut, aber leider nicht vollbesetzten Pfarrkirche St. Peter und Paul von dem in vielfacher Hinsicht außergewöhnlichen Musikstück in den Bann ziehen.

Unter der Gesamtleitung und dem Dirigat von Jeremy Hulin präsentierten sich das Orchester und der Chor der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler in großartiger Verfassung. Den 45 Sängerinnen und Sängern sowie 44 Instrumentalistinnen und Instrumentalisten gelang es spürbar, zu den Herzen der Konzertgäste vorzudringen und diesen den Kern der Komposition, die Johannes Brahms unter dem Eindruck des Todes seiner Mutter vollendet hatte, nahezubringen.

Hochwertige Unterstützung erhielt die Musikgesellschaft von zwei hervorragenden Gesangssolisten: Sopranistin Larisa Akbari (Theater Aachen) und Bariton Götz Seiz brachten ihre Stimmen wunderbar zur Geltung und fügten sich harmonisch in das absolut gelungene Gesamtklangbild eines Abends, der allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Gefühlvoll: Sopranistin Larisa Akbari traf die Herzen der Zuhörer. Foto: Andreas Röchter

„Ein deutsches Requiem“ war der Aufbruch zu neuen Ufern, denn Johannes Brahms unterwarf sich keinerlei liturgischen Dogmen und wandte sich in erster Linie dem Diesseits zu. In diesem hat die Trauer um einen „von uns“ gegangenen Menschen natürlich ihren Platz, jedoch immer verbunden mit Trost und vor allem Hoffnung.

Diese Grundstimmung ließen Jeremy Hulin und seine beiden Ensembles im fein aufeinander abgestimmten Zusammenspiel in die Weiten des Gotteshauses fließen. Durchgehend gelang es den Sängern und Instrumentalisten, den Spannungsbogen aufrecht zu halten.

Die drei Grundelemente Ernst, Würde und Zuversicht kamen in jedem Takt zum Ausdruck. Sie gaben dem Publikum Raum und Gelegenheit, sich zu öffnen und Wärme in die Herzen fließen zu lassen. Dem letzten Ton folgten Sekunden der Stille.

Fast schien es, als traue sich niemand, durch „profanes Klatschen“ die Magie des Moments zu stören. Schließlich erklang beinahe andächtiger Beifall, der sich zu langanhaltendem und stehend dargebrachtem Applaus ausweitete. Der vollkommen verdiente Lohn für Jeremy Hulin, Larisa Akbari, Götz Seiz sowie die Musiker der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler, auf die die Indestadt und die Indestädter stolz sein können und sollten.