Eschweiler: Eine spannende Zeitreise mit Eschweiler Sammler Norbert Koslowski

Eschweiler : Eine spannende Zeitreise mit Eschweiler Sammler Norbert Koslowski

Der Eschweiler Norbert Koslowski macht in Herrenmode. Sein Herz aber schlägt für die Sechziger und Siebziger Jahre, was sich auch in seiner Inneneinrichtung widerspiegelt. Paul Santosi sprach mit ihm über Sammel-Leidenschaft, die schönsten Flohmärkte der Region, die Bedeutung von Familie und sonderbare Tonträger, die aus seiner Heimatstadt stammten.

Herr Koslowski, Sie sind Geschäftsführer im Herrenmode-Geschäft, das Ihre Eltern begründeten. Wie kleiden Sie sich selbst? Sie sind eher der legere Typ?

Einige Tonträger von Eschweiler Bands und Orchestern aus der Sammlung Koslowskis. Foto: Paul Santosi.

Koslowski: Ich bin überzeugter Sakko-Träger. Elegant darf es ruhig sein, aber niemals overdressed.

Wenn man in Ihre gute Stube reinkommt, fühlt man sich in die Siebziger Jahre versetzt. Wann begannen Sie damit, prägnante Zeitgeist-Objekte zu sammeln?

Koslowski: Bevor der große Boom losging. Die meisten Dinge stammen noch direkt vom Trödelmarkt oder aus dem Secondhand-Markt. Mein Flipper zum Beispiel war recht günstig. Heute würde man vermutlich eine fünfstellige Summe für ein solches Schätzchen hinlegen. Zum Glück sammele nicht nur ich gerne, sondern meinen Frau hat auch ein Faible dafür.

Ein Blick in die Runde mit all den Objekten vermittelt einem den Eindruck, man macht eine Zeitreise. Flipper, Bogenlampe, Ufo-Tisch, eine riesige Kassette. Haben Sie jemals überlegt, woher die Neigung für diese Dinge stammt?

Koslowski: Schwer zu sagen. Mein Verstand meldet natürlich immer, dass man die meisten Sammlerobjekte nicht wirklich braucht. Aber bei manchen Dingen kommt dann plötzlich eine innere Stimme, die sagt: Das musst Du einfach haben (lacht).

Das bedeutet, Sie sind ein regelmäßiger Flohmarkt-Junkie ?

Koslowski: Ja. Wenn es geht, wöchentlich.

Ein Tipp für Gleichgesinnte: Wo findet man Ihrer Meinung nach den besten Flohmarkt?

Koslowski: In Mönchengladbach in der Nähe der Pferderennbahn gibt es mittwochmorgens immer einen sehr guten. Dienstagmorgens in Gelsenkirchen auch. Mit richtig viel interessantem Trödel. Hier bei uns in der Region steht für meinen Geschmack immer zu viel Neuware an den Ständen. Frühzeitig vor Ort sein ist wichtig. Aber ich habe ja eine Familie, so dass ich heutzutage lieber in Ruhe mit meinen Lieben frühstücke, als in aller Frühe auf Jagd zu gehen.

Pflegen Sie zu irgendeinem dieser Stücke eine besondere Beziehung, die es Ihnen unmöglich macht, sich davon zu trennen?

Koslowski: Nein, so schlimm ist es nicht. Ich könnte auch meine geliebte Plattensammlung jederzeit hinten anstellen, wenn es um die Familie geht. Ich gebe aber zu, dass das manchmal schon seltsame Blüten treibt. Von der Band „Oasis“ zum Beispiel musste ich in den Neunzigern wirklich alles sammeln, was der Markt so hergab. Vinyl-LP, Singles in verschiedenen Formaten, CDs, limitierte Ausgaben und dergleichen. Das gilt auch für einen Künstler wie Lloyd Cole.

Denkt man als Sammler hin und wieder über den sich verändernden Wert von Objekten?

Koslowski: Eigentlich nicht. Speziell bei den Platten würde ich sowieso nie veräußern.

Wie groß ist die Sammlung?

Koslowski: Alleine bei den Vinyl-LPs dürften es etwa um die 2000 Stück sein, dazu 1500 Singles und kartonweise CDs, die ich aber nicht gezählt habe.

Gab es auch schon größere Reisen, um an die Objekte der Begierde zu kommen?

Koslowski: Ja, die Platten-Liebhaberei hat mich früher des Öfteren nach London geführt. Da bin ich mit dem Bus durch die Gegend gefahren. Wenn ich unterwegs etwas Interessantes gesehen hab, bin ich einfach ausgestiegen.

Beachtlich ist Ihre Sammlung von Tonträgern, die etwas mit Eschweiler zu tun haben. Wie fängt man so etwas an? Absicht oder Zufall?

Koslowski: Irgendwann ist mir aufgefallen, dass es da viel zu entdecken gibt. Eschweiler Fanfarentrompeter findet man ziemlich häufig. Im Lauf der Zeit kamen dann auch die schrägeren Dinge hinzu, wie etwa eine Plattenaufnahme des Akkordeon-Orchesters der Musikschule aus den Siebzigern.

Kennen Sie in Eschweiler irgendjemanden, der wie Sie lokale Tonträger sammelt ?

Koslowski: Plattensammler kenne ich viele, aber speziell dieses Genre? Nein. Auch wenn es mit Sicherheit Sammler gibt, die stückmäßig mehr besitzen als ich.

Was ist das älteste Objekt aus dieser Abteilung?

Koslowski: Das dürfte der „Reitermarsch“, die erste Single der Original Eschweiler Ende der Sechziger sein. Da klebt noch ein Sticker drauf: „Gewinner der Goldmedaille beim Weltmusikfest Kerkrade“.

Karnevalistisches Liedgut ist ja nur ein Aspekt. Wissen Sie, wie viele Tonträger in Eschweiler allein im Bereich Rock- und Popmusik in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind ?

Koslowski: Nein, leider nicht. Ist aber auch in Abhängigkeit vom technischen Fortschritt zu sehen. Dem Vinyl folgte die Zeit der Kassetten, wiederum abgelöst von der CD. Mit meiner ersten eigenen Band „Zeit zu sterben“ haben wir jede Menge Kassetten eigenproduziert und die Meisten davon tatsächlich auch verkauft. Völlig abgefahren ist eine Single, die im damaligen Club „Lydo“ auf der Uferstraße entstanden ist. Dann gibt es noch eine Single der Jugendmusikschule Eschweiler, gesponsert von der Firma Karstadt. Auf einer anderen Aufnahme ist der Chor St. Peter und Paul mit einer Version des „Rattenfänger von Hameln“ zu hören. Die meisten Scheiben haben die Eschweiler Fanfarentrompeter unter Willy Jouhsen herausgebracht. Aber ich habe auch modernere Raritäten von Künstlern wie Theo Rick alias Trickbeat, Sebastian Sturm, Hey Hey, Sozialmaffia, Jo Kopke und Play for Roses.