Eltern kritisieren neue Betreuungsverträge der Awo-Kitas

Elternprotest gegen Betreuungsverträge : Die Kita-Kinder sollen gläsern werden

Dass im Raum 7 des Rathauses debattiert wird, ist durchaus üblich, schließlich finden dort regelmäßig Ausschusssitzungen statt. Die Zusammenkunft am Dienstagabend ist jedoch anderer Natur: Seit Monaten schwelt ein Streit zwischen einigen Eltern auf der einen und der Awo-Kisa als Betreiberin der Awo-Kindertagesstätten auf der anderen Seite.

Auf Termath wartet keine leichte Aufgabe, denn die Positionen sind verhärtet. Dies unterstreicht auch Guido Dohmen, Prokurist der Awo-Kisa: „Der Vertrag kann nicht verhandelt werden.“ Dazu zählen auch die Abschnitte, die von den Eltern moniert werden. Diese wiederum hoffen auf ein Entgegenkommen, wie Andrea Rahmen vom Jugendamtselternbeirat mitteilt. „Wir haben den Eindruck, dass der neue Vertrag aus einer Negativsicht auf die Eltern entstanden ist“, sagt sie. Sie will in der Zusammenkunft Kompromissvorschläge erörtern.

Die Arbeiterwohlfahrt will die Bezahlung des Mittagessens neu strukturieren. Bisher war es möglich, dass die Eltern eine Rückerstattung erhielten, wenn das Kind bei einer Mahlzeit fehlte und dies rechtzeitig angekündigt wurde. Dies ist aus Sicht der Awo jedoch mit zu großem Verwaltungsaufwand verbunden, weswegen man auf eine pauschale Bezahlung umstellen will. „Wir wollen erreichen, dass unser pädagogisches Personal nicht mit Bürokratie beschäftigt ist, sondern mehr Zeit für die Kinder hat“, sagt Dohmen. Eine Handy-App, die den Verwaltungsaufwand reduzieren würde, lehnt er ab. Damit würde man nicht alle Eltern erreichen.

Dem widersprechen die Eltern im Grundsatz nicht, sie hoffen jedoch auf ein Entgegenkommen der Awo, wenn früh ersichtlich ist, dass ein Kind länger fehlt. „Dies ist in anderen Einrichtungen durchaus üblich“, meint Andrea Rahmen. Mit dem neuen Vertrag beträgt der Essensbeitrag zum Beispiel in der Dürwisser Kita „Der kleine Prinz“ 50 Euro pro Monat im ganzen Jahr. Eltern, die das Bildungs- und Teilhabepaket nutzen, sind von dieser Regelung nicht betroffen.

Persönlichkeitsrechte

Für Unmut sorgt ein Vertragsabschnitt, der die Persönlichkeitsrechte betrifft. Dort heißt es: „Die Personensorgeberechtigten haben unaufgefordert über alle U-Untersuchungen des Kindes sowie Schutzimpfungen zu informieren. Auf Verlangen ist eine Kopie des U-Heftes und des Impfausweises bei der Kita-Leitung zu hinterlegen.“ In dem U-Heft sind sämtliche gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen und deren Ergebnisse sowie weitere persönliche Daten aufgelistet. „Wir wollen damit sicherstellen, dass wir alle Daten erhalten, die zur optimalen Förderung des Kindes beitragen“, teilt Guido Dohmen mit.

Der Jugendamtselternbeirat sieht diese Passage im Widerspruch zu den Angaben im U-Heft. Dort steht zu lesen: „Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Gelben Heft um eine vertrauliche Information handelt. Keine Institution (z.B. Kita, Schule, Jugendamt) darf eine Einsichtnahme verlangen. Sie entscheiden, wem Sie den Einblick gewähren. Die herausnehmbare Teilnahmekarte ist als Beleg für die Wahrnehmung der Untersuchungen ausreichend.“ Aus diesem Grund weigern sich einige Eltern, dem Vertragsentwurf zuzustimmen.

Betreuungszeiten überschreiten

Eltern, die ihr Kind wiederholt zu spät von der Kita abholen, können mit dem neuen Vertrag in Zukunft von der Awo zur Kasse gebeten werden. Die Erhebung der Gebühr werde schriftlich angekündigt. Sie beträgt aktuell 15 Euro pro angefangene Viertelstunde. Hinzu kommt eine Arbeitsgebühr in Höhe von 10 Euro pro Rechnung. Laut Dohmen gebe es Eltern, die immer wieder die Betreuungszeiten überschreiten. „Wir haben Gespräche geführt ohne Ende, aber keine Veränderung im Verhalten erreichen können“, berichtet er.

Betroffen sei das pädagogische Personal, das mit einem Kind dann in den Feierabend hinein warten müsse. „Natürlich gibt es Ausnahmesituationen, wenn die Eltern plötzlich verhindert sind“, sagt er. Die Gebühr richte sich jedoch an die Eltern, die dies wiederholt ausnutzen. „Dies bin ich auch unserem Team schuldig, denn auch das Personal in einer Kita hat ein Recht auf einen pünktlichen Feierabend“, meint er.

Der Jugendamtselternbeirat zweifelt, dass dies der richtige Weg ist. „Man trifft die falschen Eltern“, meint Andrea Rahmen. Diese Regelung passe in ihren Augen nicht zur Absichtserklärung aller Kindertagesstätten in Eschweiler, flexiblere Betreuungszeiten einzurichten. Dabei werde auch über einen zusätzlichen Betreuungstag gesprochen. „Natürlich ist ein Samstag als Betreuungstag nicht besonders angenehm für Kita-Personal, aber leider erfordert die berufliche Wirklichkeit von Eltern dies in manchen Fällen“, berichtet sie. Zudem bemängelt sie, dass im Vertrag nicht erkennbar sei, ab wann ein Zuspätkommen sanktioniert werde und welche Schritte vorher erfolgen würden.

Verträge schon unterschrieben

In manchen Awo-Kindertagesstätten spielen die Diskussionen keine Rolle mehr. In der Einrichtung „Zauberhut“ an der Franz-Rüth-Straße und der „Villa Regenbogen“ in Dürwiß sind die Verträge schon unterschrieben. Aktuell sollen die Vertragsabschlüsse im Dürwisser Familienzentrum „Der kleine Prinz“ über die Bühne gehen. Dort regt sich Widerstand, was der dortige Elternbeirat auch in einem Schreiben formulierte. „Ein Betreuungsvertrag ist eine Willenserklärung von zwei Seiten“, Guido Dohmen. Selbstverständlich wolle man den Dialog mit den Eltern suchen.

Zur Veranstaltung am Dienstagabend sind sämtliche Eltern der Awo-Kisa eingeladen. Auch Guido Dohmen hat zugesagt, um die Position des Kita-Betreibers zu erläutern. „Ich habe zwar wenig Hoffnung, dass wir einen Kompromiss erreichen, aber es ist wichtig, dass die Eltern gehört werden“, sagt Andrea Rahmen. Auf Moderator und Jugendamtsleiter Jürgen Termath wartet also eine schwierige Aufgabe.