Mehr Vitalität in Wohnheimen: Ernährung, Entspannung, Vitalität und Achtsamkeit

Mehr Vitalität in Wohnheimen : Ernährung, Entspannung, Vitalität und Achtsamkeit

„E.V.A“ bekommt ein Gesicht. Der Name der biblischen Figur bezeichnet in diesem Fall ein Projekt, das vor allem eines will: das Wohlbefinden fördern. In mehreren Einrichtungen für Senioren finden über Monate Praxiseinheiten eines Vereins statt, der ursprünglich gar nichts mit der älteren Generation zu tun hatte.

„Mehr Zeit für Kinder“ ist die Organisation, die sich darum bemüht, die Position des Kindes zu stärken und die Kinderfreundlichkeit in der Gesellschaft zu fördern. Umgesetzt wurde dies in der Vergangenheit unter anderem mit der Prävention und Unterstützung der Gesundheit in Schulen und Kindertagesstätten. Doch Themen, die sich mit dem Wohlergehen auseinandersetzen, betrifft alle Generationen, lernte man.

Geboren wurde dann einst das Projekt „Regenbogenland“, bei dem Kinder Seniorenheime besuchen und generationsübergreifende Übungen wie autogenes Training zu der Erkenntnis führen, dass sich Jung und Alt wechselseitig bereichern. Und daraus entstand wiederum „E.V.A“., die Buchstaben stehen dabei für Ernährung, Entspannung, Vitalität und Achtsamkeit.

Das Thema brennt auf der Seele, fragt man Carola Kischlat von der Pro Seniore Residenz: „Dass sich die Menschen bei uns in der Pflege und im betreuten Wohnen wohl fühlen, ist ein übergeordnetes Ziel.“ Ein Beispiel nennt sie im Alltag der Seniorenresidenz mit dem hauseigenen Friseur-Studio – ein Angebot, was rege genutzt wird und im Kleinen für ein gesteigertes Wohlbefinden sorgt.

Während den Bewohnern ein überaus regelmäßiger Tagesablauf wichtig ist, ist Pro Seniore auf das Angebot der Krankenkasse Actimonda eingegangen, „E.V.A“ in den eigenen Räumlichkeiten durchzuführen. Nach dem ersten Anlauf zwischen den Projektpartnern mit einem Steuerungsgremium, einer Informationsveranstaltung und der Teamqualifikation für Mitarbeiter, stehen die Praxiseinheiten mit Senioren und Pflegepersonal im Fokus des Projekts.

„Auf der einen Seite steht die Ernährung und auf der anderen Seite die Entspannung“, erklärt Ralf Steinbrecher von der Krankenkasse. „Eines der Probleme, denen man im Alter begegnet, ist zwanghaftes Ernährung. Die Menschen haben oft keine Lust mehr, zu essen und tun dies nur, weil sie es müssen“, weiß auch Kischlat aus ihrem beruflichen Alltag zu berichten.

So setzt das Projekt damit an, dass es insgesamt acht Praxistage gibt. In der einen Hälfte geht es um die Ernährung, während sich die andere Hälfte der Entspannung widmet. Bei den präventiven und altersgerechten Seminaren gibt es pro Tag eine Vormittags- und eine Nachmittagseinheit, die jeweils eine Stunde dauert.

Derzeit finden bei Pro Seniore die Entspannungstage statt, die einerseits aktive, als auch passive Elemente beinhalten. Nach einer ersten Vorstellungsrunde, stehe Dehnungs- und Muskelübungen auf dem Programm, ehe eine Fantasiereise zum passiven Zuhören animiert und sich die Teilnehmer mit einer Igelkugel selbst massieren. „Das Tolle ist, dass verschiedene Sinne und Reize angesprochen werden, so wird auch eine Übung mit Duftaromen durchgeführt“, freut sich Kischlat und ergänzt: „Jeder Tag steht unter einem anderen Thema wie zum Beispiel Jahreszeiten oder Wandern. Auch wenn es demenzielle Teilnehmer gibt, können alle mitmachen und sich aktiv an Gesprächen beteiligen.“

Im Herbst folgen dann die Ernährungseinheiten, bei denen nicht nur der Geschmacksreiz, sondern ebenso der Seh- und Geruchssinn und das Lebenselixier Wasser angesprochen werden. „Zugegebenermaßen haben die Gruppenleiter ein ganz anderes Fachwissen als wir, um solche praktischen Einheiten durchzuführen“, gesteht Kischlat. Die ausgebildeten Entspannungspädagogen von „Mehr Zeit für Kinder“, sind zwar nicht für jeden Praxistag zuständig, reisten sie extra aus Frankfurt an. Als guten Nebeneffekt bewertet Kischlat, dass die Mitarbeiter neues Handwerkszeug erlernen und die Bindung zwischen Bewohner und Pflegepersonal intensiviert wird. Nach dem Projekt wird im Sinne der Nachhaltigkeit ein Abschlussgespräch und ein eine eigenständige Einheit durch die Einrichtung durchgeführt.

„Achtsamkeit ist im Namen von „E.V.A.“ und bedeutet, dass einerseits die Senioren in ihrem Wohlbefinden gestärkt werden, andererseits aber auch, dass das Pflegepersonal Unterstützung erfährt“, erklärt Steinbrecher. Die Politik sei erst vor ein paar darauf aufmerksam geworden, wie wichtig Prävention ebenso bei älteren Menschen ist. Umso mehr freut er sich, dass das Projekt nicht nur bei Pro Seniore stattfindet. Auch im direkt benachbarten Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion findet „E.V.A.“ Anwendung und soll über mehrere Wochen das Wohlbefinden steigern, mit Entspannung und Ernährung.

(mah)
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