Eschweiler: Engelsstimme ist flügge geworden: Angelo Kelly im Kulturzentrum

Eschweiler: Engelsstimme ist flügge geworden: Angelo Kelly im Kulturzentrum

Blaue Augen, lange blonde Haare und eine engelsgleiche Stimme. Gemeinsam mit seinen Geschwistern eroberte Angelo Kelly in den 90er Jahren die Musikszene im Sturm. Titel wie „An Angel“ und „I can´t help myself“ machten die Familienband berühmt und Angelo Kelly zum Liebling der Fans.

Heute ist Angelo Kelly 32 Jahre alt und nicht nur er, sondern auch seine Musik haben sich weiterentwickelt. Am Sonntag gastiert der Musiker mit seiner Frau sowie seinen vier Kindern im Kulturzentrum Talbahnhof. Dort wird er sein aktuelles Programm „Welcome Home“ zum Besten geben. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt er, warum er nicht dieselben Fehler machen möchte wie sein Vater, und verrät, worauf sich seine Fans am Sonntag freuen dürfen.

Erinnern Sie sich noch an Ihre anderen Gastspiele in Eschweiler?

Kelly: Ja. Ich war vor einigen Jahren schon einmal mit meiner Familie hier und bin mit meinem letzten Soloprogramm vor zwei Jahren auch schon einmal im Talbahnhof aufgetreten. Das ist zwar ein sehr intimer und kleiner Rahmen, in dem das Konzert stattfindet, aber gerade das ist für einen Künstler auch etwas Besonderes.

Inwiefern?

Kelly: Nicht nur das Publikum freut sich, wenn es ganz nah an einem Künstler dran ist. Umgekehrt ist das genauso. Es ist schön für Zuschauer und Künstler und der Kontakt zwischen beiden ist wichtig.

Mittlerweile stehen Sie nicht mehr mit Ihren Geschwistern, sondern mit Ihrer Frau und Ihren vier Kindern auf der Bühne. Ist das die nächste Generation der Kelly Family?

Kelly: Ich bin schon seit einigen Jahren solo unterwegs, und vor zwei Jahren haben auch meine Kinder angefangen. Genauso wie meine Frau schreiben sie mittlerweile auch Songs und wurden immer mehr in unsere Show eingebunden. Ich kann verstehen, dass viele Leute denken, dass wir die nächste Generation der Kelly Family sind. Das ist teilweise auch so von mir gewollt, weil ich so die Möglichkeit habe, eine Tradition weiterzuführen. Trotzdem gibt es auch einige Dinge, die ich anders mache. Ich möchte nicht die gleichen Fehler wie mein Vater machen.

Und die wären?

Kelly: Als wir damals bekannt wurden und nicht mehr auf der Straße Musik machten, war das für uns Neuland. Man konnte auf das, was kam, nicht vorbereitet sein, und dann macht man eben Fehler. Aber ich kann diese negativen Sachen für meine Familie vermeiden. Ich vermeide es zum Beispiel, zu sehr in den Medien zu sein. Mir ist es wichtig, dass meine Familie geschützter ist, als wir es damals waren.

Sind Ihre Fans Ihnen über all die Jahre treu geblieben?

Kelly: Nicht nur ich bin erwachsen geworden, sondern auch meine Fans. Viele von ihnen kommen heute selbst mit ihren Familien zu den Konzerten, und das finde ich toll. Egal, ob Jung oder Alt, jeder nimmt etwas von den Konzerten mit. Es gab eine Zeit, in der die Beziehung zwischen dem Publikum und mir nicht gesund war. Es bestand einfach eine zu große Abhängigkeit voneinander. Aber diese Zeiten sind vorbei.

Wie hat sich Ihre Musik in den vergangenen Jahren entwickelt?

Kelly: Am Anfang meiner Solokarriere war alles sehr rockig. Damals habe ich mir so ein bisschen die Hörner abgestoßen (lacht). In den letzten Jahren mache ich wieder handgemachte Musik. Es ist viel Irish Folk dabei. Meine Musik hat eine weichere Note und ist sozusagen familienfreundlich.

Worauf dürfen sich Ihre Fans am Sonntag freuen?

Kelly: Es wird viele eigene Stücke geben, aber auch irische Musik. Meine Familie und ich sind im vergangenen Jahr in Irland sesshaft geworden und leben in einem Haus mitten im Wald. In den vergangenen vier Jahren hat sich bei uns so einiges verändert. Damals haben wir alles abgebrochen, die Kinder aus der Schule genommen und sind drei Jahre lang durch Europa gefahren. Ich habe oft auf der Straße gespielt und wir hatten viele tolle Erlebnisse. Aber im letzten Jahr haben wir uns dazu entschieden, sesshaft zu werden und zwar in einem Land, in dem man frei und unabhängig leben kann. Dann macht es natürlich besonders viel Spaß, auf Tour zu gehen. In dieser Zeit erlebt man sehr viel und kann Freunde und Familie sehen.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Geschwistern?

Kelly: Wir sind zu Zwölft und zu dem einen hat man mehr Kontakt als zu dem anderen. Zu manchen habe ich gar keinen Kontakt mehr. Uns verbindet die Vergangenheit, aber in den letzten Jahren sind wir alle eigene Wege gegangen.

Nervt es Sie, immer wieder auf die Vergangenheit angesprochen zu werden?

Kelly: Am Anfang hat es schon genervt. Ich musste damit klarkommen und das verstehen. Aber wir haben bei vielen Menschen einen großen Eindruck hinterlassen, und wenn man sich darüber nur ärgert, dann verpennt man die Gelegenheit, daraus zu lernen.

Was steht in den kommenden Monaten noch auf Ihrem Programm?

Kelly: Bis Juli sind wir noch auf Tour und dann geht es zurück nach Irland. Nach fünf Monaten im Tourbus haben wir uns erst einmal eine Pause verdient.

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