Eschweiler: Elternhaltestellen: Mit dem Auto zum Klassenzimmer? Nein!

Eschweiler : Elternhaltestellen: Mit dem Auto zum Klassenzimmer? Nein!

In Eschweiler gehen zu jedem Schulbeginn Hinweisschreiben an die Eltern zumindest aller Grundschüler raus, mit dem sie aufgefordert werden, ihre Kinder — wenn möglich — zu Fuß (in Gruppen) zur Schule zu schicken. Die fahrenden Eltern werden gebeten, nicht unmittelbar vor der Schule zu parken und die Verkehrsordnung zu beachten. Gut gemeint, aber Papier ist bekanntlich geduldig.

Viele Eltern ignorieren diese Bitte und aus diesem Grund ist die Stadt im vorigen Jahr einen Schritt weitergegangen und hat zum Beginn des neuen Schuljahres in Dürwiß und Weisweiler sogenannte Elternhaltestellen eingerichtet. Die Resonanz ist positiv, betonen Stadt und die Schulleiterinnen.

w.

Verkehrspolizisten unterwegs

„Es läuft sehr gut“, sagt Petra Seeger vom städtischen Schulamt. Vor allem in Weisweiler sei das Projekt von Beginn an fast ohne Einschränkungen positiv angenommen worden. Seeger lobt an der Stelle die Lehrerinnen, die gerade zu Projektbeginn die Eltern immer wieder auf die neue Haltestelle hingewiesen hätten.

Neben den Schreiben an die Eltern sind die Verkehrspolizisten ständig im Stadtgebiet an allen Grundschulen präsent, um Eltern und Kinder auf die von den parkenden und verkehrswidrig haltenden Autos verursachten Gefahren hinzuweisen. Es werden Schulungen (Bordsteintraining, Verkehrserziehung) in Kindergärten und Schulen angeboten, im Rahmen derer auch die städtische Jugendverkehrsschule besucht wird.

Dennoch ist das Problem letztlich nicht komplett in den Griff zu bekommen, sondern nur temporär zu mildern. Gerade in der dunklen und nassen Jahreszeit wird noch stärker auf das Auto zurückgegriffen.

Das Projekt Elternhaltestellen soll trotz aller Unkenrufe Abhilfe schaffen. Da in Aachen bereits Elternhaltestellen existierten, schauten sich die Eschweiler auch dort um. Wohl wissend, dass das hohe Verkehrsaufkommen zu den Bring- und Abholzeiten kein reines Eschweiler Problem ist. Das Aachener Anforderungsprofil wurde auch in der Indestadt zugrunde gelegt. Auch in der Schulleiterkonferenz wurde das Thema intensiv besprochen.

Vor der Einrichtung der Elternhaltestellen kam es am Wendehammer vor der Grundschule Weisweiler regelmäßig zu den Bring- und Abholzeiten zu unübersichtlichen und teils gefährlichen Situationen, da hier die Eltern ihre Kinder aussteigen ließen und dadurch den Wendehammer zuparkten und die Fahrbahn blockierten.

Wenige Meter vor der Schule — keine fünf Gehminuten entfernt — wurde die Elternhaltestelle eingerichtet. Schulleiterin Michaela Bleimann sagte: „Manche Eltern nehmen die Haltestelle an und manche nicht. Probleme gibt es bisher keine.“

Bleimanns Kollegin Renate Topp-Klein, Leiterin der Dürwisser Grundschule, zieht ebenfalls ein erstes Fazit. Grundsätzlich halte sie die Idee der Haltestelle für gut, die Umsetzung sei allerdings problematisch. Immer wieder würden Eltern doch auf den Bürgersteigen parken und damit Kinder gefährden und Busse blockieren.

Eigentlich sollen die Eltern an der Elternhaltestelle nur kurz halten und ihre Kinder rauslassen. Daran werde sich aber nicht immer gehalten, und die Eltern würden dort längere Zeit parken, erklärt Renate Topp-Klein und hofft, dass das Projekt von noch mehr Eltern unterstützt wird.

Busbucht umgewidmet

Die örtlichen Gegebenheiten in Dürwiß waren ungleich schwieriger als in Weisweiler, weil die Eltern ihre Kinder dort von zwei Seiten zur Schule bringen, einmal über die Nagelschmiedstraße und einmal über die Konrad-Adenauer-Straße.

Die örtlichen Verkehrsverhältnisse an der Nagelschmiedstraße ließen die Einrichtung einer Elternhaltestelle ohne Beeinträchtigung anderer Verkehrsteilnehmer oder des Wendehammers, der für die Feuerwehr zwingend frei zu halten ist, nicht zu. Daher wurde der hintere Teil der langen Busbucht an der Konrad-Adenauer-Straße umgewidmet. Gerade zu Beginn wurde die Haltestelle von den Eltern nicht genutzt. Die Stadt justierte aus diesem Grund nach und stellte Schilder auf.

Mangelndes Platzangebot

Bleibt die Frage: Gibt es bald weitere Elternhaltestellen? Petra Seeger sagt dazu: „Vom Grundsatz her würden wir gerne überall Elternhaltestellen einrichten.“ Allerdings sei das aufgrund des oft mangelnden Platzangebots längst nicht überall möglich. Vor allem dort, wo keine Elternhaltestellen eingerichtet werden können, müsse man an die Elternbereitschaft appellieren.

An den weiterführenden Schulen sei die Situation ohnehin anders als an den Grundschulen, da dort Schüler auch selbst mit dem Auto kommen.

Petra Seeger bringt zudem ein weiteres Projekt ins Spiel: Es heißt Verkehrszähmer. Kinder werden dabei spielerisch dazu gebracht, den Weg zur Schule zu Fuß zurückzulegen. Einige Eschweiler Schulen haben bereits teilgenommen, Seeger hofft, dass weitere folgen. Und dass noch mehr Eltern ihre Kinder nicht mit dem Auto fast bis ins Klassenzimmer fahren...