Eschweiler: Einfühlung und Hilfsbereitschaft als DNA des Christentums

Eschweiler: Einfühlung und Hilfsbereitschaft als DNA des Christentums

Bewusst in das Vorfeld der Bundestagswahl hat der kirchliche Arbeitskreis „Gott und die Welt“ in Eschweiler einen Vortrag über Rechtspopulismus terminiert. Am Donnerstag, 7. September, 19.30 Uhr spricht der katholische Publizist Dr. Andreas Püttmann über „Rechtspopulismus — eine Herausforderung für Kirche und Gesellschaft“ im Jugendheim St. Peter und Paul, Peter-Paul-Straße 7.

Püttmann beobachtet mit Sorge, dass rechtspopulistische Parteien im In- und Ausland zunehmend Zuspruch bekommen. In den Sozialen Netzwerken machen sich radikale Agitation und Manipulation durch gezielte Falschmeldungen und durch Texte breit, die von Computerprogrammen erzeugt werden. Die politisch motivierte Kriminalität nimmt zu, bis hin zu Mordanschlägen.

Der Attentäter, der 2015 die Kölner Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker mit einem Messer ermorden wollte, nannte sich „wertkonservativer Rebell“. Püttmann: „Was ist hier ins Rutschen gekommen und warum? Gerät die Demokratie in Gefahr? Welche Rolle spielen in dieser Lage die Kirchen?“ Mit der Partei AfD habe sich „eine radikale Polit-Großsekte am rechten Rand der Gesellschaft gebildet, die anders als alle anderen tickt“, schrieb Püttmann im Juli in der katholischen Fachzeitschrift „Stimme der Familie“.

Es handele sich bei der AfD um „die offenkundig heidnischste aller Parteien“, in deren Wahlprogramm Christentum und Kirche keine eigenständige Rolle spielten und eigentlich nur in einem anti-islamischen Zusammenhang erwähnt würden. Religiös engagierte Bürger würden dies spüren, ist sich Püttmann sich. Nach einer Umfrage aus 2016 hätten unter kirchennahen Katholiken und Protestanten nur halb so viele die AfD wählen wollen wie unter Religionslosen.

Schon von den Formulierungen und Begriffen der Neuen Rechten her, so Püttmann, sollte der Kult um das Eigene einen Christen fremdeln lassen: „Empathie in Form von Einfühlung, Mitleid und Hilfsbereitschaft ist gleichsam die DNA des Christentums. Weitere schöne Früchte der christlichen Frömmigkeit sind Demut und Gelassenheit.“ Den typischen Rechtspopulisten hingegen zeichne jeweils das Gegenteil aus: Empathielosigkeit, Hybris, Daueraufgeregtheit.

Wenn sich ultrakatholische Christen dennoch für Rechtspopulisten wie etwa die AfD engagieren, liegt das nach Ansicht des Referenten daran, dass deren Orientierungssinn verwirrt werde — durch die traditionelle Geschlechterordnung und eine entsprechende Familienpolitik.

Geboren wurde 1964 in Dinslaken, studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Staatsrecht in Bonn und Paris. Er promovierte 1993 mit dem Dissertationsthema „Ziviler Ungehorsam und christliche Bürgerloyalität“. Püttmann arbeitete für den WDR-Hörfunk, als Redakteur des Rheinischen Merkur und als Referent für Begabtenförderung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Er gehört zum Vorstand der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) und ist Autor zahlreicher Bücher. Unter anderem beschreibt er in dem 2010 erschienenen Werk „Gesellschaft ohne Gott“ die „Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung Deutschlands“.

Der 2004 gegründete Arbeitskreis „Gott und die Welt“ der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Eschweiler veranstaltet mehrmals jährlich Vortrags- und Diskussionsabende zu kirchlich und gesellschaftlich wichtigen Themen, oft mit international renommierten Theologen. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, eine Spende gern gesehen.