Eschweiler: Einkaufen bei Landwirten: Direkt vom Erzeuger, direkt vor der Tür

Eschweiler : Einkaufen bei Landwirten: Direkt vom Erzeuger, direkt vor der Tür

Auf dem Boden der Familie Hillemacher in Hastenrath herrscht aktuell Hochbetrieb. Die Apfelernte steht an, also die Hochphase im Betriebsjahr der Obstplantage. Es war kein leichtes Jahr, wie die Familie betont. Am 9. April sanken die Temperaturen in der Nacht auf Minus acht Grad Celsius und setzten den Bäumen zu.

„Wir haben die Frostschutzberegnung einschalten müssen“, berichtet Sandra Hillemacher-Boes. Dies war allerdings nicht überall möglich, so dass der Ertrag sank. 100 Äpfel trägt ein Baum in einem „durchschnittlichen Erntejahr“, von manchen pflücke man in diesem Jahr gerade 30 Stück. Drei solche Jahre könnten einen Betrieb wie den in Hastenrath in Schwierigkeiten stürzen, räumt sie ein.

Der in der vierten Generation von Hubert Hillemacher geführte Familienbetrieb steht sinnbildlich für eine Reihe von landwirtschaftlichen Unternehmen in der Region: „Mein Opa hat mit Äpfeln angefangen.“ Viele Firmen in der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen setzen auf Direktvermarktung. Ihr Angebot ist nun in der Broschüre „Die echten Landerlebnisse in NRW! Von der Eifel bis zur Börde“ zusammengefasst. Darin präsentieren 91 Bauernhöfe aus den Kreisen Düren und Euskirchen sowie der Städteregion Aachen ihre Angebote, die fernab liegen von klassischer Viehhaltung und altbekanntem Ackerbau.

In Hastenrath werden auf 20 Hektar Land 20 Sorten Äpfel, Birnen, Süßkirschen, Schattenmorellen und Pflaumen angebaut. Die Vermarktung übernimmt die Landwirtefamilie selbst — auf den Wochenmärkten in der Region und im eigenen Hofladen in Hastenrath. Andere Landwirte bieten Fremdenzimmer an, laden ins Bauernhof-Café, vermieten Ställe als Pferdepension oder — wie in Bubenheim — gestalten die Wiesen in Spiel- und Freizeitflächen um.

Janine Rech, die als Beraterin für Direktvermarktung in der Landwirtschaftkammer zuständig ist, spricht von „echten Landerlebnissen“. In den vergangenen Monaten hat sie die Bauernhöfe in der Region besucht und auf den Zahn gefühlt. Der Aspekt der Nachhaltigkeit sei bei der Auswahl der Höfe eine wichtiges Kriterium gewesen, berichtet sie. Jeder landwirtschaftliche Betrieb nimmt in der Broschüre mit einem kurzen Zitat zur Nachhaltigkeit Stellung.

Auffallend viele Landwirte bieten einen Milchautomaten an. „Dieses Angebot wächst“, weiß Susanne Lock, stellvertretende Leiterin der Kreisstellen Aachen-Düren-Euskirchen der Landwirtschaftskammer NRW. Von den 91 in der Broschüre aufgelisteten Unternehmen sind es 13, wo man Milch direkt vor dem Hoftor zapfen kann.Die Nachhaltigkeit lasse sich daran besonders anschaulich nachweisen: Der Weg vom Produkt zum Verbraucher sei extrem kurz, Verpackungsmaterial werde gespart. Ein solcher Automat steht auch bei Familie Morschel in Hastenrath. Auch der Langendorfer Hof der Familie Johnen in Kinzweiler ist in der Broschüre vertreten.

Zurück zur Obstplantage Hillemacher: In der Erntezeit tummeln sich zwischen den Obstbäumen deutlich mehr Menschen als sonst. Zehn Saisonarbeiter sind dann zusätzlich im Einsatz, die die Früchte mit der Hand einsammeln. Was nicht sofort vermarktet wird, kommt in eines der acht Kühlhäuser. Bei zwei Grad Celsius bleibt Obst länger frisch. Hubert Hillemacher greift zu einem weiteren Kniff: Der Sauerstoffgehalt der Luft wird in den Kühlräumen drastisch gesenkt, was den Stoffwechsel in den Früchten stoppen lässt. „Dadurch schaffen wir es, im ganzen Jahr noch bis zum Start der nächsten Ernteperiode Obst im Laden zu verkaufen“, betont Sandra Hillemacher-Boes. Ohne Chemie und Gewächshaus — nachhaltig eben.