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Eschweiler: Einfach Spitzenklasse, diese Kneipenrallye

Eschweiler : Einfach Spitzenklasse, diese Kneipenrallye

Hot, hotter, EMF — das war die wohl heißeste Kneipenrallye aller Zeiten: Bei Temperaturen jenseits der 25 Grad Celsius schwitzten Musiker und DJ‘s aus der Region am Freitagabend alles aus sich heraus und machten aus Markt und Schnellengasse die Frenchman Street der Indestadt.

Die Songs von ABBA und der Saragossa-Band hallten in den Ohren der vielen EMF-Nachtschwärmer noch nach, als sich ein musikalischer Bogen von Jazz, Oldies, Schlager bis Punkrock über das Kneipenviertel spannen sollte.

Blue Note 5, die Jazzkombo aus Köln, Aachen und Bonn ließ den zweiten EMF-Abend im „Pfanntissimo“ eher relaxt ausklingen. Richard Lenart am Bass, Tim Schroif am Piano und Jan Pompino an der Trompete spielen zwar erst seit dem Frühjahr zusammen, harmonierten auf der Sommerterrasse am Marktrand jedoch derart perfekt, dass das kleine, aber sehr begeisterte Publikum Zugaben hören wollte.

DJ Sarel und DJ Axel Mostert legten unterdessen beim „Griechen“ und im „Mexi & Co.“ auf.

Wesentlich mehr auf die Ohren gab es in der Sauna des „Kleinen Gürzenich“. PaCO lieferten Punkrock made in Hastenrath und hatten ihr aktuelle Album „08-14“ im Gepäck. „Egotherapie“, „Dagegen“ und „Halts Maul“, die Songtitel hielten, was sie versprachen, es gab druckvolle, direkte musikalische Ansagen, inklusive Nebelmaschine, die im Glutofen Gürzenich den Saunaaufguss ersetzte.

Und auch im Schneckes sorgte Hardrock-Livemusik vom Feinsten für schweißtreibende Unterhaltung. Die vier Jungs von Red Night sorgten mit ihrem kurzen, aber sehr hörenswerten Gig für Begeisterung. Dabei hörte man Maurice Klinge (Gesang), Kilian Böttcher (Gitarre), Jannik Hackenbroich (Drums) und Franz Rößler (Bass) den Spaß am Musizieren deutlich an.

Beim Schlendern durch die Schnellengasse fand eine vertraute Stimme den Weg in den Gehörgang der EMF-Fans. Aber sollte der „King“ persönlich eigens für das Music Festival der Indestadt auferstanden sein, um im „Chaplin“ „Viva Las Vegas“ zu trällern? Big Rey aus den Niederlanden brauchte nur ein Mikrofon, um mit seiner einmaligen Stimme Elvis Presley zu neuem Leben zu erwecken.

Mit der Sänger-Truppe 100 Andree and Friends begeisterte der Musiker derart, dass so mancher auf dem Weg nach Hause noch auf ein oder zwei Bier in der Kneipe Halt machen sollte. Während im Rio Mic, Pascal und Sash von lostinmusicx Songs A wie „Altes Fieber“ der Toten Hosen bis W wie „Working Class Hero“ von John Lennon coverte, und zwar im Unplugged-Stil mit Gitarre und Cajon, rockte die relativ neue Formation Charlie mit ihrem Rolling-Stones-Tribute. Eines hatten Tobias Lehmkühler (Gitarre), Sally Kaltenbach (Gitarre), Tobias Breitenstein (Bass), Patrick Gier (Gesang) und Boris Wenseler (Drums) mit ihrem Publikum vor dem Cuma und in der gesamten Innenstadt am Freitagabend gemein: Sie wissen, es ist nur Rock‘n‘Roll, aber sie mögen es. Und das Eschweiler Music Festival ohne Kneipenrallye wäre wie Rock ohne Roll.

Kneipenrallye am Samstag

St. Vith verbindet man hierzulande mit wandern. Die ostbelgische Gemeinde hat aber mehr zu bieten: den Ladies‘ Fantasie Club zum Beispiel. Bis 2014 tourte Singer-Songwriter Jean-Yvez Szmida alleine, bis er Schlagzeuger Joshua Cremer traf. Im „Gürz“ unterstrich das Duo mit feinem Acoustic-Rock und Alternative-Pop höchst eindrucksvoll, dass zwischen Drums und Gitarre ein Bass nicht unbedingt fehlen muss. Und obwohl die angenehme Stimme von Szmida durchaus dazu angetan sein mag, weibliche Fantasien zu erzeugen, ist dieser „Club“ eindeutig nicht nur was für Mädels.

Alte Hasen und „junge Hüpfer“: Treasonfelony, vor bald drei Jahrzehnten von den Gitarristen Manni Rüggiberg und „Putti“ Peters in Aachen gegründet, klingt immer noch frisch. Mit Rock aus drei Jahrzehnten kriegt die Band die Kurve zwischen Slade und Skunk Anansie und feierte im „Schneckenhäuschen“ eine furiose Rockparty. Für frisches Blut sorgen in der Band Sängerin Jaqueline Bomblé und Sänger Nica Hatura. Der doppelte Leadgesang, insbesondere die weibliche Stimme, ermöglicht dem Septett auch Ausflüge Richtung Amy Whinehouse und Alanis Morisette.

Tres Hombres agierten im Restaurant „Der Grieche“. Die drei Herren sind Heinz Robertz (Gesang und Gitarre), Christoph Ortner (Bass) und Hans Fischer (Schlagzeug). Die Rhythm&Blues-Band aus Aachen interpretierte Stücke von Santana über ZZ Top bis hin zu Peter Green und AC/DC. Manche Songs spielen die drei Altrocker hart am Original, andere arrangieren sie einfach etwas um und spielen frei improvisierte Passagen. Das Trio ist ein Garant für anspruchsvolle handgemachte Musik, serviert absolut tanzbaren Blues und sucht dabei permanent den Kontakt zum Publikum.

„I feel good!“ Dafür sorgte die Formation Sally and the Dodgers, die mit klassischem Rock ihr Publikum vor dem Restaurant Pera begeisterte. Das Quintett mit Sally Kaltenbach (Gitarre), Tobias „Tobs“ Lehmkühler (Gitarre und Gesang), Heinz Ganser (Bass), Sonja Brauckmann (Gesang) sowie Schlagzeuger Boris Wenseler hatte unter anderem Stücke wie „No Roots“ von Alice Merton, „I feel good“ (James Brown) und „Hotel California“ von den Eagles im Repertoire.

Schlagerfans waren im Rio goldrichtig. Hier hielten Marc Maree, Peter & Kevin Andree, Fino und Erwin P. die Fans in Atem. Trotz heißen Temperaturen tanzten die Schlagerfans zum Discofox-Rhythmus bis in die Nacht hinein. Eigenkompositionen der fünf Schlagersänger kamen dabei genauso gut beim Publikum an wie Coversongs von bekannten Schlagerstars.

Ultima Prova ließ die Boxen im Chaplin dröhnen. Mit melodiöser Pop- und Rockmusik, bestehend hauptsächlich aus Eigenkompostionen und einigen Coverstücken zogen sie die Gäste in ihren Bann. Sängerin Natascha Kuijpers überzeugte mit einer durchsetzungsstarken Stimme.

Mit Andreas Bentz am Schlagzeug, Hubert Kipke und Calogera Lo Cicero an der Gitarre und Bassist Dominique Hilse interpretierte sie unter anderem die Stücke „Here we you are“, „Prisoner“ und „Lovely Boy“.

Die Manni-Waters-Band zeigte vor dem Restaurant „Cuma“ einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit. Bis vor gut zwei Jahren noch akustisch unterwegs, hat die Band um Leadsänger Heinz Falcman die E-Gitarren wieder ausgepackt und lieferte eine Rock’n’Roll-Show erster Kajüte ab. Dabei interpretiert die Band Originalversionen durchaus nach eigener Facon und mit einer Wucht; Intensität und Präzision, dass es erheblich über den Markt schwappte. Ganz großes Kino.